# taz.de -- Aiwanger im Interview: Fragen ohne Antworten
> Der bayerische Minister Aiwanger äußert sich in einem Interview zur
> Flugblatt-Affäre. Nicht alles, was er sagt, kann veröffentlicht werden.
IMG Bild: Man wird ja auch mal nix sagen dürfen. Hubert Aiwanger auf dem Weg zu einer Pressekonferenz
Die Augsburger Allgemeine (AA) veröffentlicht am 14.9. ein Interview mit
dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Vier Fragen bleiben
ohne Antwort stehen, weil der Interviewte seine Aussagen nach dem Gespräch
zurückzieht.
Auf Anfrage der taz, ob Aiwanger die Streichungen bestimmter Antworten
begründet habe und wie die Reaktionen auf die Veröffentlichung der
unbeantworteten Fragen ausgefallen seien, wollten sich die Redaktion der AA
nicht äußern.
Hubert Aiwanger (Freie Wähler) steht seit Wochen in der Kritik, nachdem die
[1][Süddeutsche Zeitung (SZ) über ein antisemitisches Flugblatt] aus seiner
Jugend berichtet hatte. Zwar ist unklar, inwiefern Aiwanger darin
verwickelt ist, doch sein Umgang mit der Affäre sorgte für Aufregung.
In dem [2][Interview mit der AA] spricht Aiwanger über die
Berichterstattung rund um den Vorfall.
„Eigentlich wollte Hubert Aiwanger über die Flugblatt-Affäre gar nicht mehr
reden“, erläutern die Interviewer Christoph Frey und Holger Sabinsky-Wolf.
Aiwanger tut es dann doch und wirft der SZ vor, schon „deutlich länger an
der Geschichte dran“ zu sein als bisher behauptet. Schon 2008 habe die
Zeitung bei seiner Schule nach Unterlagen von ihm angefragt.
Außerdem wirft er der SZ vor, „eine von der Sachlichkeit abgekoppelte
reißerische Verdachtsberichterstattung mit Falschbehauptungen“ zu
betreiben.
## Es widerspricht journalistischen Grundsätzen
Manche Antworten, die der bayrischen Wirtschaftsminister den interviewenden
Journalisten gibt, bleiben aber den Leser:innen vorenthalten. Denn
Aiwanger wollte laut AA kurz vor Veröffentlichung vier Fragen und Antworten
vollständig streichen lassen. Die AA veröffentlichte die Antworten nicht,
aber die Fragen:
„Sie haben mehrfach gesagt, an vieles erinnern Sie sich nicht mehr so
genau. Und Sie haben gesagt, Zitat: „Der Vorfall war ein einschneidendes
Erlebnis für mich, hat wirklich wichtige gedankliche Prozesse angestoßen.“
Können Sie noch mal erklären, welche gedankliche Prozesse er bei Ihnen
angestoßen hat in der Jugend?
Was uns überrascht hat, ist, dass Sie sich an so viele Dinge nicht mehr
erinnern können, wo es doch ein so einschneidendes Erlebnis war in Ihrer
Jugend. Wenn sich so ein Schuldirektor vor einem aufbaut zur Standpauke,
das weiß man doch noch.
Ab wann haben Sie denn gewusst, dass Ihr Bruder dieses Flugblatt verfasst
hat?
Wollen Sie, falls die Koalition mit der CSU bei den Wahlen bestätigt wird,
stellvertretender Ministerpräsident bleiben?“
In einer unter dem Interview veröffentlichten Rubrik „In eigener Sache“
informiert die AA darüber, dass die Zeitung ihren Gesprächspartnern
Interviews zur Autorisierung der Antworten vorlegt. „Nach journalistischen
Grundsätzen nicht zu akzeptieren ist allerdings, dass unsere
Gesprächspartner Fragen streichen, die in dem Interview gestellt und
beantwortet wurden“, schreibt die AA. Deshalb habe man sich innerhalb der
Redaktion dafür entschieden, die gestrichenen Fragen trotzdem zu
veröffentlichen.
15 Sep 2023
## LINKS
DIR [1] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/aiwanger-auschwitz-freie-waehler-afd-soeder-wirtschaftsminister-mallersdorf-niederbayern-burkhart-gymnasium-kz-konzentrationslager-vernichtungslager-e074346/?reduced=true
DIR [2] https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/interview-aiwanger-ueber-berichterstattung-herablassend-gegen-mich-und-die-landbevoelkerung-id67836761.html
## AUTOREN
DIR Anna Hollandt
DIR Franziska Mayr
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