# taz.de -- CDU und Zahnbehandlungen für Geflüchtete: Von Merz und Mundgeruch
> Merz’ Aussage zu angeblich privilegierten Geflüchteten ist nahezu
> komisch. Schlimm ist, dass es kaum Gegenwind aus seiner Partei gibt.
IMG Bild: Irgendwas riecht hier streng: Friedrich Merz hat einen Hang zu populistischen Äußerungen
Friedrich Merz serviert kalten Kaffee, und der sorgt bekanntlich für übel
riechenden Atem. Man muss sich das Groteske an dieser Aussage auf der Zunge
zergehen lassen: [1][Der CDU-Chef behauptet, dass Ausländer „deutschen
Bürgern“ die Zahnarztstühle wegnähmen]. Dieser Satz ist eine absurde
Anleihe am stumpfen Rassismus gegen Geflüchtete, wie er im Deutschland der
90er Jahre Praxis war.
Merz’ Aussage von Mittwochabend ist ein fast komischer Höhepunkt in [2][der
aktuellen Migrationsdebatte]. Weil der Jobmarkt hierzulande so ist, wie er
ist, kann „den Deutschen“ derzeit niemand die Arbeit wegnehmen. Folglich
müssen sich die Skandale in anderen Räumen entladen: Wohnzimmer,
Klassenzimmer, Wartezimmer.
Das Zahnarzt-Beispiel legt offen, wie praxisfern der CDU-Chef argumentiert:
Die Union ist bei Migrationsfragen planlos wie noch nie, deshalb muss ihr
Vorsitzender seine Argumentationsstützen aus der Luft greifen. Lassen sich
mit Plakaten wie „Zahnarztstühle für Deutsche“ in Hessen und Bayern die
Ergebnisse der Unionsparteien noch um ein paar Prozentpünktchen steigern?
Es wäre doch einen Versuch wert.
[3][Den Angstmacher*innen] ist es beim Migrationsthema noch nie um die
Stichhaltigkeit der eigenen Argumente gegangen. Es darf also nicht
überraschen, dass aus den Reihen der Union am Donnerstag fast niemand
wagte, Friedrich Merz für seine hohle Phrase zu kritisieren. Dabei dürfte
auch den CDU-Politiker*innen nicht entgangen sein, auf welche krude Weise
sich ihr Parteichef wieder einmal öffentlich äußert. Innerhalb der CDU
überwiegt wohl derzeit der Gedanke, die Parteispitze auf ihrer Exkursion
durch die 90er Jahre nicht zu stören, um sich gegenüber der Altherren-Runde
nicht selbst ins Abseits zu befördern. Dieser Opportunismus ist besonders
krass, weil ihm gegenüber das Menschenrecht auf gesundheitliche Versorgung
steht.
Der kalte Kaffee ist angerichtet, und der CDU-Chef schlürft ihn schon mal
vor. Was das für Konsequenzen hat, wurde eingangs erwähnt. Damit wird
Friedrich Merz nicht weit kommen.
28 Sep 2023
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## AUTOREN
DIR Cem-Odos Güler
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