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       # taz.de -- Bürokratieabbau bei Photovoltaik: Balkonkraftwerke sollen sich lohnen
       
       > Unter anderem Solaranlagen für den Heimgebrauch will die Bundesregierung
       > von Vorschriften befreien. Der Gesetzentwurf soll am Mittwoch ins
       > Kabinett.
       
   IMG Bild: Sonne vorm Balkon: Diese Solarzellen können zukünftig Geld sparen
       
       Berlin taz | Wer zu Hause selbst Strom produzieren will, soll es demnächst
       leichter haben. Balkonkraftwerke, die Sonnenenergie in Elektrizität
       umwandeln, würden [1][von einigen Vorschriften befreit], kündigte die
       Bundesregierung am Dienstag an. Zum Beispiel könnte bald die heute noch
       nötige Anmeldung beim Stromversorger wegfallen.
       
       Das ist ein Teil des sogenannten Solarpakets, eines Bündels von
       Gesetzesänderungen, das die Regierung während ihrer Kabinettssitzung an
       diesem Mittwoch beschließen will. Der Entwurf stammt aus dem
       Bundeswirtschaftsministerium des Grünen Robert Habeck.
       
       Auch der mit ihm oft konkurrierende Finanzminister Christian Lindner (FDP)
       kann dann einen Erfolg vorweisen: Aus seinem Haus stehen
       Steuererleichterungen für die Wirtschaft im Umfang von mehreren Milliarden
       Euro auf der Tagesordnung.
       
       Schon in sieben Jahren, 2030, sollen 80 Prozent des hierzulande
       verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Heute ist es etwa
       die Hälfte. Deshalb hat die Koalition aus SPD, Grünen und FDP bereits eine
       Reihe von Gesetzen auf den Weg gebracht. Das Solarpaket zum [2][Ausbau der
       Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen] ist nun die jüngste Initiative.
       
       ## Komplizierte Anmeldung soll wegfallen
       
       Wenn der Gesetzentwurf nach den parlamentarischen Beratungen möglicherweise
       Anfang 2024 in Kraft tritt, dürfen bestimmte Anlagen eine größere Leistung
       haben. Für Balkonkraftwerke, die Strom auch ins Netz einspeisen, gilt dann
       eine Obergrenze von zwei Kilowatt (heute 600 Watt).
       
       Die Nutzer können damit einen Teil ihres Stroms selbst herstellen, aber
       auch Elektrizität, die sie nicht selbst brauchen, der Allgemeinheit zur
       Verfügung stellen. Für Insel-Anlagen, die nicht mit dem Netz verbunden
       sind, gelten die Regelungen nicht.
       
       Während man das Balkonkraftwerk heute auch beim Netzbetreiber anmelden
       muss, soll diese oft komplizierte Prozedur künftig wegfallen. Dann reicht
       eine vereinfachte Registrierung im sogenannten Marktstammdatenregister der
       Bundesnetzagentur.
       
       Außerdem will die Regierung ermöglichen, die kleinen Photovoltaikmodule
       mittels der normalen Schuko-Stecker mit dem Netz zu verbinden. Ob man das
       heute darf, ist unklar. Allerdings muss dafür noch eine technische Norm
       geändert werden, die nicht Teil des Gesetzes ist.
       
       ## Geld sparen mit dem Balkonkraftwerk
       
       Was manche Nutzerinnen und Nutzer freuen dürfte: Übergangsweise wird der
       Betrieb der Balkonanlagen mit den herkömmlichen Stromzählern möglich. Diese
       drehen sich rückwärts, wenn man Strom einspeist. Mit jeder eingespeisten
       Kilowattstunde spart man so den normalen Strompreis, beispielsweise 35
       Cent, weil diese Strommenge von der eigenen Rechnung abgezogen wird.
       
       Balkonkraftwerke sind eine Nische mit kleinen Strommengen. [3][Dagegen
       können Freiflächen-Solaranlagen große Leistungen bereitstellen, die
       konventionelle Kraftwerke ersetzen]. Mit dem Gesetzentwurf will die
       Regierung zusätzliche Flächen verfügbar machen, die bisher nicht genutzt
       werden durften, etwa in der Landwirtschaft, wie auch in manchen
       Schutzgebieten und Mooren.
       
       Offenbar hat das Wirtschaftsministerium einen Kompromiss mit dem in dieser
       Frage teilweise kritischen Umweltministerium ausgehandelt. Erleichterungen
       sind für Sonnenkraftwerke geplant, die in mehreren Metern Höhe über Äckern
       und Beeten errichtet werden.
       
       Auch für die gemeinsame Produktion und Nutzung von Elektrizität auf den
       Dächern von Wohnhäusern will die Regierung die Vorschriften entschlacken,
       etwa Dachflächen von Handwerksbetrieben und Garagen einbeziehen. Außerdem
       will man bestimmte Dächer freigeben für den Bau von Dachanlagen.
       
       16 Aug 2023
       
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