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       # taz.de -- Nahost-Krieg in der virtuellen Welt: Folgenreiche Schlacht der Narrative
       
       > Die orchestrierte Verbreitung gewaltvoller Bilder und Videos aus dem
       > Nahost-Krieg im Netz schürt Hass. Der entlädt sich ganz real auf den
       > Straßen.
       
   IMG Bild: Videos und Bilder zerstören nicht, aber Raketen, wie hier, nahe dem Krankenhaus Al-Ahli Arab
       
       Die Wahrheit stirbt zuerst im Krieg. Ein simpler Satz, der am Dienstagabend
       erneut fürchterliche Gewissheit wurde. Eine Rakete schlägt am
       [1][Baptistenkrankenhaus Al-Ahli Arab in Gaza] ein – und die
       Hamas-Propaganda zeigt nahezu in Echtzeit ihre aggressiven Folgen. Nur
       kurze Zeit nachdem die Explosion bekannt wurde, verbreiteten Hamas-Anhänger
       Bilder über TikTok und andere soziale Medien. Israel massakriert die
       unschuldige Zivilbevölkerung, so lautet das Narrativ.
       
       Und dann brennt es. Im Westjordanland, in Amman, in Beirut, in
       [2][Berlin-Neukölln] gehen Hamas-Unterstützer:innen auf die Straße, lassen
       ihrer Wut freien Lauf. In Berlin-Mitte wird ein Brandanschlag auf ein
       jüdisches Gemeindehaus verübt. Keine Rolle spielt, wer eigentlich
       verantwortlich ist für die Explosion am Krankenhaus, ob es eine
       fehlgeleitete Hamas-Rakete war oder eine Bombe der israelischen Armee. Egal
       ist an diesem Abend auch, wie viele Opfer es eigentlich gibt. Der virtuelle
       Informationskrieg ist in vollem Gange – mit fatalen Folgen.
       
       Am gleichen Abend will [3][Bundeskanzler Olaf Scholz] nach einem
       Solidaritätsbesuch in Tel Aviv nach Kairo aufbrechen. Die Maschine kann
       nicht starten: Raketenalarm. Der Kanzler wird an einen sicheren Ort
       geleitet, die Delegation inklusive Journalist:innen muss sich auf dem
       Rollfeld des Flughafens Ben Gurion auf den Boden legen. In unmittelbarer
       Nähe fliegen die Raketen gen Himmel. Auch dazu gibt es Bilder, die rasend
       schnell im Netz kursieren. Und sie zeigen: Israel ist verletzt und
       verletzbar. Daran kann auch kein Staatschef der Welt auf Besuchsmission
       etwas ändern.
       
       Der [4][Krieg zwischen Israel und der Terrorgruppe Hamas] manifestiert sich
       – auch – in der virtuellen Welt. Wer ist schuld? Wer ist Opfer, wer Täter?
       Menschen sterben nicht durch Bilder, sondern durch Raketen. Aber die
       orchestrierte Verbreitung von brutalen Videos mit Toten und Verletzten
       schürt Hass, der sich dann auf den Straßen anderenorts in reale Gewalt
       verwandelt.
       
       ## Hamas-Kanäle auf Telegram gesperrt
       
       Das Bundeskriminalamt konnte nun erwirken, dass Hamas-Kanäle auf Telegram
       zumindest in Deutschland gesperrt werden. Dies ist ein Erfolg für die
       Behörden, sitzt der Besitzer des Online-Kanals doch in Dubai und schert
       sich entweder gar nicht oder nur sehr wenig um Forderungen aus dem Ausland.
       Doch die gefühlten Wahrheiten und Gerüchte, die küchenfertig den jeweiligen
       Zielgruppen serviert werden, sind nur schwer zu bändigen.
       
       USA, Deutschland, EU: Die Diplomatie hinkt im Krieg der Informationen
       verzweifelt hinterher. Was bleibt, ist nur die Forderung nach sorgfältiger
       Aufklärung der Geschehnisse. Doch die kommt ziemlich sicher zu spät.
       
       18 Oct 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Tanja Tricarico
       
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