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       # taz.de -- Migrationshilfe und Sparhaushalt: Sprachkurse auch für Lidl-Personal
       
       > Die Arbeiterwohlfahrt beklagt Kürzungen in der Migrationsberatung.
       > Unternehmen wünschen sich mehr Unterstützung für ausländisches Personal.
       
   IMG Bild: Hier wird bei der Finanzierung gekürzt: Sprachkurs für Flüchtlinge
       
       Berlin taz | Zum Beispiel Lidl in Neumünster. „Die sind auf uns direkt
       zugekommen und haben gesagt, wir haben sieben, acht ausländische
       Arbeitskräfte, sie sprechen nicht ausreichend Deutsch, können Sie uns damit
       unterstützen? Wir brauchen vielleicht 50, 60 Unterrichtseinheiten. Das
       haben wir natürlich gemacht,“ erzählt Hatice Erdem, Regionalleiterin bei
       der Arbeiterwohlfahrt [1][(AWO)], am Donnerstag.
       
       Die AWO bietet wie andere Wohlfahrtsverbände Migrationsberatung an,
       Sprach-, Integrationskurse, Hilfe beim Bewältigen der Bürokratie. Bei den
       staatlichen Geldern für die Migratonsberatung der AWO und anderer Verbände
       will Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) [2][kürzen.] Insgesamt
       sollen bei allen Trägern der freien Wohlfahrtspflege rund 25 bis 30
       Prozent, etwa 225 Millionen Euro eingespart werden, sagte Michael Groß,
       Co-Präsident der AWO.
       
       Kommen diese Einsparungen, müsse man „Standorte schließen“, so Erdem. Und
       das, obwohl der Bedarf steigt, denn an anderer Stelle will die
       Bundesregierung die Arbeitskräfteeinwanderung erleichtern. Das seit Anfang
       des Jahres geltende Gesetz zum Chancenaufenthalt und das kommende
       [3][Fachkräfteeinwanderungsgesetz] führten dazu, „dass die Klientel in der
       Beratung nochmal gewachsen ist“, schilderte Erdem. Es gebe viele Anrufe aus
       dem Ausland und dem Inland von Ratsuchenden.
       
       ## Personalmangel ist ein Problem
       
       In einer Umfrage unter Mitarbeitenden des Verbandes stellte sich heraus,
       dass 38 Prozent der Mitarbeiter:innen Sparpläne und mangelnde
       Finanzierung als größte Herausforderung für die freie Wohlfahrtspflege
       ansehen. Noch mehr, nämlich 40 Prozent, sorgen sich allerdings um den
       Fachkräftemangel in den Einrichtungen.
       
       Auch in der Integrationsarbeit fehle es an Fachkräften, sagte Erdem. Die
       Träger von Integrationskursen und Sprachkursen hätten seit einem Jahr
       „große Probleme, Menschen zu finden, die die Integrationskurse
       durchführen“. Auch die ungesicherte und immer nur befristete staatliche
       Finanzierung führe dazu, dass sich Mitarbeiter:innen anderswo Stellen
       suchten.
       
       5 Oct 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://awo.org/umfrage-sozialen-einrichtungen-fachkraeftemangel-und-kuerzungen-bedrohen-die-soziale-versorgung
   DIR [2] /Haushaltsplaene-der-Ampel-Koalition/!5955172/
   DIR [3] https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2023/kabinett-beschliesst-neues-fachkraefteeinwanderungsgesetz.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Dribbusch
       
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