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       # taz.de -- Auslosung der Fußball-EM 2024: Gestöhne und Geziehe
       
       > Die DFB-Auswahl muss in „keine Todesgruppe“. Das wurde bei der Auslosung
       > erleichtert festgestellt. Aber gestöhnt wurde auch.
       
   IMG Bild: Mit spitzen Fingern: Gianluigi Buffon (l.) zieht die „Deutschland-Gruppe“
       
       Das Stöhnen soll lustvoll gewesen sein. So jedenfalls interpretieren die
       meisten Teilnehmer der Auslosung der [1][Fußball-Europameisterschaft] der
       Männer in der Hamburger Elbphilharmonie eine Geräuschkulisse, die aufkam,
       als gerade die Schweiz als Deutschlands Gruppengegner gezogen wurde. In den
       sozialen Medien war gar von Sexgeräuschen die Rede, so richtig sicher war
       sich jedoch niemand, und derjenige, der sich zu der Störung bekannte, der
       englische Comedian Daniel Jarvis, gab auch keine Aufklärung.
       
       Deutschland – Schottland – Ungarn – Schweiz. So lautet das
       Auslosungsergebnis für das DFB-Team, das als Ausrichter der EM 2024 gesetzt
       ist. Zu Turnierbeginn, am 14. Juni in München, geht es gleich gegen
       Schottland.
       
       „Das ist keine Todesgruppe“, analysierte Bundestrainer [2][Julian
       Nagelsmann], erinnerte sich jedoch hurtig an die jüngsten Auftritte seiner
       Truppe und fügte hinzu: „Aber es gibt keine wirklich schlechten Gegner.“
       Nagelsmanns Chef, DFB-Sportdirektor [3][Rudi Völler], wählte die andere
       Reihenfolge: erst Demut, dann Optimismus. „Wir sind nicht in der Situation,
       dass wir irgendeinen Verband unterschätzen“, gab er sich zunächst
       bescheiden, hatte aber auch ein „Aber“ im Köcher: „Aber unser Anspruch ist
       natürlich, eine Runde weiterzukommen.“ DFB-Präsident Bernd Neuendorf wusste
       noch beizutragen, dass Deutschland als Turniermannschaft immer noch viel
       Respekt entgegengebracht werde. Es war überhaupt eine bemerkenswerte
       deutsche Erfolgsgewissheit zu verzeichnen. Ex-Bundesligamanager Heribert
       Bruchhagen sagte ganz deutlich: „Da auch der Dritte in der Gruppe
       weiterkommt – das ist ja eigentlich ein Witz –, bin ich mir sicher, dass
       wir ein gutes Los gezogen haben.“
       
       Unterstützt wird dieser Optimismus von Murat Yakin, dem Schweizer Trainer,
       der dem DFB eine „Favoritenrolle“ zuspricht, und von Ungarns Trainer Marco
       Rossi, der prognostiziert, dass Deutschland „wahrscheinlich als
       Gruppenerster“ abschließt.
       
       ## Weiterkommen im neuen Sommermärchen
       
       Sollte das Weiterkommen gelingen, was ja bei den vergangenen Turnieren
       nicht wirklich selbstverständlich war, wären plötzlich im Achtelfinale
       Gegner wie Spanien, Italien oder England nicht unrealistisch. Und solche
       Teams stellen gegenwärtig für den DFB eine Hürde dar, die sogar die
       versammelten Experten als solche wahrnahmen. Um die doch nehmbar zu machen,
       gibt es ja den Heimvorteil, und wie man sich den vorstellen darf, wurde an
       diesem Samstagabend in der Hamburger Elbphilharmonie vorgeführt: Jonas
       Kaufmann, vorgestellt als Startenor, und David Garrett, Beruf Stargeiger,
       traten auf. So soll 2024 das [4][„Sommermärchen 2006“] nachgespielt werden.
       Gerne erinnert man sich, dass damals Herbert Grönemeyer mit „Zeit, dass
       sich was dreht“ zum WM-Song ernannt wurde – sehr zum Ärger von Heino und
       Jack White, die „Wir tanzen Polka, denn wir lieben Germany“ platzieren
       wollten.
       
       Ob das besser gewesen wäre als die Stöhngeräusche, die die Auslosung
       untermalten, ist eine ganz schwer zu bewältigende Abwägungsfrage.
       Jedenfalls gehörten die Stöhngeräusche zu den sich am stärksten ins
       Gedächtnis drängenden Momenten dieser EM-Auslosung. Italiens Torwartlegende
       Gianluca Buffon hatte gerade die Gruppe A, in der Deutschland gesetzt war,
       gezogen, da begann das Stöhnen. Einige der Gäste lachten, andere schauten
       auf den Boden, und Uefa-Funktionär Giorgi Marchetti, der als Ziehungsleiter
       fungierte, sagte: „Hier sind ein paar Geräusche …“
       
       Andere Gruppen hätten anderes Stöhnen verursachen können: Spanien, Italien,
       Kroatien und Albanien in der Gruppe B dürfte schwer sein, ähnlich wie die
       Gruppe D, die bisher aus Frankreich, den Niederlanden und Österreich
       besteht (später gesellt sich noch der Sieger der Play-offs A dazu).
       
       3 Dec 2023
       
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