URI:
       # taz.de -- Debatte um den Görlitzer Park: Zaunfrei forever
       
       > In Kreuzberg hat sich das Bündnis „Görli Zaunfrei“ gebildet. Unterdessen
       > fordern die Grünen ein 55-Millionen-Euro-Paket gegen die Verelendung.
       
   IMG Bild: Klare Forderung: Die Pläne des Senats stoßen in den Kiezen um den Görlitzer Park auf Widerstand
       
       Berlin taz | Auf seinem medienwirksamen [1][„Sicherheitsgipfel“ Anfang
       September] hatte der Senat beschlossen, dass der Görlitzer Park in
       Kreuzberg eingezäunt und nachts abgesperrt werden soll. „Mein Ziel ist,
       dass der Zaun so schnell wie möglich aufgestellt wird und spätestens Anfang
       nächsten Jahres steht“, verkündete Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Ein
       Signal an seine Klientel, die eher außerhalb des Innenstadtrings zu finden
       ist.
       
       In Kreuzberg selbst überwiegt dagegen die Skepsis: „Ein Zaun löst keine
       Probleme, sondern verschiebt sie in die Kieze“, schreibt das neu gegründete
       Bündnis „Görli Zaunfrei“, das aus sozialen Projekten und Nachbar*innen
       aus dem Görlitzer Park und den umliegenden Kiezen besteht. Diese saßen beim
       „Sicherheitsgipfel“ des Senats nicht mit am Tisch.
       
       Am Dienstagvormittag treffen sich vier Vertreter*innen des Bündnisses
       dafür im Versammlungsraum des Kinderbauernhofs im Görlitzer Park.
       „Verdrängung löst kein Problem“, stellt Juri Schaffranek vom
       [2][Straßensozialarbeitsverein Gangway] fest. Das vom Senat beschlossene
       Maßnahmenpapier, das unter anderem die nächtliche Schließung des Parks,
       Einlasskontrollen durch private Sicherheitsdienste, Videoüberwachung und
       eben eine Einzäunung des Parks vorsieht, sei „repressionslastig“ und trage
       eher zur Verschärfung des Problems bei.
       
       Das Problem: Verelendung, „Hochrisikokonsum“ und eine Zunahme bei
       Drogenabhängigen und Obdachlosen. „Die Situation hat sich in den letzten
       Jahren verschärft“, bestätigt Esther Borkam vom Kiez Anker 36. „Es ist sehr
       viel Crack unterwegs.“ Allerdings hätten Polizeirazzien und regelmäßige
       Kontrollen nur zu einer Verlagerung der Problemfelder weit über die
       Parkgrenzen hinaus geführt.
       
       ## Konflikte werden nur verschoben
       
       „Was wir brauchen ist Solidarität, Empathie und soziale Sicherung. Geld
       muss in Menschen und soziale Maßnahmen gesteckt werden und nicht in einen
       Zaun und repressive Maßnahmen, die die Konflikte lediglich in die
       umgebenden Nachbarschaften verschieben und die Gewaltsituation für alle
       verschärfen“, heißt es von der Initiative.
       
       Das Bündnis macht konkrete Verbesserungsvorschläge, die zum Teil auf
       jahrelangem Engagement für den Görlitzer Park beruhen. Dazu gehören laut
       Juri Schaffranek ein niedrigschwelliges medizinisches Angebot sowie
       Aufenthalts- und Konsummöglichkeiten für Drogenkranke, Möglichkeiten zum
       Aufenthalt im öffentlichen Raum, mehr Straßensozialarbeit und ein
       gemeinsames Konzept aller beteiligten Akteure.
       
       Unterdessen hat [3][die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus] ebenfalls am
       Dienstag als eine Art Nachschlag zum „Sicherheitsgipfel“ vor mehr als zwei
       Monaten ein 55-Millionen-Euro-Paket gefordert, um soziale Maßnahmen gegen
       die Verelendung im öffentlichen Raum zu finanzieren und die Sicherheit in
       Berlin nachhaltig zu erhöhen.
       
       Die Grünen wollen ihr Programm dabei nicht allein auf
       Friedrichshain-Kreuzberg und den Görlitzer Park beschränkt wissen. Vielmehr
       sollen 20 Millionen Euro der Gelder über einen Bezirke-Topf berlinweit zur
       Verfügung stehen. „Die Bezirke brauchen Mittel, auf die sie je nach ihren
       Bedarfen flexibel zugreifen können, um mehr soziale Sicherheit vor Ort zu
       schaffen“, sagte Co-Fraktionschef Werner Graf.
       
       Ungeklärt ist, wie der Senat die sozialen Maßnahmen oder auch den
       anvisierten Zaun finanzieren will. Für dessen Umsetzung wäre formal erst
       mal auch gar nicht der Senat zuständig, sondern der Bezirk. „Aus unserer
       Sicht ist das geplante nächtliche Abschließen des Görlitzer Parks reine
       Symbolpolitik, die nicht dazu beitragen wird, die Situation vor Ort
       nachhaltig zu verbessern“, teilte Friedrichshain-Kreuzbergs
       [4][Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne)] auf Anfrage mit.
       
       Das Bezirksamt ist nicht Teil des Bündnisses „Görli Zaunfrei“, teilt aber
       viele der Forderungen. Aber was ist, wenn alles auf einen Deal hinausläuft?
       „Wir erwarten, dass sich das Bezirksamt klar positioniert“, sagt
       Schaffranek.
       
       14 Nov 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Sicherheitsgipfel-des-Berliner-Senats/!5959049
   DIR [2] /Obdachlosigkeit-in-Berlin/!5946622
   DIR [3] /Gruenen-Fraktionschefin-Bettina-Jarasch/!5960282
   DIR [4] /Nach-dem-Sicherheitsgipfel-in-Berlin/!5956591
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Darius Ossami
       
       ## TAGS
       
   DIR Görlitzer Park
   DIR Grüne Berlin
   DIR Kai Wegner
   DIR Repression
   DIR Görlitzer Park
   DIR Görlitzer Park
   DIR Grüne Berlin
   DIR Görlitzer Park
   DIR Schwarz-rote Koalition in Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Görlitzer Park in Berlin: Woop, that's the Zaun of da Police
       
       Die Senatsumweltverwaltung erteilt Grün Berlin den Bauauftrag für den Zaun
       um den Görlitzer Park. Die Grünen bezweifeln die Rechtmäßigkeit.
       
   DIR Sicherheit im Görlitzer Park: Zaun sozial umrahmt
       
       Für mehr Sicherheit im Görli und am Leopoldplatz sollen 31 Millionen Euro
       fließen. Geld gibt es für die Umzäunung und für Drogensozialarbeit.
       
   DIR Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch: „Die Lage ist schlimm genug“
       
       Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch über die Forderung nach mehr
       Polizeipräsenz, Fake News von CDU-Senatschef Wegner und Angriffe auf ihre
       Partei.
       
   DIR Nach dem Sicherheitsgipfel in Berlin: „Senat betreibt hier Symbolpolitik“
       
       Friedrichshain-Kreuzberg liege kein Konzept vor, was der Senat im Görlitzer
       Park vorhat, sagt Bürgermeisterin Clara Hermann (Grüne).
       
   DIR Sicherheitsgipfel des Berliner Senats: Die schwarz-roten Zaunkönige
       
       Beim Berliner Sicherheitsgipfel einigt man sich auf einen bunten Strauß
       Maßnahmen. Im Görlitzer Park findet derweil ein Anti-Gipfel statt.