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       # taz.de -- Israelischer DJ über Hamas-Terror: „Es bricht mir das Herz“
       
       > DJ Moscoman ist ein israelischer Produzent und Labelbetreiber. Er ärgert
       > sich über das Schweigen einiger Clubszenen zum Massaker in der
       > Negev-Wüste.
       
   IMG Bild: Tatort nach dem barbarischen Angriff der Hamas auf das Supernova-Festival
       
       taz: Moscoman, wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation? 
       
       Moscoman: Nicht gut.
       
       Haben Sie Freunde oder Verwandte, die direkt oder indirekt betroffen sind? 
       
       Das schiere Ausmaß dieses Terrorangriffs ist besser zu erkennen, wenn Sie
       Folgendes verstehen: Jeder in meinem Umfeld hat Freunde oder
       Familienangehörige, die getötet wurden oder noch vermisst werden!
       
       Die Dimension der Gewalt ist noch mal drastischer als alles bisher
       Dagewesene. Können Sie den Zustand in Worte fassen? 
       
       Es ist wie 9/11 auf LSD: Das pure Böse trifft auf hellen Wahnsinn. Dieser
       Anschlag übertrifft jede andere Situation der letzten Jahre – und alle
       unsere Ängste.
       
       Waren Sie selbst auch schon mal auf Festivals in der Negev-Wüste?Ich war
       schon auf vielen Festivals in der Negev-Wüste. [1][Es ist einer der wenigen
       Orte in Israel, an denen man Festivals veranstalten kann]; wohin Menschen
       Reisen in die Natur machen; wo man sich unter den Sternen verabredet. Das
       bricht mir das Herz. Noch mehr bricht es mir das Herz, dass andere
       Festivals und DJs nicht begreifen, dass dies auch sie hätte treffen können
       und wahrscheinlich auch bei zukünftigen Anschlägen treffen wird. Die Hamas
       und der islamistische Terror sind nicht auf Israel und Gaza beschränkt. Das
       war nicht nur ein Angriff auf israelische, jüdische Menschen, sondern auf
       die gesamte Festival-Crowd und alles, wofür sie steht.
       
       2019 gab es die Boykott-Kampagne ‚DJsforPalestine‘ in den Sozialen Medien,
       an der sich DJs aus Großbritannien und den USA beteiligt haben. Diese
       wollten fortan keine Auftritte mehr in Israel absolvieren. Nun haben Sie
       kritisiert, dass diese Ecke in den letzten Tagen verstummt ist und kein
       Wort des Trosts für die Opfer der Attacke übrig hat. Sind Sie enttäuscht
       von der Dancefloor-Szene generell? 
       
       Ja, niemand macht ‚DJSForISRAEL!‘ Wo bleibt die Unterstützung für die 260
       Opfer der Dance-Music-Community, die abgeschlachtet wurden oder als Geiseln
       verschleppt sind? Ich urteile nicht über andere Menschen und ich kann nur
       hoffen, dass sie sich nie so fühlen werden, wie ich und viele andere es im
       Moment tun.
       
       Gibt es DJs, die Ihnen in diesem Zusammenhang besonders negativ in
       Erinnerung geblieben sind? 
       
       Da gibt es viele. Und leider, so scheint es mir, lassen die meisten DJs nun
       Menschlichkeit und Anstand vermissen.
       
       Vor allem angloamerikanische Online-Musikmagazine wie Resident Advisor
       haben bisher weitgehend geschwiegen. Eine Tatsache, die Sie mehrfach
       angeprangert haben. Warum, glauben Sie, wollen diese Medien nicht
       berichten? 
       
       Sie verfolgen schon länger ein bestimmtes Narrativ – das ist ihre freie
       Entscheidung. Ich kann mich nicht erinnern, dass es dort in der
       Vergangenheit je positive Berichterstattung über Israel gegeben hätte. Aber
       ich hoffe, sie verstehen, dass sie sich damit von einer glücklichen,
       kreativen und talentierten Gemeinschaft in Israel entfremden.
       
       Ärgert es Sie, dass Menschen aus Europa und den USA auf Insta und X den
       Hamas-Angriff bejubeln und den Kriegszustand gar als Teil eines
       antikolonialen Ansatzes feiern, während sie selbst zu Hause in Sicherheit
       in ihren Betten liegen? 
       
       Es gibt ein Sprichwort: „Wenn die See ruhig ist, kann jeder ein Kapitän
       sein“. Ich wünsche niemandem, dass er sich auch nur für einen Moment so
       unsicher fühlen muss wie wir jetzt.
       
       Mit Ihrem Label Disco Halal standen Sie für einen [2][„Sound der
       Ko-Existenz“ zwischen Israel und der Levante]; in den Reihen der
       israelischen DJs war die Kritik an der Siedlungs- und Gaza-Politik der
       Rechten stets sehr laut. Glauben Sie, dass sich das ändern wird? 
       
       [3][Das sind Fragen, die zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden!]
       Erst mal müssen wir unsere Freunde, die von der Hamas entführt wurden, in
       Sicherheit bringen. Alles andere ist von nachgeordneter Bedeutung.
       
       13 Oct 2023
       
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