# taz.de -- Proteste gegen Nahost-Konflikt: Mehr als 1.100 Straftaten
> Innenministerin Faeser drängt auf eine schnelle Verurteilung der Täter.
> Und will weitere Versammlungsverbote aussprechen.
IMG Bild: BKA-Vizepräsident Peter und Innenministerin Faeser bei einer Pressekonferenz am 20. Oktober
Berlin/Wiesbaden afp/dpa/taz | Bei den Protesten zum Nahost-Konflikt sind
in Deutschland bislang [1][mehr als 1.100 Straftaten] registriert worden.
Dies gab Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Freitag in Wiesbaden
bekannt. Es handle sich um vorläufige Zahlen, vielerorts liefen
Ermittlungsverfahren. Sie mahnte eine rasche Verurteilung der Täter an.
„Die Strafverfolgung muss auf dem Fuß folgen“, sagte Faeser. [2][Allein in
Berlin] habe es hunderte vorläufige Festnahmen gegeben, mehr als 100
Polizeikräfte seien in der Stadt verletzt worden.
Die Innenministerin sprach sich zudem [3][für weitere Versammlungsverbote]
aus – „um Terrorpropaganda und Gewalt zu verhindern“. Bislang seien in
diesem Kontext 46 solche Verbote verhängt worden. Laut Faeser gab es seit
den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober insgesamt schon 211
pro-israelische und 129 pro-palästinensische Veranstaltungen.
Die Ministerin will zudem „aufenthaltsrechtliche“ Konsequenzen durchsetzen:
„Wenn wir Hamas-Anhänger ausweisen können, dann müssen wir das auch tun.“
Das Bundeskriminalamt (BKA) werde weiter die Online-Kanäle der Hamas und
ihrer Unterstützer sperren, auch werde die islamistische Szene noch stärker
in den Fokus genommen.
## Keine Hinweise auf Anschläge
Dem BKA-Vizepräsidenten Jürgen Peter zufolge gibt es dabei weiterhin keine
Anzeichen einer konkreten Gefährdung. „Wir haben keinen Hinweis auf einen
konkret bevorstehenden Anschlag“, sagte er in Wiesbaden. Die aktuelle Lage
sei jedoch „sehr, sehr volatil“ und werde deshalb sehr eng beobachtet und
analysiert. In Berlin und anderen deutschen Städten, darunter Frankfurt und
Nürnberg, kam es seit dem Großangriff der Hamas auf Israel immer wieder zu
pro-palästinensischen Protesten.
Die Berliner Polizei setzt ihre Strategie der Verbote von palästinensischen
Demonstrationen derweil fort. Zwei für Samstag angemeldete Versammlungen in
Berlin-Mitte wurden untersagt, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Auch
jede Ersatzveranstaltung dafür ist demnach bis zum 30. Oktober verboten.
Betroffen ist eine Demonstration mit dem Titel „Frieden in Nahost –
Waffenstillstand in Nahost – Zwei-Staaten-Lösung“, zu der die Veranstalter
nach eigenen Angaben rund 250 Menschen vor dem Brandenburger Tor erwartet
haben. Auch die Versammlung „Kinder, in Gaza brauchen Hilfe gemeinsam
helfen wir Kinder“ auf dem Alexanderplatz wurde untersagt. Ähnliche Titel
trugen schon frühere Demonstrationen palästinensischer Gruppen, die nicht
stattfinden durften. Das erneute Verbot gelte auch für Ersatzveranstaltung
bis zum 30. Oktober, teilte die Polizei mit. Nach Angaben der Behörde hatte
sie zuvor sieben von acht für Donnerstag angekündigten Versammlungen
untersagt.
Ungeachtet der Demo-Verbote war es in den vergangenen Tagen immer wieder zu
pro-palästinensischen Ansammlungen und Gewaltausbrüchen in Berlin gekommen.
Polizistinnen und Polizisten seien auch am Freitag stadtweit unterwegs, um
genehmigte Kundgebungen zu schützen und erlassene Versammlungsverbote
durchzusetzen, teilte die Polizei auf der Plattform X, früher Twitter, mit.
Unterstützt werde die Berliner Polizei dabei von der Bundespolizei sowie
Einsatzkräften aus Brandenburg und Sachsen.
20 Oct 2023
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