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       # taz.de -- Mies van der Rohe Haus in Lichtenberg: Glänzende Pailletten, träge Ämter
       
       > Die fließenden Übergänge zwischen innen und außen betont eine Ausstellung
       > von Bettina Allamoda im Mies van der Rohe Haus in Lichtenberg.
       
   IMG Bild: Das Mies van der Rohe Haus mit dem Werk „Outdoor Untiteld/Unlimited“ 2023 von Bettina Allamoda
       
       Die Herbstsonne spielte mit ihrer verglimmenden Kraft malerisch mit den
       reflektierenden Metallteilchen, die [1][Bettina Allamoda] in ihre textilen
       Installationen eingearbeitet hatte. Große rote Stoffbahnen wölbten sich im
       Inneren des Hauses und schmiegten sich an die Außenfassaden an. Dabei
       traten die glänzenden Pailletten in einen Dialog mit den roten
       Ziegelsteinen, aus denen Ludwig Mies van der Rohe das kleine, aber feine
       Einfamilienhaus für das Fabrikantenehepaar Lemke erbauen ließ. Es handelt
       sich um das letzte Berliner Bauwerk von Mies vor seiner Emigration in die
       USA.
       
       [2][Der streng rechteckige Ziegelbau im Berliner Nordosten] stellt ein
       ideales Gegenstück zum ikonischen Glaskasten der Neuen Nationalgalerie im
       Zentrum dar. Unter der langjährigen Leiterin Wita Noack wurde es zu einem
       Kleinod. Die Ausstellungen, oft mit direktem Bezug zur Architektur, fanden
       auch internationale Beachtung.
       
       Die Ausstellung der für ihre Auseinandersetzungen mit Architektur bekannten
       Berliner Künstlerin Bettina Allamoda, mit dem Titel
       „Außendekoration/Inneneinrichtung“ passt perfekt in dieses Programm. Neben
       dem Kontrast Pailletten vs. Ziegelsteine überzeugte vor allem der diagonal
       durch den Raum gehende Schwung der meterlangen Stoffbahnen, die die streng
       rechtwinkligen Mauern auflockerten und zugleich die organischen Formen des
       nahen Ufers des Obersees spiegelten.
       
       ## Konflikt um die Erweiterung
       
       Größere Aufmerksamkeit als die Kunst erfuhr zur Eröffnung aber der Konflikt
       um die Erweiterung des Hauses. Bei allen Parteien unstrittig ist die
       Notwendigkeit der Erweiterung, sei es in Form eines An- oder Neubaus oder
       mit einer Auslagerung von Büro- und Serviceräumen auf ein benachbartes
       Grundstück. Der Förderverein des Hauses fordert dies seit Langem, ebenso
       Leiterin Wita Noack.
       
       Auch [3][Kultursenator Joe Chialo] befürwortet auf Nachfrage der taz eine
       Erweiterung. Er stellte sogar Sondermittel in Aussicht, um für den
       kolportierten Kaufpreis von 3,9 Millionen Euro ein benachbartes Grundstück
       zu erwerben. Und weil auch Lichtenbergs Kulturstadträtin Catrin Gocksch
       sich als Vertreterin des Trägers der Einrichtung einer baulichen
       Erweiterung gegenüber aufgeschlossen zeigte, sollte also alles prima sein.
       „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dem Haus Möglichkeiten
       einzuräumen, sich weiterzuentwickeln“, sagte sie zur Eröffnung.
       
       Dann aber reichte just ihr Bezirksamt den Antrag auf die Sondermittel nicht
       rechtzeitig ein. „Wir müssen den Rechtsweg einhalten und verschiedene
       Gutachten einholen. Das ist bei der Übernahme von Grundstücken in den
       Bestand des Bezirks unsere Pflicht“, erklärte sie gegenüber der taz die
       Verzögerung.
       
       Der Förderverein, der die Immobilie überhaupt erst aufgespürt und die
       Bereitschaft der Eigentümer zum Verkauf auch eingeholt hatte, zeigte sich
       enttäuscht und frustriert. Bereits seit April ist das Objekt bekannt,
       Anfang Oktober eröffnete sich auch die Chance über die Sondermittel. Die
       Prüfung für den Antrag wurde aber offenbar noch nicht einmal eingeleitet.
       
       Inzwischen sind die Messen gesungen. „Die Mittel sind jetzt anderweitig
       verplant“, teilte die Senatskulturverwaltung der taz mit. Die insgesamt 25
       Millionen Euro aus dem Sondervermögen müssen bis Ende des Jahres ausgegeben
       werden. Und weil das Bezirksamt Lichtenberg nicht durch schnelle
       Aktenbearbeitung brillierte, kann sich nun jemand anderes über die
       eigentlich dem Mies van der Rohe Haus zugedachten Mittel freuen. Die
       Stoffbahnen von Allamoda am Gebäude kann man daher als Fahnen auf halbmast,
       als Zeichen der Trauer, deuten.
       
       16 Nov 2023
       
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