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       # taz.de -- Polizeieinsätze auf Hamburg-St. Pauli: Immer wieder übertrieben
       
       > Beamt*innen nehmen einen Mann fest, der sich beschwert, dass ihr
       > Polizeiauto eine Feuerwehrzufahrt blockiert. Der Konflikt eskaliert – wie
       > so oft.
       
   IMG Bild: In St. Paulis Hafenstraße gibt es sehr häufig Polizeikontrollen – allerdings nicht vom Wasser aus
       
       Hamburg taz | In der Hafenstraße auf St. Pauli ist am Wochenende zum
       wiederholten Male ein Polizeieinsatz eskaliert. Es war ein harmloser
       Anlass, der mit den Festnahmen zweier Männer endete.
       
       In der Hafenstraße kommt es [1][regelmäßig zu Konflikten] zwischen
       Anwohnenden und der Polizei. 2016 hat der Senat St. Pauli [2][zum
       „gefährlichen Ort“ erklärt]. Deshalb darf die Polizei hier
       verdachtsunabhängig Passanten kontrollieren. Im Wesentlichen geht es darum,
       [3][den Drogenhandel einzudämmen].
       
       Am frühen Samstagmorgen machte ein Gast einer Geburtstagsfeier im nahe
       gelegenen „Buttclub“ einige Polizist*innen darauf aufmerksam, dass ihr
       Einsatzfahrzeug eine Feuerwehreinfahrt blockiere. Daraufhin erhielt er
       einen Platzverweis. Als er sich entfernte, folgten ihm die Beamt*innen
       nach eigenen Angaben mit einiger Distanz.
       
       Der Mann ging jedoch wieder zurück zum „Buttclub“, wie Frank John erzählt,
       der ebenfalls auf der Feier zugegen war. Daraufhin ging ein Polizist in den
       Club und forderte den Mann auf mitzukommen. Weil dieser sich weigerte,
       forderten die Beamt*innen Verstärkung an. Obwohl die Veranstalterin
       versicherte, dass er ein geladener Gast sei, brachten die Beamt*innen
       den Mann auf die Davidwache.
       
       John findet dieses Vorgehen illegitim. Platzverweise dienten der
       öffentlichen Sicherheit und Ordnung und beträfen somit seines Wissens keine
       privaten Veranstaltungen wie den „Buttclub“. Aus Sicht der Polizei
       schließen entsprechende Maßnahmen allerdings auch umliegende Lokalitäten
       ein, weswegen die Beamt*innen zunächst vor der Bar auf den Mann gewartet
       hätten.
       
       Nach der Festnahme seien 15 bis 20 Personen von der Party zur Davidwache
       gekommen, um dagegen zu protestieren, teilte die Polizei mit. Dort wurde
       ihnen jegliche Auskunft verweigert, weswegen John einen Beamten mit seinem
       Handy fotografierte, als dieser weder seine Personalien noch seine
       Dienstnummer herausgeben wollte.
       
       Nachdem ihm das Telefon abgenommen wurde, forderte der Einsatzleiter die
       Gruppe zum Gehen auf, wie John berichtet. Zu diesem Zeitpunkt traf schon
       Verstärkung von anderen Wachen ein, die nun den Eingang blockierten. Dem
       Gedächtnisprotokoll einer Protestierenden zufolge schlugen sie mit
       Schlagstöcken auf die Gruppe ein. In dem Gerangel wurde Frank John wegen
       Beamtenbeleidigung in Gewahrsam genommen.
       
       Nachdem der Rest der Gruppe auf die Straße gedrängt worden war, setzte die
       Polizei Pfefferspray ein. Der Schichtleiter habe diesen Angriff damit
       gerechtfertigt, dass es „in einem Ausnahmezustand Schmerzen geben muss“ und
       die beteiligten Personen des Platzes verwiesen werden müssen. Frank John
       und der schon im „Buttclub“ festgenommene Mann kamen gegen sechs Uhr
       morgens wieder frei.
       
       Der Vorfall setzt eine Reihe eskalierter Polizeieinsätze der letzten Wochen
       in St. Pauli fort. Die Polizeipräsenz heize die Stimmung zunehmend an,
       findet Viktor Marek, der zum „Golden Pudel Club“ gehört. Anfang August
       wurde dort [4][ein Mitarbeiter mit dunkler Hautfarbe wegen eines
       vermeintlichen Drogendeals verhaftet]. Der Club vermutet dahinter
       rassistische Motive.
       
       In einem Statement wirft er der Polizei vor, die ortsbezogene
       „traditionelle Idee eines diversen, unabhängigen und antiautoritären
       Miteinander der Communitys nicht selten mit Füßen zu treten“. Zwei Monate
       zuvor hatten Polizist*innen [5][ein Fenster in der Volxküche
       eingeschlagen]. Drei mutmaßliche Dealer sollten sich in den linken
       Szenetreff in der Hafenstraße geflüchtet haben.
       
       Copwatch Hamburg kritisiert, dass die Polizei an solchen sogenannten
       gefährlichen Orten „willkürlich und rechtswidrig“ agiere, da [6][keine
       unabhängige Beschwerdestelle] existiere.
       
       13 Sep 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Polizeistrategie-in-Hamburg/!5835206
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       ## AUTOREN
       
   DIR Nina Christof
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Polizeikontrollen in Hamburg
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