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       # taz.de -- Die Türkei dreht Syrien den Hahn ab: Wie wird Wasser zur Waffe?
       
       > Seitdem Türkei-verbundene Milizen ein Wasserwerk kontrollieren, kommt
       > kaum noch Wasser in die kurdischen Gebiete. Darunter leiden vor allem
       > Geflüchtete.
       
   IMG Bild: Wie lebt es sich, wenn man täglich nur 15 Liter Wasser zur Verfügung hat?
       
       Pro Tag bekomme jede und jeder von ihnen 15 Liter Wasser, sagt Adla
       Al-Ahmad. Mit ihren fünf Kindern lebt sie – eine Frau in den Vierzigern,
       das gebräunte Gesicht durchzogen von Falten – im Geflüchtetenlager Serê
       Kaniyê vor den Toren der Stadt Hasaka, im kurdisch kontrollierten Nordosten
       Syriens.
       
       Rund 15.000 Menschen nennen das Camp ihre neue Heimat. Al-Ahmads Familie
       stammt aus dem syrischen Ras al-Ain, eine Stadt, die seit 2019 von [1][mit
       der Türkei verbündeten Milizen besetzt] ist. „Wie sollen 15 Liter
       reichen?“, fragt sie, „Zum Trinken? Zum Kochen? Zum Waschen?“
       
       Wie unter einem Brennglas zeigt sich an der Situation der Menschen, die in
       dem Lager leben, wie sehr die ganze Region unter Wassermangel leidet – vor
       allem seit dem 10. Oktober 2019. An diesem Tag übernahmen die Türkei und
       von ihr unterstützte bewaffnete Kräfte die Kontrolle über die Gegend rund
       um das Allouk-Wasserwerk im Nordosten Syriens – und drehten damit rund
       400.000 Menschen, die in dem Gebiet leben, [2][den Wasserhahn] ab.
       
       Trotz Protesten von internationalen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen
       hält die türkische Blockade bis heute an. Die systematische Austrocknung
       der Region betrifft nicht nur die Versorgung mit Trinkwasser, sondern hat
       Auswirkungen auf alle Lebensbereiche: Wasserkraftwerke können nicht mehr
       betrieben werden, dadurch mangelt es an Strom, und landwirtschaftliche
       Nutzflächen können nicht bewirtschaftet werden.
       
       Die ganze Region droht zu vertrocknen – mit dramatischen Auswirkungen für
       die Natur und die Menschen, die dort leben.
       
       Malva Ali, Qamischli, Syrien
       
       2 Jul 2023
       
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