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       # taz.de -- Grüner Wasserstoff: Knapp und teuer
       
       > Die Energiewende erfordert die Erzeugung von Wasserstoff – doch billig
       > kann das grüne Gas nicht werden, da der Markt die Preise treiben wird.
       
   IMG Bild: Ein Elektrolyseur zur Wasserstoffherstellung bei der Firma Sunfire in Dresden
       
       An der Erzeugung von [1][grünem Wasserstoff] wird eine
       Energiewende-Wirtschaft nicht vorbeikommen. Allerdings wird der Druck von
       einer anderen Seite kommen, als viele heute glauben. Wenn die Kapazitäten
       zur Stromerzeugung aus Solar und Wind in Deutschland in den kommenden
       Jahren so massiv ausgebaut werden, wie es die Bundesregierung plant, dann
       wird es immer mehr Stunden im Jahr geben, in denen Strom anfällt, den beim
       besten Willen niemand mehr braucht. Es werden so große Strommengen sein,
       dass sie nur durch die Erzeugung von Gasen oder Flüssigkeiten genutzt und
       so gespeichert werden können. Mit Batterien oder Pumpspeichern muss bei
       diesen Dimensionen niemand mehr kommen.
       
       Schon allein deshalb dürfte sich eine [2][grüne Wasserstoffwirtschaft]
       entwickeln. Die Zeiten, zu denen ein Elektrolyseur läuft und Wasserstoff
       erzeugt, wird der Markt an der Strombörse vorgeben: Nur während Stunden des
       Überflusses, wenn also die erneuerbaren Energien gerade üppig einspeisen
       und die Preise entsprechend niedrig sind (oder gar negativ, wie in diesem
       Jahr bereits während rund 200 Stunden), wird man sinnvollerweise
       Wasserstoff erzeugen können.
       
       Weil man damit jedoch eine Infrastruktur schafft, die nur eine begrenzte
       Anzahl von Stunden im Jahr genutzt wird, ist klar: Billig kann der
       Wasserstoff nicht werden. Hinzu kommt, dass am Ende gar nicht so sehr die
       lokalen Erzeugungskosten den Preis bestimmen werden, sondern Angebot und
       Nachfrage auf dem Weltmarkt. Es dürfte sich ein Markt entwickeln ähnlich
       dem [3][globalen Ölmarkt] – auch dort hat der Preis bekanntlich wenig mit
       den Förderkosten in einzelnen Ländern zu tun.
       
       Das heißt: Wenn sich sehr viele potenzielle Verbraucher – und danach sieht
       es derzeit aus – auf das absehbar knappe Angebot von grünem Wasserstoff
       stürzen, dürfte alleine dieses Phänomen dafür sorgen, dass das Gas nicht
       billig zu haben sein wird. Alles andere anzunehmen wäre naiv.
       
       16 Oct 2023
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Bernward Janzing
       
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