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       # taz.de -- Menschen mit Behinderung in Bremen: Behandlungszentrum bleibt zu
       
       > Personalmangel ist überall: Das medizinische Behandlungszentrum für
       > Erwachsene mit Behinderungen muss geschlossen bleiben, weil eine Leitung
       > fehlt.
       
   IMG Bild: Hier am Klinikum Bremen-Mitte ist das MZEB angesiedelt – aber derzeit nicht geöffnet
       
       Bremen taz | „Es können zurzeit keine Patientinnen und Patienten behandelt
       werden“, steht auf der Webseite des Bremer MZEB. Denn das Medizinische
       Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistigen und/oder schweren
       Mehrfachbehinderungen ist „vorübergehend geschlossen“. Wie lange
       „vorübergehend“ heißt, ist unklar. Eine Wiedereröffnung verzögert sich nun
       erneut.
       
       Nach rund eineinhalb Jahren Betrieb musste das MZEB [1][Ende vergangenen
       Jahres dicht machen]. Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen
       Vereinigung (KV) hatte dies entschieden, weil die ärztliche Leitung seit
       Monaten wegen einer Erkrankung ausgefallen war. Die Absicht des städtischen
       Klinikverbunds in Bremen Gesundheit Nord (Geno), der das MZEB betreibt, war
       ganz klar: Im Juli 2023 wird wieder geöffnet.
       
       Denn eigentlich hatte die Geno einen Arzt gefunden, der die Leitung
       übernehmen sollte. Zunächst mit einer halben Stelle ab Anfang Juli. Er ist
       Neurologe, war auch bislang stundenweise für das MZEB tätig, erklärt
       Geno-Sprecherin Karen Matiszick. Der Vertrag sei schon unterschrieben
       gewesen. „Aber er kam aus seinem jetzigen Arbeitsverhältnis nicht so raus,
       wie wir uns das gewünscht hatten.“ Zudem habe dem Zulassungsausschuss die
       halbe Stelle für die Leitung nicht ausgereicht.
       
       Deswegen habe man eine Verlängerung des Ruhens der Ermächtigung bis Ende
       des Jahres beantragen müssen, erklärte Andrea Bronner, Direktorin am
       Klinikum Mitte, in der Sitzung des Landesteilhabebeirats vergangene Woche.
       Die KV bestätigte dies. Ihr liege viel am MZEB, sagte Bronner in der
       Sitzung. „Es ist wichtig, dass Menschen mit multiplen Behinderungen
       versorgt werden.“ Das Ziel ist nun, im Januar 2024 wieder zu öffnen.
       
       ## Interdisziplinäres Team
       
       Zur Schließung des MZEB hatten viele Akteure der Behindertenhilfe erklärt,
       [2][warum das Behandlungszentrum so bedeutend ist]: Dort habe es mehr Zeit
       gegeben als bei anderen Ärzt*innen. Mit seinem multiprofessionellen Ansatz
       sei es zudem sehr entlastend gewesen – auch für die Betreuenden, die mit
       ihren Klient*innen vorher verschiedene Fachrichtungen abklappern
       mussten.
       
       Zum Team gehören neben dem Neurologen unter anderem eine Psychologin, eine
       Physiotherapeutin und eine Ergotherapeutin. Die ausgefallene ärztliche
       Leitung ist Allgemeinmedizinerin und Psychiaterin. Voraussetzung für ein
       MZEB, so erklärte es Bronner, sind die Fachrichtungen Neurologie plus eine
       der drei Richtungen Allgemeinmedizin, Inneres oder Psychiatrie.
       
       Nun sucht die Geno nach einer ganz neuen Leitung. „Es ist total schwierig“,
       sagte Bronner, „und das liegt nicht an mangelndem Engagement.“ Bereits die
       Allgemeinmedizinerin habe man nur über Netzwerke gefunden. Es habe sich
       niemand beworben. „Wenn jemand von Ihnen jemanden kennt, ich bin für alles
       offen“, sagte sie den Mitgliedern des Landesteilhabebeirats.
       
       Immerhin: Die technische Ausstattung im MZEB, die in der Vergangenheit auch
       kritisiert wurde, sei nun komplett fertig, sagte Bronner. Ebenso sei die
       Barrierefreiheit gänzlich realisiert. „Wir haben richtig investiert.“
       Lediglich die Führung für Menschen mit Sehbehinderung auf dem Fußboden
       fehle noch, weil dort noch renoviert wurde.
       
       Beiratsmitglied Dieter Stegmann von der Landesarbeitsgemeinschaft
       Selbsthilfe behinderter Menschen Bremen machte deutlich, dass Bremen ohne
       das MZEB einen wichtigen Aspekt bei der Versorgung von Menschen mit
       Behinderung verliere. „Das wäre wirklich ein Skandal.“ Er selbst sei gerade
       auf der Suche nach einer Zahnarztpraxis, um sein Gebiss behandeln zu
       lassen. „Für viele Menschen ist es ein aktuelles Problem, räumlich und
       zeitlich angemessen versorgt zu werden.“
       
       Es müsse doch möglich sein, sagte Stegmann weiter, wenn bundesweit so viele
       MZEBs laufen, das auch in Bremen an den Start zu bringen. Laut einer Liste
       der Bundesarbeitsgemeinschaft für medizinische Behandlungszentren für
       Erwachsene mit Behinderung gibt es derzeit 47 aktive MZEBs in Deutschland.
       
       27 Jun 2023
       
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