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       # taz.de -- Friedensnobelpreis, rechte Trolle, AfD: Noch mal für den Iran
       
       > Die iranische Menschenrechtlerin Narges Mohammadi hat den
       > Friedensnobelpreis verdient. Die AfD verdient ein neues Logo: den
       > Windjammer.
       
   IMG Bild: Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Noch ein Krieg.
       
       Und was wird in dieser besser? 
       
       Keine Ahnung.
       
       [1][Hessen] und [2][Bayern] haben gewählt. Was werden Sie am meisten aus
       Wahlkampfzeiten vermissen? 
       
       Die paranoide Migrationsdebatte. Wie einen Kropf.
       
       Alice Weidel sagt aus Sicherheitsgründen Wahlkampftermine ab, wird dann
       beim Urlaub in Mallorca gesichtet. Tino Chrupalla spricht von einem
       „tätlichen Vorfall“ bei einer Wahlkampfveranstaltung, die Behörden sehen
       keinen Hinweis auf einen Angriff. [3][Was ist los bei der AfD?]
       
       Vermutlich Mitleid-Crisis, die sind ratteneifersüchtig auf Scholz’
       Augenklappe. Im März stürmten Rechtsrandaleros Stadt- und
       Kreistagssitzungen in Görlitz, nachdem ihr Abgeordneter Tino Chrupalla dort
       eine „Asyldebatte“ angezettelt hatte. Die Meldungen darüber waren schnell
       weggeatmet. Weidel spricht von der Bundesregierung neuerdings gern als
       „Idioten“ und exerziert Enthemmung auf allen Kanälen. Die AfD-Protagonisten
       schüren rhetorisch Gewaltbereitschaft. Das eine kann man mit dem anderen
       nicht begründen, zumal das andere – beider Opferrollen – bisher nicht
       bewiesen ist. Dagegen wird klar, dass die AfDler ein Glaskinn haben.
       Nichts, was man beim Regieren gebrauchen könnte. Neues Parteilogo: ein
       Windjammer.
       
       [4][Viele Twitter-Nutzer*innen wechseln zum Kurznachrichtendienst Bluesky.]
       Noch sind nicht so viele rechte Trolle da. [5][Eine neue Chance oder
       langweilig?]
       
       Na ja, das frühere Twitter gehört inzwischen einem rechten Troll. Bluesky
       war eine Ausgründung vor Elon Musk; die Unternehmensform ähnelt der
       deutschen „gemeinnützigen GmbH“. Dazu gehört mehr Transparenz, Codes werden
       veröffentlicht, und die User haben selbst Möglichkeiten, Filter zu setzen
       und sich Verbalschlamm vom Hals zu halten. Entweder wird es ein Erfolg –
       oder ein Erfolg. Also findet es viele User. Oder erbringt den Beweis, dass
       Twitter nicht trotz, sondern nur wegen seines Meinungs-Pornos erfolgreich
       war.
       
       Der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck forderte, in der Asylpolitik
       Spielräume zu entdecken, die „zunächst unsympathisch sind, weil sie inhuman
       klingen“. Wie zufrieden dürfte er mit der neuen EU-Krisenverordnung sein? 
       
       2012 monierte Gauck, die Deutschen täten sich mit dem Kriegführen zu schwer
       und seien darin leider eine „glückssüchtige Gesellschaft“. Da dürfte es ihm
       inzwischen auch besser gehen. Nun definiert er Menschenrechte als etwas,
       dass einem sympathisch oder unsympathisch sein mag, der eine hat ein
       Duftbäumchen „Folterverbot“ am Innenspiegel, der andere fährt über die Oma
       halt drüber. Gauck wäre ein guter Bundespräsident für ein Land, dessen
       Verfassungspräambel heißt: „Grundrechte sind Geschmackssache“.
       
       [6][Die Abwahl des Sprechers des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy,] hat
       die amerikanische Politik diese Woche ins Chaos gestürzt. Und das mitten im
       Haushaltsstreit. Ist die US-Politik noch zu retten? 
       
       Wenn der deutsche Bundespräsident – ungefähr der unzuständigste Politiker,
       der sich finden ließ – überstürzt zum Shooting mit Präsident Biden geordert
       wird, muss schon was los sein. Die Amerikaner appellieren an die Order von
       Bush sen. 1989 in Mainz: „Partners in Leadership“. Das ist eine charmante
       Umschreibung von „ihr Deutsche seid jetzt unsere Hilfssheriffs“, und so
       will Biden vorbauen. Ob er selbst nicht mehr die Kraft hat, die Ukraine zu
       unterstützen – oder ein republikanischer Nachfolger: Germans to the front.
       
       [7][Der Friedensnobelpreis geht an die inhaftierte iranische
       Frauenrechtlerin Narges Mohammadi.] Verdient? 
       
       Das ist bereits der zweite Nobelpreis für eine Repräsentantin des
       iranischen Defenders of Human Rights Center. Die Vorsitzende, Shirin Ebadi,
       bekam ihn 2003, lebt inzwischen im Exil in London. Die iranischen Schergen
       brachen ihr Bankschließfach auf und beschlagnahmten Nobel-Medaille und
       -Urkunde. Es hat Größe, wie das Komitee hier sagt: Na gut – dann halt noch
       mal.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       So Borussensachen. Gereifte Leistungsträger wie Hummels und Reus bringen
       den Club wieder in die Spur. Die spielen nicht, weil sie eigentlich zu
       einem besseren Club wollen, diese Flausen sind durch. Kann man als Hinweis
       lesen, was andere Spieler wert sind, die den BVB nur als Startrampe sehen.
       
       Fragen von Vivien Mirzai, Elisa Pfleger, Anna Hollandt
       
       8 Oct 2023
       
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