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       # taz.de -- Gericht stoppt Wasserbecken: Entscheidung gegen Mega-Bassins
       
       > Gericht im Südwesten Frankreichs urteilt gegen den Bau von 15 riesigen
       > Wasserbecken – und begründet dies mit den Folgen für den Klimawandel.
       
   IMG Bild: Präsident Macron im März 2023, als er die Wasserpläne mit Mega-Bassins präsentiert
       
       Paris taz | Es ist nicht das erste Mal, dass die französische Justiz den
       Bau eines Wasserreservoirs für landwirtschaftliche Zwecke stoppt. Der
       [1][Entscheid des Verwaltungsgerichts im südwestfranzösischen Poitiers],
       das sich gegen den Bau von 15 „Mega-Bassins“ mit insgesamt 3 Millionen
       Kubikmeter Volumen ausgesprochen hat, könnte jedoch zu einem exemplarischen
       Urteil werden.
       
       In der Begründung wird nämlich ausdrücklich gesagt, dass das Vorhaben, das
       dem Wunsch einiger landwirtschaftlichen Großbetriebe nachkommen sollte,
       nicht an den Klimawandel „angepasst“ sei. Damit wird der Klimaschutz zu
       einem gewichtigen juristischen Argument.
       
       Grundsätzlich geht es darum, ob für die Landwirtschaft Grundwasser
       angezapft und in riesigen künstlichen Seen gelagert werden darf. Für die
       Umweltschützerverbände, die in Poitiers Klage eingereicht hatten, sind die
       „Mega-Bassins“ eine ungerechte Privatisierung der zunehmend knappen
       Wasserreserven. Außerdem machten sie aufgrund der Erkenntnisse mit bereits
       bestehenden Wasserbecken geltend, dass ein beträchtlicher Teil des
       begehrten Wassers ungenutzt verdunstet.
       
       Diese Einwände hatten die Umweltschützer*innen, die seit Jahren mehrere
       Projekte im französischen Südwesten bekämpfen, schon immer vorgebracht. Sie
       pochten dieses Mal vor Gericht aber auch darauf, dass eine
       Klimaexpertengruppe der UNO zum Schluss gekommen war, dass diese Projekte
       „kostspielig sind, negative Umweltfolgen haben und zudem ab einem
       bestimmten Niveau der Klimaerwärmung die Wasserversorgung nicht überall
       gewährleisten können“. Zum Zeitpunkt der Bewilligung sei den bereits
       absehbaren Klimafolgen nicht Rechnung getragen worden.
       
       ## Minister beschimpft „Ökoterroristen“
       
       Das Gericht befand zudem, dass beim ersten Bassin die Informationen für die
       Bevölkerung „unexakt, lückenhaft und unzureichend“ waren. Zudem habe es
       keine Pläne für Einsparungen beim Wasserverbrauch gegeben. Das zweite
       Projekt mit sechs Reservoirs wurde im Urteil auch als „überdimensioniert“
       abgelehnt.
       
       Das Urteil von Poitiers ist eine Wende. Noch im April hatte die Justiz die
       Klagen gegen die Baubewilligung für 16 weitere Mega-Wasserbecken in
       derselben Region abgewiesen. Darunter war auch jenes von Sainte-Soline, wo
       es vor einem Jahr bei einer Demonstration auf dem Baugelände zu
       [2][heftigen Zusammenstößen mit einem Großaufgebot von Polizisten] gekommen
       war.
       
       In der Folge hatte Innenminister Gérald Darmanin die Protestierenden
       „Ökoterroristen“ genannt. Der neue Gerichtsentscheid gibt den
       Demonstrierenden dagegen nun recht.
       
       4 Oct 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.francebleu.fr/infos/environnement/megabassines-la-justice-annule-la-creation-de-quinze-reserve-en-poitou-charentes-3593349
   DIR [2] /Protest-gegen-Bewaesserungsprojekte/!5888650
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rudolf Balmer
       
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