URI:
       # taz.de -- Verfehlte Klimapolitik der Regierung: Die nächste Generation muss zahlen
       
       > Vor allem im Verkehr und bei den Gebäuden werden die Klimaziele klar
       > verfehlt. Aber die Regierung ignoriert ihren eigenen Sachverständigenrat.
       
   IMG Bild: Wäre eine einfache Maßnahme: Tempolimit
       
       Die Bundesregierung unternimmt viel zu wenig, um die selbst gesteckten
       Klimaziele zu erreichen – vor allem im Verkehr und bei den Gebäuden. Damit
       begeht sie Rechtsbruch, denn sie verstößt gegen das Klimaschutzgesetz.
       Dieses Ergebnis des [1][Expert:innenrats für Klimafragen] überrascht
       niemanden – und gerade diese Erwartbarkeit ist fatal.
       
       Denn sie spiegelt ein andauerndes Politikversagen, das ein Teil der Ampel
       offenkundig nicht zu ändern bereit ist. Die Botschaft ist offenbar noch
       immer nicht bei allen Liberalen und auch Sozialdemokrat:innen
       angekommen: Die Klimakrise ist echt und keine Weltanschauung der Grünen,
       die die Bürger:innen angeblich schmerzhaft missionieren wollen.
       
       Dabei gibt es genug Möglichkeiten für einen wirksamen Klimaschutz, die
       teilweise sofort umsetzbar sind: ein Tempolimit für Autobahnen, die
       Streichung klimaschädlicher Subventionen wie das Diesel- oder
       Dienstwagenprivileg und deutlich mehr Geld für Busse und Bahnen. Doch
       solche simplen Maßnahmen sind mit der FDP und ihrem Verkehrsminister Volker
       Wissing nicht zu machen. Stattdessen steigen die Emissionen im Verkehr. Das
       wird die Bundesregierung nicht ändern, sondern durch die Aufweichung der
       sogenannten Sektorziele vertuschen. Denn künftig müssen die einzelnen
       Politikbereiche nicht mehr jährlich einzeln ausweisen, wie stark sie ihr
       erlaubtes CO2-Kontingent überschreiten.
       
       Bei den Gebäuden ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht
       ganz so groß wie im Verkehr. Künftig müssen fossile Heizungen durch
       klimafreundliche Varianten ausgetauscht werden, was die CO2-Emissionen
       deutlich senken wird. Trotzdem droht die Regierung hinter dem Möglichen
       zurückzubleiben. Kontraproduktiv ist etwa die Ankündigung von
       SPD-Bauministerin Klara Geywitz, die Dämmung von Neubauten nun doch weniger
       strikt vorzuschreiben, damit die Baukosten nicht weiter steigen. Das ist
       sehr kurzsichtig. Die Krise am Bau wird damit nicht enden, aber die
       fehlenden Vorgaben schaden dem Klima – und mittelfristig auch den Bauherrn
       und -frauen. In einigen Jahren werden sie Dämmung teuer nachholen müssen,
       denn es ist auf Dauer unmöglich, die Atmosphäre als CO2-Müllhalde zu
       missbrauchen.
       
       Die Ampel ist mit dem Anspruch angetreten, mehr Fortschritt zu wagen. So
       lautete der Titel ihres Koalitionsvertrags. Diese Anlehnung an Willy
       Brandts „Mehr Demokratie wagen“ klang vielversprechend nach Modernisierung
       und dem Aufbruch in ein neues Zeitalter. Bislang hat die Ampel dieses
       Versprechen nicht eingelöst. Das ist sehr enttäuschend. Bezahlen werden
       dafür künftige Generationen.
       
       22 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/expertenrat-klima-klimaschutzgesetz-100.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anja Krüger
       
       ## TAGS
       
   DIR Klimaschutzziele
   DIR Bundesverkehrsminister
   DIR Baubranche
   DIR Bauernprotest
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Klima
   DIR Schwerpunkt Fridays For Future
   DIR Klimaschutzziele
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Schwerpunkt Fridays For Future
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Zuspruch für Bauern & Letzte Generation: Was für Profis
       
       Warum werden die Straßenblockaden von Bauern und Letzter Generation so
       unterschiedlich bewertet?
       
   DIR Klimaschutzgesetz im Bundestag: Abgeordnete wollen Nachbesserung
       
       In der ersten Lesung zur Reform des Klimaschutzgesetzes fordern SPD und
       Grüne Nachbesserungen am Entwurf. Es deuten sich schwierige Verhandlungen
       an.
       
   DIR Umstrittene Klimaschutzgesetz-Reform: Lex Wissing auf dem Weg
       
       Der Bundestag berät die Klimaschutzgesetz-Reform, mit der CO2-Ziele für
       Sektoren abgeschafft werden. Davon profitiert der Verkehrsminister.
       
   DIR Klima-Protestaktion am Brandenburger Tor: Vergleichsweise zahm
       
       Die Empörung über die Sprüh-Aktion am Brandenburger Tor ist übertrieben.
       Empörung wäre eher beim Klimaschutzgesetz der Ampel angebracht.
       
   DIR Die Finanzwelt und die Klimakrise: EZB ist für mehr Klimaaktivismus
       
       Die Zentralbank warnt: Verzögerungen bei der Transformation führen zu
       höheren Risiken für die Finanzbranche.
       
   DIR Verbände für Klima-Kurskorrektur: „Totalausfall“ Wissing
       
       Vierzig Verbände unterzeichnen Aufruf an die Bundesregierung für eine
       bessere Klimapolitik. Vor allem der Verkehrsminister steht in der Kritik.
       
   DIR Probleme bei der Wärmewende: Deutlich weniger Wärmepumpen
       
       Die Förderanträge für klimafreundliche Heizungen sind im ersten Halbjahr
       eingebrochen. Die Branche macht die Regierung verantwortlich.
       
   DIR Kritik von Fridays for Future: Fridays fordern Wissings Entlassung
       
       Fridays for Future stellt ein eigenes Sofortprogramm für den Verkehr vor:
       Minister Volker Wissing müsse gehen – wegen „Arbeitsverweigerung“.
       
   DIR taz-Klimaserie: Löchrige Gebäudedämmung
       
       Über 30 Millionen Tonnen CO2 will die Bundesregierung reduzieren, indem
       Häuser weniger Energie verbrauchen. Doch das Vorhaben der großen Koalition
       ist ambitionierter als dessen Umsetzung.