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       # taz.de -- Deflation in China: Wirtschaftswunder vorerst vorbei
       
       > Chinas Wirtschaftskrise ist zum Teil hausgemacht. Das harte Vorgehen
       > gegen Privatunternehmen hat Folgen. Viele Unternehmer schaffen ihr Geld
       > ins Ausland.
       
   IMG Bild: Geschlossene Läden in einem Einkaufzentrum in Peking im Juli 2023
       
       Unberechenbar war Chinas Führung auch vor Xi Jinping. Doch von einem Credo
       konnte man stets ausgehen: Wirtschaftswachstum hat Vorrang. Daraus ließ
       sich zumindest ein Stück weit das Handeln der KP-Führung ableiten. Das ist
       unter Machthaber Xi Jinping anders.
       
       Schon in der Pandemie hatte er gezeigt, dass er mit überzogenen Lockdowns
       bereit war, der Wirtschaft zu schaden – weil er aus nationalistischen
       Beweggründen keinen Impfstoff aus dem westlichen Ausland beziehen wollte.
       Nun ist er aus ideologischen Gründen erneut bereit, der Wirtschaft Schaden
       zuzufügen.
       
       Während weite Teile der Welt unter steigenden Preisen leiden, [1][ist die
       zweitgrößte Volkswirtschaft in eine gefährliche Deflation gerutscht.] Die
       geplatzte Immobilienblase und die hohe Verschuldung vieler Privathaushalte
       sind Gründe für diese wirtschaftliche Misere.
       
       Was sich jedoch ebenfalls auswirkt: Chinas hartes Vorgehen gegen
       Privatunternehmen nicht zuletzt auch aus dem Ausland. Sie fühlen sich
       zunehmend gegängelt von [2][Machthaber Xis Bestreben, nicht mehr nur die
       Menschen und die Politik] unter seine Kontrolle zu bringen, sondern auch
       die Wirtschaft. In Scharen verlassen die Unternehmer das Land und bringen
       ihr Kapital vor der KP-Führung in Sicherheit.
       
       Dabei hat China wie kaum eine andere Volkswirtschaft vom globalen Handel
       der vergangenen Jahrzehnte und den vielen Investitionen aus dem Ausland
       profitiert. Zumindest den Handel mit dem Westen hat Xi nun zum Risikofaktor
       erklärt. Während die Deutschen über einen Abbau der Abhängigkeiten von
       China diskutieren, vollzieht Xi eine Entkopplung längst. Bis 2025 soll sein
       Land in den meisten Technologien unabhängig sein, hat er zum Ziel erklärt.
       Westliche Unternehmen zu vergraulen, ist Teil davon.
       
       Kurzzeitig mag dieses Vorgehen der Wirtschaft schaden. Das nimmt Xi in
       Kauf, um autark und damit umso mächtiger auf der Weltbühne agieren zu
       können. Deutsche Unternehmer sollten sich darauf einstellen, dass es für
       sie mit dem chinesischen Wachstumsmarkt auf Dauer vorbei ist.
       
       10 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/china-deflation-100.html
   DIR [2] /China-entlaesst-Aussenminister-Qin-Gang/!5951410
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Felix Lee
       
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