# taz.de -- Rätsel um Baschar al-Assad: Kriegsverbrecher auf Klima-COP?
> Die Emirate haben Syriens Machthaber auf die COP28 eingeladen. Dabei gibt
> es einen Haftbefehl aus Frankreich gegen ihn – wegen Kriegsverbrechen.
IMG Bild: Der syrische Kriegsverbrecher Baschar al-Assad wird von den Emiraten auf die COP28 eingeladen
Frankfurt taz | Der [1][Klimagipfel in Dubai (COP28)] sollte das Comeback
von Syriens Machthaber Baschar al-Assad auf internationaler Politikbühne
sein. Die Emirate haben ihn eingeladen – trotz seiner [2][zahlreichen
dokumentierten Kriegsverbrechen]. Sollte er teilnehmen, wäre es sein erster
Auftritt bei einer internationalen Konferenz seit 2011. Ein Problem könnte
aber noch ein Gerichtsbeschluss sein: Am 14. November haben französische
Strafrichter einen Haftbefehl gegen den syrischen Präsidenten erlassen,
wegen Beihilfe zum Einsatz verbotener Chemiewaffen. Bei den Angriffen mit
Sarin-Gas gegen die eigene Bevölkerung in der Stadt Douma und im Bezirk
Ost-Ghouta 2013 kamen mehr als 1.000 Menschen ums Leben.
Assad und seine Regierung haben während des Krieges humanitäre Hilfe als
Waffe eingesetzt, Regimekritiker*innen werden brutal gefoltert.
Trotzdem ist der Normalisierungsprozess im Gang, angetrieben durch die
Staaten der Arabischen Halbinsel, die im Mai beschlossen, [3][Syrien wieder
in die Arabische Liga aufzunehmen].
Im Juli hatte Assad seinen ersten internationalen Auftritt bei dem Treffen
der Liga. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte sich für die
Re-Integrierung eingesetzt. Im Sommer 2021 hatte Bahrain einen Botschafter
nach Syrien entsandt, die Emirate begannen bereits 2018, ihre Beziehungen
zu Assads Regime wiederherzustellen. Im Mai luden sie dann Assad zur COP28
ein.
Die Emirate haben ein Auslieferungsabkommen mit Frankreich. Könnte Assad
auf dem Gipfel verhaftet werden? „Es ist ein möglicher Weg für eine
Verhaftung, aber ich bin nicht naiv zu behaupten, dass es so ablaufen
wird“, sagt Steve Kostas, leitender Anwalt bei der Open Society Justice
Initiative, die die Klage unterstützt hat. Noch nie hat es einen nationalen
Haftbefehl gegen ein amtierendes ausländisches Staatsoberhaupt gegeben.
„Die französische Regierung muss den Haftbefehl in Kraft setzen. Die
Polizei würde den Haftbefehl an Interpol weiterleiten und Interpol eine
rote Notiz herausgeben“, erklärt Kostas. Die Staaten wären dann angehalten,
die betreffende Person vor das französische Gericht zu bringen.
## Was ändert der Haftbefehl?
Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisationen ist der Haftbefehl „sehr
wahrscheinlich“ noch nicht über Interpol verbreitet worden. „Wir hoffen
jedoch, dass die Franzosen ihren Teil einhalten und die Emirate zur
Zusammenarbeit auffordern werden – und dass die Emirate erkennen, dass sie
Assad angesichts des bestätigten Verdachts auf seine Rolle bei den
chemischen Angriffen nicht zur COP28 in diesem Monat einladen sollten.“
Der Haftbefehl könnte die Teilnahme Assads erschweren und somit dazu
beitragen, ihn erneut zu isolieren. Aida Samani, leitende juristische
Beraterin bei Civil Rights Defenders, sagt gegenüber der taz, dass der
Zeitpunkt des Haftbefehls eine symbolische Wirkung haben könnte: “Es ist
ein sehr starkes Signal an andere Staaten, dass sie eine Normalisierung mit
einer Regierung anstreben, die Chemiewaffenangriffe gegen ihre eigene
Bevölkerung verübt hat.“ Die syrische Delegation zum Klimagipfel zumindest
werde nicht von Assad geleitet, sondern vom syrischen Premierminister,
verriet ein Delegierter der Nachrichtenagentur Reuters am Montag – ohne zu
sagen, ob Assad der COP28-Versammlung trotzdem einen Besuch abstatten wird.
28 Nov 2023
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Julia Neumann
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