# taz.de -- Ukraine-Vorstoß von Nato-Stabschef: Frei Haus ans Messer liefern
> Ein Mitarbeiter des Nato-Generalsekretärs schlug vor, die Ukraine könne
> Gebiete abtreten, um Nato-Mitglied zu werden. Solche Gedankenspiele
> senden ein fatales Signal an die Ukrainer*innen.
IMG Bild: Gebietsabtretungen für Nato-Beitritt? Selenskyj und Stoltenberg beim Nato-Gipfel im Juli
„As long as it takes“ – war da mal was? Die Ausführungen des Büroleiters
von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Stian Jenssen, lassen gehörige
Zweifel aufkommen. [1][Bei einem runden Tisch in Norwegen brachte er die
Option ins Spiel], die Ukraine könne Mitglied des westlichen
Verteidigungsbündnisses werden, müsse dafür aber im Gegenzug einige Gebiete
an Russland abtreten – um des lieben Friedens willen, versteht sich.
Gleichzeitig betonte er, dass Kyjiw entscheiden müsse, unter welchen
Bedingungen Verhandlungen aufgenommen werden.
Ja, geht’s noch? Da wird etwas zusammengedacht, das nicht zusammenpasst.
Und weist die Nato nicht immer wieder selbst darauf hin, dass Staaten mit
ungelösten territorialen Konflikten, wie Georgien und die Republik Moldau,
nicht beitreten können?
Ausnahmen bestätigen die Regel, aber man stelle sich einmal vor, was dieses
Szenario für die Ukraine – beziehungsweise das, was dann von ihr noch übrig
bliebe – in der Praxis bedeutete. Die Territorialfrage wäre elegant gelöst
und der Kreml würde für seinen Angriffskrieg gegen den Nachbarn mit
tausenden Toten und komplett verheerten Landstrichen auch noch belohnt.
## Realitätsferne Hoffnung
Die Ukrainer*innen, die in den besetzten Gebieten leben, würden frei Haus
ans Messer geliefert. Um zu begreifen, was das bedeutet, gibt es
[2][Anschauungsmaterial zuhauf]. Ein Blick in den Donbass oder in die seit
dem 24. Februar 2022 von Russland besetzten Gebiete genügt. Auch die
Hoffnung, derartige faule Kompromisse könnten als eine Art Appetitzügler
den Kreml künftig von weiteren Waffengängen abhalten, ist realitätsfern.
Davon abgesehen: Derartige Gedankenspiele, wie Land gegen „Frieden“, senden
ein fatales Signal an die Ukrainer*innen. Sie haben schon jetzt einen
hohen Preis entrichtet, der täglich steigt. Unter den Menschen geht die
Angst um, die Unterstützung des Westens könnte bröckeln. Denn so kann
Jenssen auch gelesen werden. Sollten sich diese Befürchtungen bewahrheiten,
es wäre eine Katastrophe.
16 Aug 2023
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Barbara Oertel
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