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       # taz.de -- Strategien gegen die AfD: Der hilflose Antifaschismus
       
       > Statt auf rituelle Verurteilungen muss man auf Fakten setzen: Die Rechten
       > sind nicht nur in Ostdeutschland ein Jobkiller, der Investoren
       > verschreckt.
       
   IMG Bild: Selbstrefenzielle Predigt zu Überzeugten: Anti-AfD-Flugzeug über Magdeburg
       
       Der Europaparteitag der AfD hat klargemacht, dass sich die Partei in einer
       Spirale der Selbstradikalisierung befindet, die nicht langsamer, sondern
       immer schneller dreht. [1][Die Rechtsextremen um Björn Höcke haben faktisch
       die Macht übernommen]. Sie glauben, die Avantgarde einer Ära des
       Neonationalismus in Europa zu sein. Mit uns zieht die neue Zeit auf –
       rechtsradikal. Deutsche Rechtsradikale neigten immer zu hypertrophen
       Selbstüberschätzungen – jetzt muss man sie ernst nehmen. Die AfD
       funktioniert derzeit wie eine gut geölte Maschine, die viele aufsammelt,
       die Zukunftsängste haben, sich nicht gewertschätzt fühlen. Was tun?
       
       Es gibt zwei Antworten, die nichts bringen. Erstens: Die Brandmauer-Debatte
       verlagert hilflos das Problem ins eigene Spielfeld. Das Irrlichtern der
       Union – kommunale Zusammenarbeit ja, lieber nicht, keinesfalls – bestärkt
       die Rechtsautoritären in ihrer Rolle als ausgegrenzte Provokateure. Und
       [2][lässt die CDU kompasslos erscheinen].
       
       Zweitens: Die Hoffnung, dass den Gemäßigten die faschistischen Hassreden
       der AfD irgendwann auf die Nerven fallen, war trügerisch.
       
       Da hat [3][Maximilian Krah] recht: Aggressiver Rechtsextremismus schadet
       der AfD bisher nicht. Auch der AfD die bürgerliche Maske herunterzureißen,
       schmälert deren Attraktion nicht. Offenbar sind die Immunisierungskräfte
       gegen rechts, die die deutschen NS-Bewältigung abgestrahlt hat, erlahmt.
       Die Nie-wieder-Rhetorik hat nicht mehr genug Echokammern. Wenn
       Antifaschisten von der Vergangenheit reden, die AfD aber von der Zukunft,
       ist das keine günstige diskursive Anordung.
       
       ## Der BDI warnt vor jeder Zusammenarbeit mit den Rechten
       
       Auch deshalb wirkt der routinierte Antifaschismus hilflos. Klar kann man
       mit einem Flugzeug und „Scheiß-AfD“-Banner am Himmel über Magdeburg
       aufkreuzen. Aber das ist eine selbstrefenzielle Predigt zu Überzeugten. Das
       verweist auf ein kniffeliges Paradox der Anti-AfD-Strategie. Die
       Wir-ihr-Teilung zahlt womöglich am Ende bei den Falschen ein.
       
       Aussichtsreicher, als auf rituelle Verurteilungen zu setzen, ist es, von
       Interessen zu reden. Die Rechten sind nicht nur in ostdeutschen
       Kleinstädten ein Jobkiller, der Investoren verschreckt. Der Austritt aus
       dem Euro und die Abwicklung der EU, die die AfD anstrebt, würde hierzulande
       einen Zusammenbruch von Teilen der Exportindustrie und
       Massenarbeitslosigkeit bedeuten.
       
       Der BDI hat das verstanden und warnt vor jeder Zusammenarbeit mit den
       Rechten. Das ist erfreulich – es war in der deutschen Geschichte nicht
       immer so. Die Strategie gegen die Rechtsautoritären sollte vielleicht mehr
       auf die Wirtschaft als auf Moral setzen.
       
       31 Jul 2023
       
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