URI:
       # taz.de -- Deutsche Migrationspolitik: Fix einbürgern, schnell abschieben
       
       > Die Ampel einigt sich auf neue Gesetze für Einbürgerungen und
       > Abschiebungen. Im Januar kann der Bundestag sie beschließen.
       
   IMG Bild: Schneller zum deutschen Pass: Die Ampel-Kolaition will künftig aber auch schneller abschieben
       
       Berlin taz | Schneller einbürgern, schneller abschieben: beides kann der
       Bundestag im Januar beschließen, nachdem die Koalition sich jetzt geeinigt
       hat. Knapp fiel die gemeinsame Erklärung aus, welche die
       Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen und FDP dazu am Mittwoch verschickten.
       „Die Koalitionsfraktionen haben in konstruktiven Verhandlungen bei
       wichtigen Gesetzesvorhaben eine Einigung erzielt, die einer modernen
       Einwanderungsgesellschaft und den Prinzipien von Humanität und Ordnung
       gerecht werden““, erklärten Rolf Mützenich (SPD), Christian Dürr (FDP),
       Britta Haßelmann und Katharina Dröge (Bündnis 90/Die Grünen) für ihre
       Fraktionen. Mehr nicht.
       
       Laut dem Gesetzentwurf der Ampel kann man künftig bereits nach fünf Jahren
       Aufenthalt in Deutschland [1][hier Staatsbürger werden]. Bisher musste man
       mindestens acht Jahre hier leben. In Ausnahmefällen soll es schon nach drei
       Jahren möglich sein, sich einbürgern zu lassen: bei guten Leistungen in
       Schule oder Job, guten Sprachkenntnissen oder ehrenamtlichem Engagement.
       Den alten Pass muss man dafür nicht mehr zwangsläufig aufgeben – was jetzt
       schon für EU-Bürger und einige andere gilt, soll zur Regel werden.
       
       Voraussetzung für [2][eine Einbürgerung] ist, dass man keine staatliche
       Hilfe in Anspruch nimmt. Grüne und Abgeordnete der SPD hatten [3][Ausnahmen
       für Behinderte und Menschen, die unverschuldet arbeitslos geworden sind],
       gefordert – ohne Erfolg. Das ist nun Ermessenssache. Verschärft werden die
       Regeln bei Abschiebungen. Behördenvertreter*innen sollen in
       Gemeinschaftsunterkünften nicht nur das Zimmer der Abzuschiebenden betreten
       dürfen, sondern auch andere Räume. Außerdem kann der „Ausreisegewahrsam“
       von bislang 10 Tagen auf maximal 28 Tage verlängert werden. Für
       Minderjährige soll dies nicht gelten – außer, es handelt sich um
       Intensivtäter. Ausreisepflichtigen in Haft muss eine bevorstehende
       Abschiebung nicht mehr angekündigt werden. Schleuser und Mitgliedern
       krimineller Vereinigungen sollen ebenfalls leichter abgeschiben werden
       können.
       
       ## Forderungen der Grünen
       
       Die beiden Vorhaben, auf die sich die Ampel-Fraktionen nun verständigt
       haben, sollten ursprünglich bereits in der vorigen Woche zur abschließenden
       Beratung und Abstimmung auf die Tagesordnung des Bundestags gesetzt werden.
       Dazu kam es nicht, weil vor allem die Grünen noch Nachbesserungen
       forderten, die von der FDP abgelehnt wurden. Sie wollten etwa, dass
       Menschen, die in Abschiebehaft oder Ausreisegewahrsam kommen, automatisch
       kostenfrei ein Pflichtverteidiger an die Seite gestellt bekommen. Bei
       Abschiebungen oder Ausreisegewahrsam solle nun, wenn es noch keinen
       Rechtsbeistand gibt, ein Rechtsanwalt beigeordnet werden. Dies soll
       allerdings erst geschehen, wenn der Betreffende in Gewahrsam
       beziehungsweise Haft genommen worden sei.
       
       „Bei der Reform der gesetzlichen Regelungen zu Rückführungen mussten wir
       durchaus schmerzhafte Kompromisse eingehen, die auch neue Härten für die
       betroffene Menschen bedeuten können“, sagte der stellvertretende
       Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz. Aber es werde die
       Rechtsstaatlichkeit der Verfahren, dass in Zukunft jeder in einer solchen
       Situation „eine fachlich fundierte rechtliche Beratung an die Seite
       gestellt bekommt“, so von Notz. Die Koalitionäre würden zudem gesetzlich
       klarstellen, dass die Seenotrettung von Geflüchteten auch in Zukunft nicht
       kriminalisiert werde.
       
       21 Dec 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Einbuergerung-in-Berlin/!5917999
   DIR [2] /Einbuergerungen-in-Deutschland/!5937815
   DIR [3] /Reform-des-Staatsangehoerigkeitsrechts/!5973840
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Bax
       
       ## TAGS
       
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Abschiebung
   DIR Einbürgerung
   DIR Asylrecht
   DIR Migration
   DIR Schwerpunkt Flucht
   DIR Schwerpunkt Flucht
   DIR Geflüchtete
   DIR Hamburg
   DIR Staatsbürgerschaft
   DIR Schwerpunkt Flucht
   DIR IG
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR SPD-Vorsitzender zu Länder-Asylpolitik: Klingbeil fordert mehr Abschiebungen
       
       Trotz deutschlandweiter Proteste gegen die AfD redet SPD-Chef Lars
       Klingbeil den Rechten nach dem Mund. Und will, dass die Länder mehr
       Menschen abschieben.
       
   DIR Migration in Deutschland: Mehr Visa für Familiennachzug
       
       Deutschland erteilt 2023 rund 125.000 Visa für Familiennachzug, das geht
       aus einer parlamentarischen Anfrage hervor. Auf einen Termin zur
       Visa-Beantragung müssen Antragsteller teils monatelang warten.
       
   DIR Asylrecht in der Europäischen Union: Alle roten Linien überschritten
       
       Das Europäische Asylsystem wurde in den letzten 15 Jahren immer rigider, je
       länger daran geschraubt wurde. Eine Chronologie der Härte.
       
   DIR Immer mehr Abschiebungen in Hamburg: „Es trifft vor allem Familien“
       
       Hamburgs rot-grüner Senat schiebt immer mehr Asylsuchende ab. Anders als in
       Berlin soll es einen humanitären Abschiebestopp im Winter nicht geben.
       
   DIR Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: Kein Pass für benachteiligte Gruppen
       
       Die Ampel will Einbürgerungen erleichtern. Zugleich droht eine
       Verschärfung, die vor allem Frauen und Menschen mit Behinderung treffen
       könnte.
       
   DIR Verschärfung für Geflüchtete: Grundrechte abgeschoben
       
       Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf für schärfere Abschieberegeln
       beschlossen. Dieser greift in Grundrechte Geflüchteter ein, kritisiert Pro
       Asyl.
       
   DIR Verschärfung der Migrationspolitik: Mehr Härte bei Abschiebungen
       
       Die Regierung will verschärfte Abschieberegeln beschließen. Schon jetzt
       wird mehr abgeschoben als im letzten Jahr – sogar nach Russland.