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       # taz.de -- Bewegungstermine um Berlin: Campen und Kämpfen
       
       > Ob Kampf gegen Flüssiggasterminals, Abschiebeknäste oder für die
       > Anarchie: Protestcamps bieten gute Gelegenheiten zum Vernetzten und
       > Organisieren.
       
   IMG Bild: Mit einem Protestcamp wollen Gegner:innen gegen den LNG-Ausbau auf Rügen demonstrieren
       
       Die Temperaturen steigen, das 49-Euro-Ticket ist gekauft, Resturlaub ist
       auch noch da – höchste Zeit, Berlin mal für ein paar Tage zu verlassen.
       Dumm nur, dass sich Staat, Patriarchat und Kapital scheinbar keine Pause
       gönnen, um unsere Welt Tag für Tag ein Stückchen schlechter zu machen.
       Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen Verbinden und eine paar
       Tage Aktivismus-Urlaub machen?
       
       Nehmen wir zum Beispiel Rügen: Deutschlands größte und beliebteste
       Ferieninsel bietet atemberaubende Natur, tolle Sandstrände und artenreiche
       Ökosysteme. Der perfekte Ort also, um [1][ein überdimensioniertes
       Flüssiggas-Terminal] dorthin zu bauen.
       
       Gegen die Pläne der Bundesregierung, nur wenige Kilometer vom Ostseebad
       Binz Europas größtes LNG-Terminal zu bauen, regte sich schnell Widerstand
       von Anwohner:innen und Lokalpolitik. Sorge bereitet nicht nur die
       Auswirkungen auf den Tourismus, sondern auch die Gefährdung empfindlichen
       Ökosysteme der Boddengewässern vor Rügen. Durch die soll nämlich eine
       Unterwasser-Pipeline vom Terminal zu den Nordstream 1 & 2 Endpunkten in
       Lubmin gezogen werden.
       
       Unterstützung bekommen die Insulaner:innen von der radikalen
       Klimagerechtigkeitsbewegung, die zunehmend überregional für den Kampf gegen
       das Terminal mobilisiert. Der Protest zeigte erste Wirkung: Der
       Energiekonzern RWE, der zunächst das Terminal bauen sollte, zog sich aus
       dem Projekt zurück. Die Bundesregierung verkleinerte die Planung deutlich,
       auch den Standort der schwimmenden Terminals verlegte sie vor den etwas
       weiter von den Tourismus-Hotspots entfernten Hafen in Mukran.
       
       ## Protestcamp gegen LNG
       
       Trotzdem bleibt der Bau von fossiler Infrastruktur wie LNG-Terminals in
       Zeiten der Erdwärmung klimapolitischer Wahnsinn. Zumal [2][das importierte
       Frackinggas für extreme Umweltschäden bei der Förderung sorgt], und somit
       kaum eine bessere CO-2-Bilanz hat als Braunkohle.
       
       Ziel ist es also, das LNG-Terminal vor Rügen komplett zu verhindern. Um zu
       planen wie, veranstalten Gegner:innen zu Pfingsten [3][ein Frühlingscamp
       auf der Insel]. Neben Workshops und Strategiediskussionen gibt am Samstag
       einen Aktionstag mit Demonstrationen und anderen Protestaktionen (Freitag,
       26. Mai – Montag, 29. Mai, Frankenthal 7, Samtens. [4][Detailliertes
       Programm hier], aus [5][Berlin startet sogar ein Solibus]).
       
       Wem Rügen etwas zu weit weg ist, für den lohnt vielleicht ein kleiner
       Ausflug nach Potsdam. Die von Berliner:innen traditionell wenig
       beachtete (Klein)Stadt beherbergt nicht nur schicke Schlösser und
       Parkanlagen, sondern auch eine kleine aber feine Anarcho-Szene. Die
       veranstaltet jedes Jahr die Anarchistischen Tage Potsdam, bei denen es eine
       Woche lang täglich Workshops, Vorträge und andere Veranstaltungen zum Thema
       Anarchie gibt (Freitag, 26. Mai bis Donnerstag, 8. Juni, Potsdam.
       [6][Ausführliches Programm und Veranstaltungsorte auf der Website]).
       
       ## Abschiebeknäste stoppen
       
       Eine weitere Möglichkeit für aktivistisches Campen im Berliner Umland
       bietet schon eine Woche später das [7][Stop-Deportation-Protestcamp]. Hier
       vernetzen sich vorraussichtlich über 500 Aktivist:innen, tauschen Wissen
       und Erfahrungen darüber aus, wie sich Abschiebungen effektiv verhindern
       lassen. Abends gibt es dann ein vielfältiges Musik- und Kulturprogramm. Der
       Ort ist nicht zufällig gewählt: In Schönefeld soll [8][am BER bald ein
       neues Abschiebezentrum entstehen,] mit dem Menschen noch effektiver
       ausgewiesen werden sollen.
       
       Während das Camp vom 1. bis 6. Juni stattfindet, veranstalten die
       Organisator:innen am Donnerstag bereits eine Kick-Off-Party in
       Neukölln (Donnerstag, 25. Mai, Karl-Marx-Straße 127).
       
       24 May 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kritik-an-LNG-Terminal-auf-Ruegen/!5935441
   DIR [2] /Alberto-Acosta-zu-Fracking-in-Argentinien/!5924912
   DIR [3] https://fruehling-auf-ruegen.de/
   DIR [4] https://fruehling-auf-ruegen.de/#programm
   DIR [5] https://movement-hub.org/anmeldung-fruhlingscamp/
   DIR [6] https://atagepdm.noblogs.org/
   DIR [7] https://abschiebezentrumverhindern.noblogs.org/camp-2023/
   DIR [8] /Abschiebegewahrsam-am-BER/!5872356
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Wahmkow
       
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