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       # taz.de -- Wahlen hier und in der Türkei: Die Zombie-Wähler
       
       > Hierzuland darf jeder wählen gehen, wenn er alt genug und kein Migrant
       > ist. In der Türkei läuft das anders: Dort wählen auch tote Migranten
       > mehrfach.
       
   IMG Bild: Wahlzettel für die türkische Präsidentschaftswah: Kann sein, dass es ein Untoter ist, der stempelt
       
       Wieder stehen in der [1][Türkei am Sonntag Wahlen] vor der Tür, wieder
       mache ich mir unsinnige Gedanken über Wahlen und Demokratie. Mich stört so
       einiges an der Demokratie. Aber ich verlange nicht wie die AfD, dass die
       Demokratie ganz abgeschafft wird. Denn leider weiß ich keine bessere
       Alternative, die Sinn macht.
       
       An [2][Demokratie] stört mich auch nicht alles, sondern nur dieser Vorgang
       des Wählens. Gegen Wahlen als solche habe ich eigentlich auch nichts,
       sondern nur wie gewählt wird. Jeder Hans und Franz darf wählen gehen, wenn
       er nur alt genug ist. Damit aber nicht genug, alle haben auch noch die
       gleiche Zahl an Stimmen, nämlich eine einzige! Ob Professor oder Penner, ob
       Analytiker oder Analphabet, ob Schulleiter oder Schulschwänzer!
       
       Selbst für ein Moped braucht man in Deutschland einen Führerschein, aber um
       wählen zu können, braucht es nur den Personalausweis.
       
       Im Kommunismus und in arabischen Ländern hält man gleich das ganze Volk von
       der Wahlurne fern, das Ergebnis ist aber im Endeffekt auch nicht viel
       besser. Außer dass die jeweils Regierenden immer mit 110 Prozent in ihren
       Ämtern bestätigt werden.
       
       Die Schweizer haben lange Zeit geglaubt, es dadurch besser zu machen, dass
       sie die Frauen davon fernhalten. Aber es darf bezweifelt werden, ob die
       Methode, die Wahlberechtigung von der Fähigkeit, rückwärts einzuparken,
       abhängig zu machen, nun wirklich Sinn macht.
       
       ## Achtung, Ironie! (Anm. d. Red.)
       
       Aber es gibt zum Glück ein alternatives Modell in der Türkei, das in jeder
       Hinsicht große Hoffnungen macht! Da darf man nämlich doppelt und dreifach
       wählen! Ja, sogar vierfach!
       
       Zum Beispiel hat jemand bei der letzten Wahl in vier verschiedenen Städten
       der Türkei seine Wahlzettel abgegeben. Und zwar alle zur selben Zeit! Und
       dann stellte sich auch noch heraus, dass dieser übermotivierte Wähler sogar
       schon seit vielen Jahren tot war. Und zudem auch noch Migrant!
       
       Das bisschen Migrant und Totsein war weder für ihn noch für das türkische
       Wahlgesetz ein ernsthaftes Hindernis. Im Gegenteil! Dieser gute Mann steht
       wie durch ein Wunder bei jeder Wahl regelmäßig immer wieder von den Toten
       auf, und gibt in vier verschiedenen Städten zur gleichen Zeit seine
       wertvollen Stimmen ab. Wenn das keine logistische Meisterleistung für einen
       Verblichenen ist, dann weiß ich es auch nicht!
       
       Aber das ist nichts Neues. Es ist bekannt, dass es in der Türkei tausende
       Geisterwähler gibt. Menschen, die vor 100 Jahren gestorben sind, die aber
       bei jeder Wahl zuverlässig aus ihren Gräbern herauskrabbeln, um ihre Stimme
       abzugeben.
       
       In Deutschland halten wir Millionen lebendiger Einwanderer [3][seit
       Jahrzehnten systematisch von der Wahlurne fern], in der Türkei dürfen sogar
       tote Einwanderer so oft wählen, wie sie lustig sind! Das nenne ich mal
       echte Demokratie!
       
       26 May 2023
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Osman Engin
       
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