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       # taz.de -- Brennpunkt Görlitzer Park: Es geschah am hellen Morgen
       
       > Eine „Gruppenvergewaltigung“ war der Auslöser für den
       > „Sicherheitsgipfel“. Laut Anklage, die der taz vorliegt, sollen
       > DNA-Spuren den Nachweis erbringen.
       
   IMG Bild: Der Görlizer Park in Kreuzberg
       
       Berlin taz | Mit dem Begriff [1][Gruppenvergewaltigung] hatten die Medien
       das mutmaßliche Geschehen zu umschreiben versucht. Seit dem Sommer schlägt
       die Tat Wellen. [2][Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nahm sie
       zum Anlass, einen Sicherheitsgipfel einzuberufen].
       
       Es war der 21. Juni, Tag der Sommersonnenwende. Gegen 5 Uhr morgens soll es
       im Görlitzer Park zu schweren Sexualstraftaten zum Nachteil einer jungen
       Frau gekommen sein. Der Vorfall war erst Wochen später bekannt geworden,
       die Polizei hatte aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst geschwiegen.
       
       Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Es mag ein Zufall sein,
       dass das 15 Seiten umfassende Schriftstück am 5. September, also drei Tage
       vor dem [3][Sicherheitsgipfel], fertig war, der am 8. September stattfand.
       Verglichen mit anderen Taten ist die Geschwindigkeit auf jeden Fall
       ungewöhnlich.
       
       Die taz konnte in die Anklageschrift Einblick nehmen. Angeklagt sind drei
       Männer im Alter von 21 und 22 Jahren. Vergewaltigung in besonders schwerem
       Fall lautet der zentrale Vorwurf. Zugrunde gelegt ist der Passus des
       Strafgesetzbuches, der sich auf eine von mehreren Personen gemeinschaftlich
       begangene Vergewaltigung bezieht, den Begriff Gruppenvergewaltigung gibt es
       im Gesetz nicht. Auch besonders erniedrigende sexuelle Handlungen sind
       angeklagt.
       
       ## Geschlagen und beraubt
       
       Die Anklageschrift lässt vermuten, dass sich das betroffene junge Ehepaar,
       nicht in Kreuzberg wohnhaft, im Görlitzer Park in der Morgendämmerung eine
       schöne Zeit machen wollte. Die Frau und der Mann waren in der Nacht sehr
       spät ausgegangen, es heißt, sie hätten im Park bei Drogenhändlern Kokain
       gekauft und dann auf einer Parkbank Zärtlichkeiten ausgetauscht. Weil sie
       sich beobachtet fühlten, hätten sie eine abgelegene Stelle im Park
       aufgesucht, seien dort intimer geworden.
       
       In der Folge seien sie dort von den drei Angeschuldigten und mindestens
       zwei weiteren unbekannten Männern, möglicherweise noch mehr männlichen
       Personen, umstellt worden. Der Ehemann sei mit Stöcken geschlagen und
       seiner Bauchtasche beraubt worden, in der sich ein großer Geldbetrag
       befand.
       
       Die Täter könnten das gewusst haben, weil der Mann beim Kokainkauf einen 50
       Euroschein aus der Tasche gezogen habe. Seiner von anderen Tätern
       bedrängten Frau habe der Ehemann nicht helfen können. Er sei zu Boden
       gebracht, festgehalten und mit Fäusten und Stöcken traktiert worden.
       
       Die Frau habe sich gegen die in der Anklageschrift beschriebenen, mit
       körperlicher Gewalt erzwungenen sexuellen Handlungen zur Wehr gesetzt.
       Irgendwann sei es ihr gelungen, sich zu befreien und zum Ausgang des Parks
       zu fliehen.
       
       ## Täterbeschreibung revidiert
       
       Die Identifizierung der drei Angeschuldigten sei durch DNA-Treffer erfolgt,
       heißt es in der Anklageschrift. Spermaspuren in der Vagina der Betroffenen
       seien einem der Angeschuldigten zuzuordnen, Spermaspuren im Slip der
       Betroffenen den beiden anderen. Wer genau welche sexuelle Tat begangenen
       habe, sei nicht aufzuklären. Die Handlungen könnten aber als
       „mittäterschaftliche Begehensweise“ angesehen werden.
       
       Eine Identifizierung etwa durch Lichtbildvorlage sei den Zeugen nicht
       möglich gewesen. Der Ehemann habe nicht direkt sehen können, was geschah.
       Die Frau hatte nach Informationen der taz zunächst eine Täterbeschreibung
       gemacht, aber revidiert.
       
       Die Festnahmen erfolgten Ende Juli/Anfang August. Die Angeschuldigten sind
       in West- und Ostafrika geboren, die Asylanträge wurden abgelehnt. Sie
       lebten in Berlin zum Teil auf der Straße und sind teilweise mehrfach
       strafrechtlich in Erscheinung getreten – wegen Körperverletzungsdelikten
       und BTM-Handel.
       
       19 Sep 2023
       
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