# taz.de -- Unruhen im Norden Kosovos: Von der Schutzmacht verlassen
> Die Proteste der Serben im Norden Kosovos gehen weiter. Die USA
> kritisieren Kosovos Regierung und verhängen sogar Sanktionen.
IMG Bild: Hat bisher die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung: Kosovos Premier Albin Kurti
Split taz | Schon mittags versammelten sich mehrere Hundert serbische
Demonstranten vor dem Bürgermeisteramt der Stadt Zvečan im Norden Kosovos.
Wie an den Tagen zuvor wurde von Seiten der Kosovopolizei und der
[1][internationalen KFOR-Truppen] auch am Mittwoch mit weiteren
[2][Aktionen militanter Serben] gerechnet. Die Demonstranten stellten eine
mehr als 200 Meter lange serbische Flagge zur Schau, die sich vom
Verwaltungsgebäude bis zum zentralen Platz der Stadt erstreckte.
KFOR-Soldaten bildeten einen Ring um das Gebäude und riegelten den Umkreis
zusätzlich mit einem Metallzaun und Stacheldraht ab. Drei Fahrzeuge der
kosovarischen Polizei waren weiterhin vor dem Gebäude zu sehen.
Doch die gewaltbereiten Demonstrierenden, die am Montag noch ganz offen
T-Shirts mit dem Z, dem Zeichen der russischen Angreifer in der Ukraine
trugen, wollen weitermachen, bis die Kosovopolizei abgezogen wird. Sie
wollen keinesfalls zulassen, dass die trotz des serbischen Wahlboykotts in
dieser Region von Nichtserben gewählten Bürgermeister ihre Tätigkeit
aufnehmen können. Die Bürgermeister hatte der kosovarische
Ministerpräsident Albin Kurti in der vergangenen Woche formell eingesetzt.
Die Kosovoregierung will bislang auch nicht von ihrem Kurs abrücken und
riskiert jetzt sogar einen Krach mit ihrer Hauptschutzmacht, den USA. Denn
die Vereinigten Staaten haben jetzt offenbar den Kurs gewechselt und sogar
eine erste Sanktion gegen das Kosovo verhängt. Das Kosovo werde von dem
gemeinsamen Manöver namens Defender 23 ausgeschlossen, an dem bis Juni 20
Länder teilnehmen, teilte der US-Botschafter in Prishtina, Jeffrey
Hovenier, am Dienstag mit. „Die Maßnahmen der kosovarischen Regierung (…)
haben diese Krisenatmosphäre im Norden geschaffen.“
Ministerpräsident Albin Kurti aber ist bisher standhaft geblieben, obwohl
er jetzt ein großes Risiko eingeht. Denn vor allem aus dem Lager der
früheren UCK, der Befreiungsarmee der 90er Jahre, tönen kritische Stimmen,
man dürfe die USA nicht vergraulen und müsse allen Forderungen aus
Washington entgegenkommen.
## Ärger über den Schwenk der USA und Teilen der EU
Doch der bei vielen Diplomaten als „linker Sozialdemokrat“ angefeindete
Kurti kann sich bisher der Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung, vor
allem der an sich prowestlichen jungen Kosovaren, gewiss sein. Die jungen
Serben im Kosovo dagegen sympathisieren offen mit Russlands Putin.
Mit dem Schwenk der USA und Teilen der EU werden die prowestlichen Kräfte
im Kosovo vor den Kopf gestoßen. Aber die Forderung der USA und der EU,
Kosovo solle der Bildung eines serbischen Gemeindeverbandes zustimmen, wird
von Kurtis Anhängern genauso wenig hingenommen wie von Kurti selbst. Sie
sehen nicht ein, dass die schon jetzt mit vielen Sonderrechten
ausgestatteten serbischen Gemeinden einen Staat im Staate bilden sollen.
Die von den US-Botschaftern der Region und dem Sondergesandten Gabriel
Escobar jetzt verfolgte Strategie, dem serbischen Präsidenten
[3][Aleksandar Vučić] entgegenzukommen, stößt auch einigen deutschen
Kosovo-Kennern auf. So erklärte der CDU-Abgeordnete Michael Brand, die USA
und die EU sollten sich nicht mit den autokratischen Putin-Anhängern
verständigen, sondern die prowestlichen demokratischen Kräfte auf dem
Balkan stärken.
31 May 2023
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## AUTOREN
DIR Erich Rathfelder
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