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       # taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Weitere 800 aus Gaza ausgereist
       
       > Erneut konnten Ausländer und Palästinenser mit Zweitpass den Gazastreifen
       > verlassen. Frankreichs Präsident Macron ruft zum Engagement gegen
       > Antisemitismus auf.
       
   IMG Bild: Warten am Grenzübergang: LKWs mit humanitärer Hilfe für Gaza, 12. November 2023
       
       ## Ausländer und Palästinenser mit Zweitpass ausgereist
       
       Aus dem Gazastreifen sind erneut Hunderte Ausländer und Palästinenser mit
       zweitem Pass ausgereist. Mehr als 800 von ihnen hätten den Grenzübergang
       Rafah nach Ägypten überquert, sagte am Sonntag ein Sprecher des
       Kontrollpunkts auf palästinensischer Seite. Damit hätten seit Wiederöffnung
       der Grenze vor etwa anderthalb Wochen rund 2700 Ausländer und Palästinenser
       mit zweitem Pass das abgeriegelte Küstengebiet verlassen.
       
       Ein Vertreter des Ägyptischen Roten Halbmonds sagte am Sonntag zunächst
       nur, 500 von ihnen seien auf der ägyptischen Seite des Grenzübergangs
       angekommen. Die Mehrheit stamme aus Russland und der Ukraine. Zudem seien
       es Ägypter, die ursprünglich aus den Palästinensergebieten stammten.
       
       Das russische Ministerium für Katastrophenschutz teilte ferner mit, am
       Sonntag seien allein 70 Menschen mit russischem Pass über Rafah ausgereist.
       Nach früheren Angaben könnten sich bis zu 600 Menschen mit russischer
       Staatsbürgerschaft im Gaza-Streifen aufhalten, meldete die Agentur Tass.
       
       Der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News berichtete, etwa 500
       der Ausreisenden stammten aus rund 15 Ländern, darunter auch Deutschland,
       USA, China und Frankreich. Sie warteten im Saal des Grenzübergangs darauf,
       dass ihre Formalien für die Ausreise erledigt werden, um dann mit
       Unterstützung ihrer Botschaften weiterzureisen. (dpa)
       
       ## Israels Armee: Mehrere Verletzte durch Rakete aus Libanon
       
       Bei einem Angriff aus dem Libanon sind nach Angaben des israelischen
       Militärs in der Grenzregion mehrere Zivilisten verletzt worden. Die
       Streitkräfte reagierten mit Artilleriebeschuss auf den Ort, von dem die
       Attacke ausgegangen war, wie die Armee am Sonntag mitteilte. Nach
       israelischen Medienberichten handelte es sich bei den Verletzten um ein
       Team von Elektrikern, das in der Ortschaft Dovev Infrastruktur reparieren
       sollte.
       
       Die Hisbollah erklärte, ihre Kämpfer hätten „logistische Truppen“ Israels
       in der Grenzregion angegriffen. Diese hätten dort Sendemasten sowie Abhör-
       und Spionagegeräte installieren wollen. Bei dem Angriff habe es Tote und
       Verletzte gegeben. Die Miliz veröffentlichte auch ein Video, das einen
       Angriff auf einen israelischen Militärposten zeigen soll.
       
       Medienberichten zufolge wurden bei dem Vorfall in Israel mehrere Fahrzeuge
       durch eine Panzerabwehrrakete getroffen. Auf Videos, die in sozialen
       Netzwerken kursierten, war zu sehen, wie Autos in Flammen standen. Wie
       viele Menschen verletzt wurden und welche Gruppierung im Libanon für den
       Angriff verantwortlich war, blieb zunächst unklar. (dpa)
       
       ## Macron ruft zum Einsatz gegen Antisemitismus auf
       
       Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die Franzosen zum Engagement
       gegen Antisemitismus aufgerufen. „Ein Frankreich, in dem unsere jüdischen
       Mitbürger Angst haben, ist nicht Frankreich“, schrieb Macron in einem Brief
       an die Bevölkerung, der in der Zeitung „Le Parisien“ veröffentlicht wurde.
       
       Macron verwies darauf, dass bei dem Terrorangriff der
       militant-islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 40 französische
       Staatsbürger getötet worden seien. Acht würden noch vermisst oder als
       Geiseln festgehalten. Inmitten dieses Leids für Frankreich sei „der
       unerträgliche Wiederanstieg eines hemmungslosen Antisemitismus“ zu
       verzeichnen, teilte Macron mit.
       
       Nach Angaben des französischen Innenministeriums hat es seit dem Beginn des
       Gaza-Kriegs am 7. Oktober mehr als 1000 antisemitische Vorfälle im Land
       gegeben. Am (heutigen) Sonntag war ein Marsch gegen Antisemitismus in Paris
       geplant. Daran teilnehmen sollten Premierministerin Élisabeth Borne und
       zahlreiche weitere Politiker. Macron ließ wissen, dass er sich nicht
       persönlich beteiligen, aber im „Herzen und im Geiste“ dabei sein werde.
       
       In Paris wurden 3000 Polizisten entlang der Marschroute stationiert. Zu dem
       Marsch hatten die Spitzen des französischen Senats und der
       Nationalversammlung aufgerufen. (ap)
       
       ## 24 Stunden Bombardierung am Al-Schifa Krankenhaus
       
       Ahmed al-Mokhallalati, ein leitender plastischer Chirurg im Al-Schifa
       Krankenhaus im Gazastreifen, erklärt gegenüber Reuters, die Bombardierung
       im Umfeld des Krankenhauses dauere seit mehr als 24 Stunden an:„Es ist ein
       totales Kriegsgebiet. Es herrscht eine völlig unheimliche Atmosphäre hier
       im Krankenhaus.“ Die meisten Mitarbeiter und Flüchtlinge, hätten das
       Krankenhaus verlassen. 500 Patienten seien geblieben.
       
       Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt am Samstag mit, sie habe die
       Kommunikation mit ihren Ansprechpartnern im Al-Schifa-Krankenhaus im Norden
       des Gazastreifens verloren. Die WHO sei „sehr besorgt um die Sicherheit des
       medizinischen Personals, hunderter kranker und verletzter Patienten,
       einschließlich Babys, die lebenserhaltende Maßnahmen benötigen, und der
       Vertriebenen in den Krankenhäusern.“ Die WHO ruft erneut zu einer
       sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen auf. (rtr)
       
       ## Israel fliegt Luftangriffe auf Ziele in Syrien
       
       Als Reaktion auf den Beschuss der annektierten Golanhöhen hat Israel Ziele
       im benachbarten Syrien angegriffen. Die Luftwaffe habe dabei
       „terroristische Infrastruktur“ ins Visier genommen, teilte die Armee am
       Sonntagmorgen mit. Nach Armeeangaben waren am Samstag zwei von Syrien aus
       abgefeuerte Geschosse in unbewohnten Gebieten auf den Golanhöhen
       eingeschlagen. In der Region wurde Luftalarm ausgelöst.
       
       Israel hatte bereits am Freitag Ziele Syrien angegriffen, nachdem eine
       Drohne, die nach Armeeangaben aus Syrien abgefeuert wurde, eine Grundschule
       in Eilat im Süden Israels getroffen hatte. Die Drohne richtete nur
       Sachschaden an.
       
       Israel hält die [1][strategisch wichtigen Golanhöhen] seit dem Ende des
       Sechstagekriegs im Jahr 1967 besetzt und annektierte sie 1981. Die
       internationale Staatengemeinschaft erkennt die Annexion bis heute nicht an.
       (afp)
       
       ## Mehr als 280 Deutsche und Angehörige aus Gaza ausgereist
       
       Dutzende weitere Menschen mit [2][deutscher Staatsbürgerschaft] haben nach
       Angaben des Auswärtiges Amts in den vergangenen Tagen den umkämpften
       Gazastreifen verlassen können. Insgesamt seien inzwischen über 280 Deutsche
       und ihre Angehörigen ausgereist, teilte das Auswärtige Amt am Samstag im
       Onlinedienst X, ehemals Twitter, mit. Es werde weiter intensiv daran
       gearbeitet, dass alle Deutschen, die dies wollen, das Palästinensergebiet
       verlassen können.
       
       Der Gazastreifen war nach dem Großangriff der radikalislamischen Hamas auf
       Israel am 7. Oktober abgeriegelt worden. Anfang November wurde dann der
       Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen für die Ausreise
       von Ausländern und Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft geöffnet.
       Zuvor durften nur Hilfskonvois die einzige nicht von Israel kontrollierte
       Grenze passieren. (afp)
       
       ## US-Militärflugzeug bei Übungsflug am Mittelmeer abgestürzt
       
       Nach einer „Panne“ während eines Übungsflugs in der östlichen
       Mittelmeerregion ist ein US-Militärflugzeug abgestürzt. Die Maschine habe
       während des Trainingsflugs am Freitag eine „Panne erlitten“ und sei
       abgestürzt, teilte das Europakommando der US-Streitkräfte (Eucom) am
       Samstag mit. Zum Schicksal der Besatzung sowie zum Flugzeugtyp machte die
       Eucom zunächst keine Angaben. Die Ursache des Zwischenfalls werde
       untersucht. Es gebe jedoch keine Hinweise auf „feindliche Aktivitäten“.
       
       Nach dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen
       Hamas im Gazastreifen hatten die USA ihre Militärpräsenz in der Region
       erhöht und unter anderem den Flugzeugträger „USS Gerald Ford“ entsandt.
       (afp)
       
       ## Hamas hat Kontrolle über Norden des Gazastreifens verloren
       
       Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas hat nach israelischer
       Darstellung die Kontrolle über den nördlichen Teil des Gazastreifens
       verloren. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am
       Samstagabend, Hamas-Kämpfer hätten „keinen sicheren Ort mehr, um sich zu
       verstecken“. Auch das Militär hatte zuvor mitgeteilt, die Hamas
       kontrolliere den Norden des Küstenstreifens nicht mehr.
       
       Netanjahu sagte, von Hamas-Chef Jihia al-Sinwar „bis zum letzten
       Terroristen“ seien alle todgeweiht. Die Armee habe bereits Tausende
       Terroristen getötet, darunter auch „Kommandeure, die das schreckliche
       Massaker am 7. Oktober angeführt haben“.
       
       Es werde keine [3][Waffenruhe] ohne Rückführung der [4][Geiseln] geben,
       bekräftigte Netanjahu. Zu diplomatischen Bemühungen um eine Freilassung
       sagte er, man werde die Familien informieren, sobald es etwas Konkretes
       gebe. Bis dahin sei es besser, zu schweigen.
       
       Netanjahu erklärte erneut, Israel wolle nach einem Sieg über die Hamas die
       Sicherheitskontrolle im Gazastreifen behalten. Der Küstenstreifen müsse
       entmilitarisiert werden, damit er keine Bedrohung mehr für Israel
       darstellen könne. Die Armee werde Gaza kontrollieren, solange dies
       notwendig sei, sagte Netanjahu. (dpa)
       
       12 Nov 2023
       
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