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       # taz.de -- Schwarz-braune Allianzen in Thüringen: Welche Brandmauer?
       
       > Die Thüringer CDU erpresst die Landesregierung mit einem Antrag, den sie
       > nur mit der AfD durchbringen kann und schwächt so die demokratischen
       > Kräfte.
       
   IMG Bild: Ob in Nordhausen ein AfDler Oberbürgermeister wird, entscheidet die Stichwahl am 24. September
       
       Eigentlich sollte man meinen, dass Union und FDP gelernt haben müssten aus
       den Taschenspielertricks der AfD. Gerade in Thüringen: Unter dem
       Rechtsextremisten Björn Höcke nutzen sie jede Möglichkeit, um die
       parlamentarische Demokratie zu destabilisieren. Die Erinnerung an 2020 ist
       noch lebhaft, als die AfD den FDP-Politiker Kemmerich zum
       Kurzzeit-Ministerpräsidenten wählte, der nach geschockten Reaktionen direkt
       wieder zurücktrat. Das Debakel endete in der [1][Minderheitsregierung von
       Bodo Ramelow] (Linke) und einer verfahrenen Situation, in der Union und FDP
       immer wieder die Regierung mit der alten Kemmerich-Mehrheit erpressen.
       Dieser plädiert sogar mittlerweile offen für Mehrheiten mit der AfD.
       
       Und die CDU zündelt fleißig mit: [2][Die Union] verhilft der AfD immer
       wieder zu einer Schlüsselrolle, wenn sie selbst rechte Kulturkampfthemen
       wie geschlechtergerechte Sprache übernimmt.
       
       Nun aber geht die [3][Thüringen-CDU] noch einen Schritt weiter: Sie
       erpresst die Landesregierung mit einem Antrag, den sie nur mit der AfD
       durchbringen könnte, und verkauft die Senkung der Grunderwerbssteuer als
       Entlastung für Familien und Mittelständler. Weil tatsächlich aber vor allem
       die Immobilienbranche profitiert, wollen SPD, Grüne und Linke nicht
       mitmachen. Sie schlugen als Kompromiss vor, mit einem Förderprogramm
       gezielt den Hauskauf von Familien zu unterstützen.
       
       Die Union aber besteht weiter auf pauschaler Senkung der
       Grunderwerbssteuer. Anstatt demokratische Kompromisse im Kampf gegen die
       AfD einzugehen, kündigt sie ein Jahr vor der Landtagswahl ein
       gesellschaftlich progressives Bündnis zugunsten einer teils rechtsextremen
       Mehrheit auf. Das angebliche Kooperationsverbot mit der AfD unter Friedrich
       Merz verkommt so zum Lippenbekenntnis. Denn natürlich ist es eine
       Zusammenarbeit, wenn man Anträge stellt, die auf die Stimmen der AfD
       angewiesen sind. So verfestigt sich der Eindruck, dass Teile der CDU die
       angebliche Brandmauer gar nicht wollen.
       
       14 Sep 2023
       
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