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       # taz.de -- Pläne zur Emissionsminderung: Trotzdem zu viel CO2
       
       > Wirtschaftsminister Habeck hat eine Reform des Klimaschutzgesetzes und
       > ein Programm vorgelegt. Problem bleibt das Verkehrswesen.
       
   IMG Bild: Robert Habeck bei der Vorstellung des Klimapakets am Mittwoch
       
       Berlin taz | Eine Klimaschutz-Lücke bleibt: Das deutsche Klimaziel für 2030
       ist auch mit einem neuen Klimapaket, das Bundeswirtschaftsminister Robert
       Habeck (Grüne) am Mittwochnachmittag vorgestellt hat, nicht zu erreichen.
       Die Treibhausgas-Emissionen müssen bis zum Ende des Jahrzehnts eigentlich
       um 65 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen.
       
       Wenn alle vorgesehenen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, gelangen laut
       Habeck aber immer noch rund 220 Millionen Tonnen CO2 zu viel in die
       Atmosphäre. Das ist entspricht fast einem Drittel von dem, was Deutschland
       [1][im vergangenen Jahr insgesamt emittiert hat].
       
       „Als ich Minister wurde, erschien das Erreichen der Klimaziele unmöglich“,
       sagte Habeck vor der Presse. „Durch die Maßnahmen, die wir ergriffen haben,
       ist die Lücke nun zwar nicht null geworden.“ Man habe sie aber um vier
       Fünftel reduziert, verteidigte sich der Minister. Damit sei das Erreichen
       des Ziels nun im Rahmen des Möglichen.
       
       Das Klimapaket besteht aus einer Reform des Klimaschutzgesetzes, in dem
       Deutschlands Klimaziele grundlegend festgehalten sind, sowie einem
       Klimaschutzprogramm mit konkreten Maßnahmen. Über beides [2][streitet die
       Ampel-Regierung seit Monaten].
       
       ## Verfehlungen weiter im Verkehrssektor
       
       Im Klimaschutzgesetz verändert sich unter anderem, dass nicht mehr jede:r
       Minister:in für den Klimaschutz im thematisch passenden Sektor
       verantwortlich ist – sondern die Bundesregierung gemeinsam die
       Verantwortung für alles trägt. Klimaschützer:innen kritisieren diese
       auf Druck der FDP eingebrachte Regelung: Sie befürchten, dass es so für die
       Politiker:innen einfacher ist, eigene klimapolitische Verfehlungen zu
       kaschieren.
       
       „Diese Gesamtverantwortung ermöglicht natürlich eine Flexibilität: Ein
       Sektor kann übererfüllen, einer untererfüllen“, sagte Habeck dazu.
       
       Künftig soll auch anders entschieden werden, ob die Regierung weitere
       Klimaschutzmaßnahmen einführen muss. Bisher prüft der sogenannte
       Expertenrat für Klimafragen jedes Jahr die deutschen Emissionsdaten. Hat
       ein Sektor die ihm gesetzten CO2-Grenzwerte gerissen, muss der:die
       zuständige Minister:in ein Sofortprogramm vorlegen. Künftig wird
       stattdessen auf Projektionen in die Zukunft geschaut. Ergeben die zwei
       Jahre in Folge, dass das Klimaziel für 2030 nicht einzuhalten ist, muss die
       Regierung tätig werden.
       
       Besonders schlechte Zeugnisse [3][hatte der Expertenrat
       Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ausgestellt]. Dass das neue
       Klimaschutzprogramm nun regierungsübergreifend Maßnahmen planen soll, hat
       an diesem Problemfeld offenbar nicht viel geändert. „Die 200 Millionen
       Tonnen, die übrig bleiben, sind wesentlich im Verkehrssektor zu verorten“,
       räumte Habeck ein.
       
       Er hat das Paket am Mittwoch in die sogenannte Ressortabstimmung gegeben.
       Das heißt: Die anderen Ministerien können jetzt Stellung nehmen und
       diskutieren. Kommen dabei keine neuen Streitpunkte auf, könnte das Kabinett
       die Pläne am kommenden Mittwoch gemeinsam beschließen.
       
       14 Jun 2023
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Susanne Schwarz
       
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