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       # taz.de -- Luftangriffe in Sudan fortgesetzt: Ärzte beklagen Instrumentalisierung
       
       > Eine kurze Feuerpause in Sudan hat weitgehend gehalten - ist aber nun
       > vorbei. Auch die Angriffe auf das Gesundheitspersonal gehen offenbar
       > weiter.
       
   IMG Bild: Die Kämpfe zwischen Sudans Armee und der paramilitärischen RSF halten seit 8 Wochen an
       
       dpa/ap | Khartum Nach einer weitgehend eingehaltenen 24-stündigen
       Waffenruhe sind in Sudans Hauptstadt Khartum erneut Gefechte ausgebrochen.
       Das berichteten Augenzeugen und mehrere Medien am Sonntag. Demnach soll die
       sudanesische Armee bereits kurz nach Ende der Feuerpause um 6.00 Uhr
       Ortszeit unter anderem erneut Luftangriffe gegen Stellungen der
       gegnerischen Paramilitärs RSF in Khartums Vororten Bahri und Omdurman
       durchgeführt haben. Auch Artillerie und Luftabwehrraketen seien zu hören
       gewesen.
       
       Die Feuerpause war – wie bereits zuvor – von den USA und Saudi-Arabien
       vermittelt worden war. Ziel war es, humanitäre Versorgung zu ermöglichen.
       Medien und Augenzeugen zufolge blieb es in Khartum tatsächlich ruhig. Die
       Situation an anderen Orten im Land, vor allem in der teils von schwerer
       Gewalt betroffenen Region Darfur, war schwer zu überprüfen.
       
       Nachdem vorherige Feuerpausen wiederholt gescheitert waren, hatten die
       Vermittler gewarnt, ein Verstoß [1][könne den Abbruch der Verhandlungen mit
       den Parteien im saudischen Dschidda] bedeuten. Wann Gespräche fortgesetzt
       werden, war zunächst offen.
       
       In Sudan kämpfen seit Mitte April die Rapid Support Forces (RSF) des
       früheren Vize-Machthabers Mohammed Hamdan Daglo, eine aus Milizen
       hervorgegangene Quasi-Armee mit Zehntausenden Kämpfern, gegen die
       Streitkräfte unter der Führung von De-facto-Staatschef Abdel Fattah
       al-Burhan. Die beiden Generäle hatten sich 2019 und 2021 gemeinsam an die
       Macht geputscht, später aber zerstritten. Ein von der Zivilbevölkerung
       geforderter Übergang zur Demokratie in dem rund 46 Millionen Einwohner
       zählenden Land im Nordosten Afrikas blieb aus.
       
       ## Angriffe auf Gesundheitspersonal
       
       Die [2][Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen] berichtete am Samstag, dass
       ihre Mitarbeiter zu einem Propagandavideo zugunsten der RSF genötigt worden
       seien. Ihr Konvoi sei beim Verlassen eines Lagerhauses gestoppt worden.
       „Die RSF forderte uns auf, vor der Kamera eine Erklärung über die
       Vorgehensweise der RSF in diesem Fall abzugeben und wir waren dazu
       verpflichtet, damit unser Konvoi seine Reise fortsetzen konnte.“
       
       Die RSF hatten am Freitag ein Video veröffentlicht, das einen Uniformierten
       mit einer Gruppe von MSF-Mitarbeitern zeigt. „Wurden Sie Gegenstand
       illegaler Handlungen, Erpressungen, Drohungen oder Gewalt durch
       RSF-Personal?“, fragt der Mann laut Untertiteln. Ein Mitarbeiter antwortet
       unter anderem, dass humanitäre Gesetze eingehalten würden und man ohne
       Einflussnahme jeglicher Partei arbeiten könne.
       
       MSF und andere Helfer haben seit Ausbruch des Konflikts immer wieder
       Plünderungen und Angriffe beklagt. „Die MSF-Teams beantworteten die Fragen
       unter Bestätigung der humanitären Grundsätze von MSF: Wir sind mit keiner
       der Konfliktparteien verbündet und unser einziges Ziel ist es, die vom
       Konflikt betroffene Bevölkerung zu unterstützen, die medizinische Hilfe
       benötigt“, teilten MSF mit. „Lebensnotwendige humanitäre Hilfe darf nicht
       instrumentalisiert werden.“
       
       Die Weltgesundheitsorganisation zählte bis Anfang Juni 48 bestätigte
       Angriffe auf Gesundheitspersonal. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA
       unter Verweis auf Zahlen des Gesundheitsministeriums sind im Konflikt bis
       Anfang Juni mindestens 780 Menschen getötet und 5.800 verletzt worden. Rund
       1,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
       
       ## Guterres weist Kritik zurück
       
       Zudem hat der Sudan [3][den deutschen UN-Sondergesandten Volker Perthes zur
       unerwünschten Person] erklärt. Perthes sei nicht länger in Sudan
       willkommen, teilte das Außenministerium in Khartum am Donnerstagabend in
       einer knappen Erklärung mit. Über den Vorgang sei UN-Generalsekretär
       António Guterres informiert worden. Guterres wies das und die Kritik an
       Perthes zurück.
       
       Perthes gilt seit seiner Berufung zum Sondergesandten für den Sudan im Jahr
       2021 als wichtiger Vermittler, zunächst während gescheiterter Versuche
       eines Übergangs zur Demokratie in dem Land und dann in der Phase, in der
       sich das Verhältnis zwischen der regulären Armee und der Gruppe RSF
       eintrübte. In den vergangenen Monaten erhielt der deutsche Diplomat
       Todesdrohungen, wiederholt wurde er zum Rücktritt aufgefordert.
       
       Erst im Mai hatte De-facto-Staatschef al-Burhan dem Gesandten in einem
       Brief vorgeworfen, parteiisch zu sein und in den Wochen vor dem aktuellen
       blutigen Konflikt einen negativen Einfluss auf Gespräche zwischen Generälen
       und prodemokratischen Gruppen gehabt zu haben. Der Nachrichtenagentur AP
       sagte Perthes in einer Reaktion, er halte jene, die ihn bedrohten, für
       randständige Extremisten. Für die UN-Bemühungen in Sudan gebe es eine weit
       verbreitete Wertschätzung.
       
       11 Jun 2023
       
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