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       # taz.de -- Budgetstreit in der Regierung: Haushaltsmeister gesucht
       
       > Die Ampelkoalition kann ihren Finanzplan für 2024 nicht wie geplant
       > beschließen. Die Regierung muss Eingeständnisse machen, doch ist sie dazu
       > bereit?
       
   IMG Bild: Auch Wirtschaftsminister Habeck kann's nicht richten
       
       Berlin taz | Der Problemberg für die Bundesregierung wächst derzeit so
       schnell, wie sich ihr Handlungsspielraum einengt. Die Ampelkoalition setzte
       am Mittwoch die für kommende Woche geplante Verabschiedung des Haushalts
       für das Jahr 2024 aus. [1][Streit gab es aber auch über das laufende
       Budgetjahr:] Innerhalb der Koalition wurde um eine Aussetzung der
       Schuldenbremse für 2023 gerungen. Sogar in der Union wurde dies als
       möglicher Ausweg für die Regierung gesehen, der wegen der
       verfassungswidrigen Aufstellung des Klima- und Transformationsfonds
       weiterhin 60 Milliarden Euro im Budgetplan fehlen.
       
       „Die Beschlussfassung des Haushalts 2024 im Bundestag wird nicht, wie
       bisher geplant, in der kommenden Sitzungswoche stattfinden“, erklärten die
       Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition, Christian Dürr (FDP),
       Katharina Dröge, Britta Hasselmann (beide Grüne) und Rolf Mützenich (SPD)
       in einem gemeinsamen Statement. Ihr Ziel sei es, „den Haushalt zügig, aber
       mit der gebotenen Sorgfalt zu beraten, um Planungssicherheit zu schaffen“.
       
       Damit erklärten die Fraktionen Äußerungen des Bundeskanzlers von
       vergangener Woche als nichtig. [2][Olaf Scholz (SPD) hatte zuletzt noch an
       den Haushaltsberatungen für das kommende Jahr festgehalten.] „Der Deutsche
       Bundestag wird seine Beratung über den Haushalt 2024 wie geplant
       fortsetzen, […] der Haushalt soll planungsgemäß zur Abstimmung gestellt
       werden“, hatte er am vergangenen Mittwoch im Bundeskanzleramt gesagt.
       
       Nun will die Regierungskoalition für klare Verhältnisse in ihrer
       Finanzplanung sorgen. Am Montagabend hatte Finanzminister Christian Lindner
       (FDP) [3][eine Sperre für den gesamten Bundeshaushalt verhängt.] Damit
       können die Ministerien keine weiteren Finanzzusagen aus dem laufenden
       Haushalt tätigen. Von diesem Stopp für geplante Ausgaben ist auch der
       Wirtschaftsstabilisierungsfonds betroffen, aus dem bei einem Anstieg der
       Rohstoffpreise Geld in die Gaspreisbremse fließen würde.
       
       ## Priorisierung der Ausgaben gefordert
       
       Damit das Millardenloch im Klima- und Transformationsfonds nicht mit
       Mitteln aus dem regulären Haushalt gestopft werden muss, könnte die
       Regierung versuchen, rückwirkend [4][die Schuldenbremse mit einem
       Nachtragshaushalt außer Kraft zu setzen]. Die Ampel könnte versuchen, dies
       mit einer Notlage im Zuge des Kriegs in der Ukraine zu begründen. Auch
       unabhängige Finanzexperten sahen das bei einer Anhörung zur
       Haushaltsplanung am Dienstag im Bundestag als möglichen Weg.
       
       „Einen Schönheitspreis würde das aber nicht verdienen“, sagte der
       stellvertretende CDU-Vorsitzende Andreas Jung der taz. Die Ausnahmeregelung
       müsse eigentlich am Anfang des Jahres beschlossen werden. „Das hat die
       Ampel nicht getan.“ Ähnlich wie der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz forderte
       Jung von der Bundesregierung eine Priorisierung in ihrer Ausgabenliste.
       Jung sagte, „es dürften nicht willkürlich Schuldenberge aufgetürmt werden“.
       Merz hatte am Dienstagabend bei „Maischberger“ in der ARD gefordert, dass
       bei der Kindergrundsicherung, beim Bürgergeld und beim Heizungsgesetz
       gespart werden solle. „Es geht eben nicht mehr alles.“
       
       Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stellt
       der Regierung angesichts ihrer Haushaltslage ein schlechtes Zeugnis aus.
       „Die Ampelparteien sind zu zerstritten und halten an ihren Dogmen fest“,
       kritisierte Marcel Fratzscher gegenüber der taz. Ein Regierungssprecher
       sagte dagegen in Berlin, die Bundesregierung werde die Herausforderungen
       bestehen, die Ampel wackele nicht.
       
       Bis Ende des Jahres hat die Regierung Zeit für die Aufstellung eines
       verfassungsgemäßen Haushalts. Die Verhandlungen über das Aussetzen der
       Schuldenbremse in der Koalition sprechen für einen langen Weg, der in
       kürzester Zeit zurückgelegt werden muss.
       
       22 Nov 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Nach-dem-Urteil-zum-Klimafonds/!5974751
   DIR [2] https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Video-Textfassungen/2023/textfassung-2023-11-15-statements-scholz-habeck-lindner.html
   DIR [3] /Teilweise-Haushaltssperre/!5971299
   DIR [4] /Haushaltskrise-der-Ampel/!5971256
       
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