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       # taz.de -- Hamburger Harley Days: Maulhelden im Rückwärtsgang
       
       > Die Hamburger Harley Days sind eine sexistische Veranstaltung aus dem
       > letzten Jahrtausend. Das Gute daran: Man muss sie nicht ernst nehmen.
       
   IMG Bild: Mit der Maschine übers Veranstaltungsgelände: Harley-Fahrer auf den Hamburger Harley Days 2023
       
       Wie kommt man hin zu den [1][Harley Days]? Die verkehrsgünstigste Anreise
       ginge so: mit der Bahn zum Hamburger Hauptbahnhof, von da mit dem Stadtrad
       in acht Minuten zum Veranstaltungsgelände. Auf diese Idee würden der
       [2][Naturschutzbund Deutschland] (Nabu), der grüne Verkehrssenator oder
       taz-Leser*innen kommen. Aber die Harley Days ticken anders. Wer zu den
       Harley Days will und mehr ist als ein Zuschauer, der reist mit der Harley
       an. Und parkt nicht vor, sondern auf dem Gelände.
       
       Ort des Geschehens ist die Asphaltfläche um die Hamburger Großmarkthallen.
       Die sieht auf den ersten Blick aus wie ein Stadtfest: Es gibt ein
       Riesenrad, Fress- und Verkaufsbuden und zwei Bühnen für Livemusik. Im
       Unterschied zu einem Stadtfest gibt es vor den Buden durchgängig einen
       Parkstreifen für Motorräder. Außerdem gibt es einen steten Strom Harleys,
       die in Schrittgeschwindigkeit über das Gelände fahren. Gut geordnet immer
       in eine Richtung.
       
       Der stete Strom ist der Vorgeschmack für die große Parade, bei der am
       letzten Tag tausende Harley-Fahrer 30 Kilometer durch Hamburg brettern. Dem
       Nabu tut das [3][seit Jahren weh]: die Abgase, der Lärm, das Sinnlose. In
       diesem Jahr [4][nannte der Nabu die Harley Days eine „Geiselhaft“], in die
       Hamburg von tausenden Motorrädern genommen werde.
       
       Überraschend ist, dass die Laune der Harley-Fahrer ebenso schlecht zu sein
       scheint wie die des Naturschutzbundes. Jedenfalls wird man niemals einen
       Harley-Fahrer im Sattel lächeln sehen. Zum Harley-Fahren gehört ein
       grimmiger Gesichtsausdruck. Zusätzlich zu ihren Halbschalen-Helmen tragen
       Harley-Fahrer gerne Sonnenbrillen und Bärte, und wenn sie Haar zeigen, dann
       ist dieses grau oder auf dem besten Weg dahin. Beliebt ist die Farbe
       Schwarz, vor allem in Form von Leder. Manche tragen auch Jacken mit
       Fransen, wie man sie von [5][Old Shatterhand] kennt.
       
       Ein gewisser Used-Look ist obenrum willkommen. Untenrum aber, da, wo das
       Blech beginnt, ist Makellosigkeit angesagt. Man möchte es sich nicht
       ausmalen, dass jemand seine Pommes-Schranke beim Wegtreten von der
       Fressbude aus Versehen auf den Ledersessel einer parkenden Harley kippt.
       Oder mit seinem Rucksack den blitzblank polierten Totenkopf-Blinker
       touchiert …
       
       Die andere Sache ist die mit den Frauen. Gibt es Harley-Fahrerinnen? Ja, es
       gibt sie, und zwar in etwa so oft wie Falafel-Stände zwischen den
       Bratwurst- und Burger-Buden.
       
       Ansonsten kommen Frauen als Mitfahrerinnen, Begleiterinnen und in zwei
       Fällen als Showtänzerinnen vor. Da stehen also zwei Fressbuden, auf deren
       Dächern umzäunte Tanzflächen angebracht sind, auf der sich Tanga-tragende
       Blondinen in High Heels mittelmotiviert zur Musik bewegen. Auf einer der
       parkenden Harleys davor steht „My other toy has tits“ und „No fuck no
       ride“.
       
       Die gute Nachricht ist: Das alles muss man nicht ernst nehmen. Die vielen
       alten Männer, die hier unterwegs sind, haben hormonell betrachtet die
       Wechseljahre schon hinter sich. Das behauptete und das tatsächlich
       vorhandene Testosteron stehen in einem indirekt proportionalen Verhältnis.
       Die Harley Days sind eine Veranstaltung, auf der das Alter als solches
       präsent ist und beruhigend wirkt.
       
       Erstaunlich ist allerdings die Verehrung nicht nur der Männer, sondern auch
       ihrer Begleiterinnen für die Marke [6][Harley-Davidson]. Sehr viele tragen
       Harley-Davidson-Klamotten und gehen darin auf, alte und neue Harleys zu
       beschauen. Im Museumszelt, wo Modelle der letzten 100 Jahre ausgestellt
       sind, sind Sätze wie „Mit der Softail Springer hatte Harley-Davidson zu
       sich selbst gefunden“ zu lesen.
       
       Die Zuneigung der Fans zu dem, was sie „die Company“ nennen, ist die, die
       Fußball-Fans zu ihrem Verein haben. Harley- und Fußball-Fans sind bereit,
       viel Geld hinzulegen für ein anonymes Versprechen der Zugehörigkeit zu
       einer Community. Geprägt ist die Harley-Community von einem Gestus des
       Nonkonformismus, den die Popkultur aus Hippies und Rockern der 60er
       zusammengemischt hat. Wahrscheinlich hat die Company ein echtes
       [7][Nachwuchsproblem], weil der Mythos der 60er zunehmend verblasst.
       
       Aber noch ist es nicht so weit. Noch kann „Nazareth“ als Haupt-Act im
       Bühnenprogramm auftreten. Noch ist dem Nabu das Ganze alljährlich eine
       Pressemitteilung wert.
       
       Und dann? Baut Harley-Davidson E-Bikes und bemüht sich um Fahrer*innen –
       oder endet als Nischenprodukt für Nostalgiker.
       
       28 May 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://hamburgharleydays.de/
   DIR [2] https://hamburg.nabu.de/
   DIR [3] /Hamburger-Harley-Days/!5313482
   DIR [4] https://hamburg.nabu.de/modules/presseservice/index.php?popup=true&db=presseservice_hamburg&show=18382
   DIR [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Old_Shatterhand
   DIR [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Harley-Davidson
   DIR [7] /Harley-Davidson-und-Donald-Trump/!5512733
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Klaus Irler
       
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