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       # taz.de -- Eskalierter Polizeieinsatz in Ratingen: Opposition drängt auf Aufklärung
       
       > Nach dem eskalierten Polizeieinsatz in Ratingen soll der
       > NRW-Innenausschuss eine Sondersitzung einberufen. 800 Menschen halten
       > Mahnwache ab.
       
   IMG Bild: Blumen und Kerzen stehen vor dem Hochhaus in Ratingen, wo die Tat geschah
       
       Berlin taz | Nach dem [1][eskalierten Einsatz in einem Wohnhaus in
       Ratingen] (Nordrhein-Westfalen) mit mehr als 30 teils lebensgefährlich
       verletzten Polizei- und Feuerwehrleuten drängt die SPD im Landtag auf
       Aufklärung. Sie beantragte eine Sondersitzung des Innenausschuss.
       
       „Motiv, Tathergang und Einsatzablauf müssen umfassend aufgeklärt werden“,
       sagte die [2][SPD-Innenpolitikerin Christina Kampmann] am Sonntag der taz.
       Allem Anschein handele es sich bei dem Angreifer um einen polizeibekannten
       Gewalttäter. „Warum das den Einsatzkräften offenbar nicht bekannt gewesen
       sein soll, ist eine der zentralen Fragen, die nun beantwortet werden
       müssen. Es geht auch darum, wie wir unsere Sicherheitskräfte vor solchen
       Gefahren besser schützen können.“ Die Sondersitzung des Ausschusses soll
       noch in dieser Woche stattfinden.
       
       Am Donnerstag waren Polizeikräfte zu der Wohnung des 57-jährigen Frank P.
       in einem Ratinger Wohnblock ausgerückt, weil die Hausverwaltung einen
       überquellenden Briefkasten gemeldet und eine hilflose Person vermutet
       hatte. Vor Ort stießen die Einsatzkräfte auf eine Barrikade, dann soll P.
       ihnen ein Gefäß mit brennendem Benzin entgegengeschleudert haben.
       
       Zwei PolizistInnen und drei Feuerwehrleute wurden dabei lebensgefährlich
       verletzt, 26 weitere teils schwer verletzt. Der 57-Jährige konnte später
       festgenommen werden. In der Wohnung fand sich auch eine tote Person –
       offenbar P.s Mutter, die bereits Wochen zuvor gestorben sein soll.
       
       ## Motiv bleibt weiter unklar
       
       Was zu der Tat führte, bleibt weiterhin unklar. Frank P. war wegen
       dreimaliger Körperverletzung vorbestraft. Wenige Tage zuvor hatte ein
       Beamter erfolglos versucht, P. einen Vollstreckungshaftbefehl zu übergeben,
       weil dieser eine Geldstrafe wegen Körperverletzung nicht bezahlt hatte.
       Erwartete der 57-Jährige am Donnerstag nun seine Festnahme? Als Extremist
       war er den Behörden nicht bekannt. Laut der leitenden Ermittlerin, Heike
       Schultz, gibt es nun aber Hinweise, dass er der Prepper- und
       [3][Coronaleugnerszene] nahestand. Bei ihm wurde eine PTB-Waffe sowie
       mehrere Messer und Dolche sichergestellt.
       
       Ob die Einsatzkräfte am Donnerstag von einer Gewaltbereitschaft von Frank
       P. wussten, konnte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf am Sonntag der taz
       nicht sagen. Zu den genauen Umständen der Explosion und dem Motiv werde
       weiterermittelt. Der Festgenommene schweige zu den Vorwürfen, so der
       Sprecher. Es sei davon auszugehen, dass er die Tat länger vorbereitet und
       gezielt begangen habe.
       
       Von den verletzten Einsatzkräften mussten einige weiterhin
       intensivmedizinisch behandelt werden. Die Tat hatte bundesweit Bestürzung
       ausgelöst. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, diese mache
       sie „fassungslos und wütend“. „Eine so unfassbare Brutalität, einen so
       hinterhältigen Angriff durch eine offenbar bewusst herbeigeführte Explosion
       hätten wir uns kaum vorstellen können.“
       
       Am Samstag versammelten sich laut Polizei rund 800 Personen auf dem
       Marktplatz in Ratingen zu einer Solidaritätskundgebung für die verletzten
       Einsatzkräfte und stellten Kerzen auf. Zu der Veranstaltung hatte eine
       Ratinger Bürgerin aufgerufen.
       
       Während des Polizeieinsatzes war offenbar auch ein pflegebedürftiger Mann
       gestorben, der im Haus wohnte. Der festgenommene Frank P. sitzt in
       Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen.
       (mit dpa)
       
       14 May 2023
       
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