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       # taz.de -- Investitionen in den Frauenfußball: Frau Kang kauft ein
       
       > Englands Frauenfußball emanzipiert sich vom Verband. Die Milliardärin
       > Michele Kang aus den USA investiert in einen Club. Das passt gut
       > zusammen.
       
   IMG Bild: Professioneller Auftritt, bloß die Ränge sind noch leer: Die London City Lionesses im November 2023
       
       Die Miliardärin Michele Kang aus den USA übernimmt nach zwei
       Fußballvereinen, die ihr bereits gehören, nun einen dritten, den englischen
       Zweitligisten London City Lionesses. Das ist vielleicht für die Besitzerin
       des achtfachen Champions-League-Siegers [1][Olympique Lyonnais] nicht der
       allergrößte Wurf, und sogar ihr US-Club [2][Washington Spirit] steht da
       noch ein bisschen besser da.
       
       Aber: Kang schlägt in dem Moment zu, in dem sich die englischen Frauenligen
       eine neue Struktur geben, was vor allem bedeutet, dass sie unabhängiger
       von der (männlichen) Football Association werden. Die Macht soll künftig
       stärker bei den Clubs liegen. Und da sind die London City Lionesses
       interessant. Die haben sich 2019 von Millwall abgespalten und sind der
       letzte im englischen Frauenprofifußball verbliebene Club, der nicht an ein
       Männerteam gekoppelt ist.
       
       Diese Entwicklung, dass nämlich Frauenteams unters Dach reicher Männerclubs
       gehen, gibt es auch in der Bundesliga. Seit dem Abstieg von [3][Turbine
       Potsdam] gibt es dort nur noch die SGS Essen als reinen Frauenverein. Und
       ein Investorinnenmodell wie der Drittligist [4][Viktoria Berlin] kommt
       nicht in Schwung.
       
       Ähnliches konnte man bislang von den London City Lionesses vermelden, aber
       jetzt kommt ja Michele Kang mit ihrer weiblichen Form des
       [5][Multi-Club-Ownership]. „Wenn es darum geht, den Frauensport und den
       Frauenfußball auf die nächste Stufe zu heben, glaube ich nicht, dass wir
       nur einen Verein alleine erreichen wollen“, begründet Kang ihre
       Investitionen. Entsprechend gibt sie ihr Geld überallhin, wo es langfristig
       profitabel scheint. Mit Teams in Asien, Südamerika und Afrika soll sie
       schon in Gesprächen sein.
       
       ## Der starke Markt Großbritannien
       
       Das neue Engagement ist besonders sinnvoll. „Wenn man darüber nachdenkt, wo
       der Schwerpunkt für den Frauensport, den Frauenfußball liegt, dann sind das
       eindeutig die USA und viele große Länder in Europa, und England ist ganz
       sicher eines davon“, erklärte Kang nun. „Ich wusste also, dass wir immer in
       London, in England, sein mussten.“
       
       Einerseits wird dieser Fight für mehr Autonomie von den Männerklubs mit den
       Mitteln des Neoliberalismus geführt: Multi-Club-Ownership und globales
       Investment. Andererseits gibt es aber nicht allzu viele Möglichkeiten,
       anders zu agieren, und der Kampf für mehr Unabhängigkeit ist schon deswegen
       klug, weil sonst zur nächsten Krise der Männerkickerei die Frauenteams am
       schnellsten veräußert werden.
       
       17 Dec 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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