# taz.de -- Whistleblower-Gesetz verabschiedet: Fast schutzlos ausgeliefert
> Mehrere Jahre ist das Whistblower-Gesetz von der Ampel-Koalition
> verschleppt worden. Nun wurde es weiter abgeschwächt – ausgerechnet auf
> den letzten Metern.
IMG Bild: Pst! Ich habe nichts gesehen!
Fast zweieinhalb Jahre Verspätung und nun ein klares Signal: Die Mitglieder
von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat halten einen starken
[1][Schutz von Whistleblower:innen] in weiten Bereichen für sekundär.
Sonst hätten die Regierungen und Parlamente der vergangenen Jahre das
Gesetz, das der Bundestag am Donnerstag nun verabschiedet hat, nicht derart
verschleppt, dass die EU mittlerweile sogar ein
Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet hat.
Sonst hätte maßgeblich die Union nicht auf den letzten Metern noch weitere
Schwächungen in Sachen Schutz reinverhandelt. So fehlt nun etwa die
Pflicht, anonyme Meldekanäle einzurichten, also Kommunikationswege, über
die zum Beispiel Beschäftigte Missstände melden können, ohne Rückschlüsse
auf ihre Identität zu hinterlassen. Auch der Schutz vor Repressalien ist
schwächer geworden.
Es sind viele kleine Defizite, die aber in der Summe potenziellen
Whistleblower:innen signalisieren: Wer unbedingt meint, Missstände
melden zu müssen, soll das halt tun, aber umfassenden Schutz darf man sich
nicht erwarten.
Dieses Signal ist fatal. Denn Unternehmen und Behörden in Deutschland
brauchen dringend einen grundlegenden Wandel hin zu einem positiven Umgang
mit dem [2][Kritisieren und Aufdecken von Missständen]. Zu tief sitzt
hierzulande die Angst vor Nestbeschmutzung. Vor allem dann, wenn interne
Kritik auf eine Mauer der Abwehr stößt und nur der Weg an die
Öffentlichkeit bleibt.
## Nicht immer geht es um große Verfehlungen
Dabei belegen verschiedene Untersuchungen: Hinweisgeber:innen helfen
dabei, [3][Missstände aufzudecken], aus denen finanzielle Schäden für die
Unternehmen folgen. Ihr Handeln ist im wirtschaftlichen und öffentlichen
Interesse. Auch wenn es dabei nicht immer um die großen Verfehlungen à la
Abgasskandal geht, sondern ebenfalls um Steuerbetrug oder Geldwäsche.
Angesichts der Vorteile, die Whistleblowing für Unternehmen und
Gesellschaft bringt, ist es unverständlich, dass das Gesetz hinter der
EU-Richtlinie zurückbleibt. Aus dem dringend benötigten Kulturwandel wird
so nichts.
11 May 2023
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## AUTOREN
DIR Svenja Bergt
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