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       # taz.de -- Iranischer Musikunderground in Berlin: Mit Handballen für die Freiheit
       
       > Der Sampler „Tehran Contemporary Sounds“ versammelt iranische
       > Underground-Musik. In Berlin stieg am Donnerstag die Release-Party.
       
   IMG Bild: Cinna Peyghamy an der Tombak-Trommel im Kunsthaus Bethanien, Berlin, 2022
       
       Der Weg in den Teheraner Underground führt durch Niederschöneweide zu einer
       Industrieruine. Zwischen Schnellerstraße und Spreeufer träumen ein massives
       Backsteinschloss und seine ausgedehnte Anlage in der Berliner Nacht. Haus
       und Hof gehörten zur volkseigenen „Bärenquell“-Brauerei, die dort über das
       Ende der DDR hinaus bis in die 90er Jahre arbeitete.
       
       Mittlerweile ist der Technoclub RSO eingezogen. Über seinen Tresen wandern
       kleine Biere aus der Dunckerstraße im Prenzlauer Berg und große aus
       München. In die von Stahlträgern und Säulen abgestützten Werkstatträume
       hatte am späten Donnerstagabend das Festival und Label Teheran Contemporary
       Sounds (TCS) eingeladen und dort bis in den Freitagmorgen eine breite
       Palette elektronischer Musik aus dem Iran aufgefahren.
       
       Der Grund des eingeschworenen Stelldicheins war die Veröffentlichung des
       zweiten TCS-Samplers. Dass der anders als sein Vorgänger diesmal auf Tape
       und Download erscheint, gibt ebenso Anlass, über die ökonomische Lage
       experimenteller Musik nachzudenken, wie die Wahl des Ortes nahe der
       südöstlichen Peripherie der deutschen Hauptstadt.
       
       ## Psychedelische Momente
       
       Die Musik des Abends konnte und sollte wohl auch ungemütlich geraten, dabei
       hatte sie ihre flächigen und psychedelischen Momente: Die Pianistin und
       Bassistin Ava Rasti nahm ihre fünfminütige Ambient-Komposition auf dem
       Sampler zur Startrampe eines ausgedehnten Sets, in dem perkussive
       Basssplitter in die ruhigen Computersounds fuhren.
       
       Eine vulkanrote Bühnenprojektion hinter Rasti atmete Unruhe und Unbehagen.
       Es dauerte, bis die amorphen Formen ein einsames Auto in der Wüste zeigten
       oder aber Menschen beim Versuch, einen Häuserbrand zu löschen. Rasti
       musizierte an einem Metalltisch, der sicherlich neueren Herstellungsdatums
       war, sich aber gut in das Industrieambiente einfügte.
       
       Ihr folgte der Musiker Cinna Peyghamy nach. Peighamy hatte seine Bühne mit
       einem ornamentalen Teppich abgedeckt, auf dem er im Schneidersitz Platz
       nahm. Peyghamy ist Trommler und Elektroniker und konnte schon auf [1][der
       dritten Ausgabe des TCS-Festivals vom Herbst 2022] im Kunstquartier
       Bethanien aufhorchen lassen. Sein Auftritt am Donnerstag wurde fulminant.
       
       ## Faszinierend anzusehen
       
       Peyghamy spielt Tombak, eine in der traditionellen Folmusik und in der
       klassischen persischen Musik prominent verwendete Bechertrommel, und webt
       ihre Sounds und Rhythmen in elektronische Musik. Das klingt nicht nur gut,
       es ist auch faszinierend anzusehen.
       
       Peyghamy hat bei seinen Auftritten die Trommel im Schoß und vor sich eine
       elektronische Apparatur, aus der ein blaues, rotes, grünes und gelbes
       Kabelwirrwarr schaut und aus dem die Kontrolllämpchen blitzen. Im spärlich
       beleuchteten RSO hatte das noch einmal eine besondere Wirkung.
       
       Peyghamy eröffnet den zweiten TCS-Sampler mit einer atmosphärischen
       Komposition. Seinen längeren Liveauftritt begann er mit einigen kurzen
       Klopfzeichen, um dann schnell in ein Duett zwischen traditioneller Trommel
       und moderner Elektronik einzusteigen. Die Tombak wird per Hand gespielt,
       Peyghamy nahm Fingerkuppen, Handballen und Handrücken, spielte auf der
       Fellmitte wie am Rand; er schlug, kratzte und streichelte.
       
       Zum Ende hin rief er ein [2][Oud-Sample] ab, aus dem Trommel-Elektro-Duett
       war eine imaginäre Band geworden, die brüchigen Folk spielte. Aus der Band
       sollte ein Chor werden. Es war der der Straße: Cinna Peyghamy beschloss
       sein Set, das mit Sounds der Einkehr begonnen hatte, mit solchen des
       Aufruhrs, mit Samples der iranischen Protestdemonstrationen: „Jin, Jiyan,
       Azadi“ (Frau, Leben, Freiheit).
       
       Der Slogan aus der Arbeiterpartei Kurdistans, der Eingang in ein [3][Lied
       des iranischen Musikers Shervin Hajipour] fand, gehörte zur Abendgarderobe.
       
       5 May 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Robert Mießner
       
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