# taz.de -- Umstrittene Klimaschutzgesetz-Reform: Lex Wissing auf dem Weg
> Der Bundestag berät die Klimaschutzgesetz-Reform, mit der CO2-Ziele für
> Sektoren abgeschafft werden. Davon profitiert der Verkehrsminister.
IMG Bild: Freut sich besonders über die Abschaffung der Sektorenziele: Verkehrsminister Volker Wissing
Berlin taz | Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Abgeordneten des
Bundestags auf, Gegenwehr gegen die [1][Reform des Klimaschutzgesetzes] zu
leisten. „Die Bundesregierung verstößt vorsätzlich gegen das
Bundesklimaschutzgesetz, damit auch gegen den Klima-Beschluss des
Bundesverfassungsgerichts und die Grundrechte aller künftigen
Generationen“, heißt es einem Aufruf der DUH an die Abgeordneten.
Am Freitag will der Bundestag in erster Lesung gravierende Änderungen im
Klimaschutzgesetz beraten. Bislang gelten harte Grenzen für den Ausstoß von
CO2 in einzelnen Sektoren wie Verkehr, Energie oder Industrie. Werden sie
gerissen, müssen die zuständigen Ministerien ein Sofortprogramm aufstellen,
mit dem gegengesteuert wird. Künftig will die Bundesregierung nur noch eine
mehrjährige Gesamtabrechnung vor- und Sofortprogramme als Ganzes auflegen.
Entlastet wird damit vor allem Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP),
der bislang [2][kein von Fachleuten akzeptiertes Sofortprogramm vorgelegt
hat], obwohl die CO2-Ziele in seinem Geschäftsbereich gerissen wurden. Die
geplanten Änderungen empören Umweltverbände und Klimaaktivist:innen.
Bereits am Donnerstagnachmittag stand [3][die Verabschiedung des
Energieeffizienzgesetz]es auf der Tagesordnung des Bundestags, die vor der
Sommerpause mangels Beschlussfähigkeit gescheitert war. Damit werden neue
Vorgaben zum Energiesparen eingeführt. Bis 2030 soll zum Beispiel der
Endenergieverbrauch gegenüber 2008 um 26,5 Prozent sinken. Unternehmen
werden verpflichtet, ihren Energieverbrauch zu erfassen. An Privatleute
richtet sich diese Neuregelung nicht. „Deutschland bleibt mit diesem Gesetz
weit unter seinen Möglichkeiten“, sagte der Linksparteiabgeordnete Ralph
Lenkert. Unternehmen würden nicht dazu gezwungen, Maßnahmen umzusetzen.
Gleichzeitig würde die Regierung aber Bürger:innen mit dem
Heizungsgesetz zum Handeln zwingen.
Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) begrüßte das
Gesetz. Sie kritisierte aber, dass „geplante, wirkungsvolle Maßnahmen seit
dem ersten Referentenentwurf stark aufgeweicht“ wurden. So gelten
Vorschriften für Unternehmen erst ab einem höheren Verbrauch als
ursprünglich vorgesehen. Deutschland setzt mit dem Gesetz die
EU-Energieeffizienzrichtlinie um. Laut der DENEFF wird die Regierung den
Vorgaben nicht gerecht und riskiert eine Rüge aus Brüssel. So fehle in dem
Gesetz die jährliche Sanierungsrate von 3 Prozent für öffentliche Gebäude.
21 Sep 2023
## LINKS
DIR [1] /Reform-des-Klimaschutzgesetzes/!5939024
DIR [2] /Kritik-von-Fridays-for-Future/!5944941
DIR [3] /Energieeffizienzgesetz-im-Bundestag/!5933690
## AUTOREN
DIR Anja Krüger
## TAGS
DIR Klima
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Energie
DIR Bundestag
DIR GNS
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Verkehrswende
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Klimaschutzziele
DIR Ampel-Koalition
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Urteil von Oberverwaltungsgericht: Das Wissing-Schutz-Gesetz
Ein Oberverwaltungsgericht erinnert die Ampel an ihr Klimaschutzgesetz. Die
will das aber sowieso aufweichen, um das Verkehrsministerium zu schützen.
DIR Deutschlandticket: Nachfrage pendelt sich ein
Rund zehn Millionen Menschen nutzen 49-Euro-Ticket. Die Hälfte von ihnen
hat ihr altes Abo umgewandelt.
DIR Viel weniger E-Auto-Zulassungen: Vielleicht ja doch kein Desaster
Der Anteil von neu zugelassenen E-Autos ist eingebrochen. Für die
Klimaziele heißt das nichts Gutes – außer man erlaubt sich einen Blick ins
Mögliche.
DIR Klimaschutzgesetz im Bundestag: Abgeordnete wollen Nachbesserung
In der ersten Lesung zur Reform des Klimaschutzgesetzes fordern SPD und
Grüne Nachbesserungen am Entwurf. Es deuten sich schwierige Verhandlungen
an.
DIR Verbände für Klima-Kurskorrektur: „Totalausfall“ Wissing
Vierzig Verbände unterzeichnen Aufruf an die Bundesregierung für eine
bessere Klimapolitik. Vor allem der Verkehrsminister steht in der Kritik.
DIR Verfehlte Klimapolitik der Regierung: Die nächste Generation muss zahlen
Vor allem im Verkehr und bei den Gebäuden werden die Klimaziele klar
verfehlt. Aber die Regierung ignoriert ihren eigenen Sachverständigenrat.
DIR Vertagtes Energieeffizienzgesetz: Energiesparen erst nach den Ferien
Der Bundestag hat nicht über das Energieeffizienzgesetz abgestimmt.
Ökoverbände fürchten, dass es jetzt noch weiter aufgeweicht wird.