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       # taz.de -- TV-Auftritt von Donald Trump bei CNN: Ein Debakel
       
       > Bei einem Townhall-Meeting des Senders CNN trifft Donald Trump auf ein
       > ihm freundlich gesinntes Publikum – und wiederholt alle von ihm bekannten
       > Lügen.
       
   IMG Bild: Trump-Fans vor den Toren des CNN-Events mit dem Ex-Präsidenten in Manchester, New Hampshire am Mittwoch
       
       Washington taz | Für den früheren US-Präsidenten Donald Trump war es ein
       gewagtes Unterfangen. Nur einen Tag, nachdem er von einer Jury in New York
       wegen [1][sexuellen Missbrauchs und Verleumdung] schuldig gesprochen wurde,
       stellte sich Trump den Fragen von Wählern bei einer sogenannten Town
       Hall-Veranstaltung im US-Bundesstaat New Hampshire.
       
       Übertragen wurde die Veranstaltung vom US-Nachrichtensender [2][CNN], den
       Trump gerne als „Fake News“ bezeichnet. Im Publikum saßen allerdings nur
       republikanische sowie unentschlossene Wähler. Das Ergebnis war ein
       pro-Trump-Publikum und eine Fortsetzung von dem, was der Ex-Präsident im
       Januar 2021 bei seinem Auszug aus dem Weißen Haus angefangen hatte.
       
       „Es war eine manipulierte Wahl und es ist schade, dass unser Land dies
       durchmachen musste“, sagte Trump gleich zu Beginn der Veranstaltung am
       Mittwochabend Ortszeit und wiederholte damit seine oft zierte Lüge einer
       gestohlenen Wahl. Er war die erste von vielen haltlosen Behauptungen, die
       Trump an diesem Abend von sich gab.
       
       Er bestritt nicht nur weiterhin, die US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2020
       verloren zu haben – die Fakten beweisen das klare Gegenteil – auch beim
       [3][Sturm auf das US-Kapitol] am 6. Januar 2021 ist er sich keiner Schuld
       bewusst. Vielmehr würde er bei einer Wiederwahl einen Großteil derjenigen,
       die wegen ihrer Teilnahme am 6. Januar verurteilt wurden, begnadigen. Auf
       die Frage, ob er auch Mitglieder der rechtsextremen [4][Proud Boys]
       begnadigen würde, antwortete er ausweichend: „Ich müsste mir ihren Fall
       ansehen.“
       
       ## Ocasio-Cortez: CNN sollte sich schämen!
       
       Zum Ukrainekrieg befragt, behauptete Trump, unter seiner Präsidentschaft
       wäre es dazu erst gar nicht gekommen. „Wenn ich wieder Präsident bin, dann
       brauche ich nur einen Tag – 24 Stunden – um den Krieg zu beenden“, sagte
       Trump, ohne auf weitere Details einzugehen. Auch die Frage, wer seiner
       Meinung nach den Krieg gewinnen solle, wich er aus. „Ich will, dass alle
       aufhören zu sterben. Russen und Ukrainer“.
       
       Auf den sozialen Netzwerken feierten Trump-Anhänger den in manchen Stellen
       aufbrausenden und aggressiven Auftritt des Ex-Präsidenten. Besonders ein
       Moment erfreute sich großen Zuspruchs, und zwar als Trump die
       CNN-Moderatorin Kaitlan Collins als „nasty person“ bezeichnete, was in
       diesem Zusammenhang so viel wie „böse oder fiese Person“ bedeutete. Die
       Entgleisung erfolgte während eines hitzigen Schlagabtauschs zu Trumps
       Umgang mit [5][Geheimdokumenten].
       
       Sonderermittler untersuchen sowohl Trump als auch den amtierenden
       US-Präsidenten und Demokraten [6][Joe Biden] wegen deren Handhabung von
       US-Geheimakten.
       
       Unter Demokraten hagelte es jedoch vor allem Kritik an CNN selbst. Viele
       politisch liberale Menschen beschwerten sich darüber, dass der
       Nachrichtensender jemandem wie Trump überhaupt eine Plattform zur Verfügung
       stellt, damit dieser seine Lügen und Behauptungen verbreiten kann. „CNN
       sollte sich schämen“, schrieb die demokratische Abgeordnete [7][Alexandria
       Ocasio-Cortez auf Twitter].
       
       Mit Hinblick auf die nächste Wahl im November 2024 dürfte der Auftritt als
       Erfolg für Trump gewertet werden. Trump war, wie er immer ist. Dies dürfte
       zwar seine treuen Anhänger freuen, doch es wird schwierig werden, mit
       dieser Wahlkampfstrategie andere unentschlossene US-Amerikaner:innen für
       sich zu gewinnen.
       
       Bei kontroversen Themen wie Abtreibung oder Waffengesetzen hielt sich Trump
       bedeckt, und auf die Frage einer jungen Wählerin, wie er die steigende
       Inflation bekämpfen würde, sagte er: „Drill baby, drill!“ Gemeint ist damit
       eine Ausweitung von Öl- und Gasbohrungen und damit mehr fossile Brennstoffe
       und weniger Klimaschutz.
       
       Ob sich Präsident Biden die Performance seines möglichen Konkurrenten
       anschaute, ist nicht bekannt. Doch wie eine Korrespondentin berichtete,
       zeigten die Fernseher an Bord von Air Force One am gestrigen Abend nicht
       wie üblich CNN, sondern MSNBC.
       
       11 May 2023
       
       ## LINKS
       
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   DIR [5] /Nach-FBI-Razzia-bei-Donald-Trump/!5876911
   DIR [6] /US-Justizminsterium-prueft/!5908188
   DIR [7] https://twitter.com/AOC/status/1656454979790487553
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hansjürgen Mai
       
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