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       # taz.de -- Deutsche Fußballerinnen vor der WM: Die besseren Vorbilder
       
       > Zum Start der WM-Vorbereitung treffen die deutschen Fußballerinnen auf
       > Vietnam. Die zuletzt fahrigen Eindrücke des Teams sollen nun korrigiert
       > werden.
       
   IMG Bild: Das DFB-Team versucht in Herzogenaurach in Schwung zu kommen
       
       Es sind vertraute Lauf- und Fahrwege, die die deutschen Fußballerinnen am
       Stammsitz des größten deutschen Sportartikelherstellers vorfinden. Das
       „World of Sports“ genannte Gelände ist so weitläufig, dass die Spielerinnen
       zwischen den Wohneinheiten und dem Trainingsplatz im Adi-Dassler-Stadion
       ein Fahrrad nehmen. Auf den fast 60 Hektar in Mittelfranken entstand
       bereits im vergangenen Sommer jener „Geist von Herzogenaurach“, der das
       Team bei der EM in England bis ins Finale trug. Jene damals erzeugte
       Aufbruchsstimmung hält im Grunde bis heute an.
       
       Doch dass die DFB-Frauen deswegen bei der WM in Australien und Neuseeland
       (20. Juli bis 20. August) gegen die von den Männern erzeugte
       Endzeitstimmung anspielen, könne man sich abschminken. [1][Alexandra Popp]
       sprach von einer „dämlichen Frage“, als sie auf der ersten Pressekonferenz
       der WM-Vorbereitung erklären sollte, ob sie und ihre Mitspielerinnen das
       von Joshua Kimmich und Kollegen erzeugte Vakuum füllen sollten. Solche
       Quervergleiche haben selten funktioniert, aber befeuert der Verband nicht
       selbst gewisse Parallelen?
       
       Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dieser Tage an der Zentrale in
       Frankfurt die WM-Kampagne vorstellte, stand auf dem Plakat der etwas
       sperrige, durchaus patriotische Slogan: „Wir, die mit Stolz für unser Land
       spielen. Und um den 3. Stern.“ DFB-Geschäftsführer Holger Blask erklärte
       dazu, die Spielerinnen „als Aushängeschilder des deutschen Fußballs zu
       zeigen und sprechen zu lassen“. Das hörte sich vom Chefvermarkter schon so
       an, als würden sich die Frauen gerade besser als die Männer für
       repräsentative Zwecke eignen.
       
       Mit der heiklen Prämienfrage musste sich der finanziell angeschlagene DFB
       nicht befassen. D[2][ie Fifa schüttet eine Rekordsumme von 103 Millionen
       Euro Preisgeld aus.] Mehr als die Hälfte gehen erstmals „zweckgebunden“
       direkt an die Spielerinnen aus. Popp und Co sind unabhängig vom Abschneiden
       rund 28.000 Euro garantiert, der dritte WM-Sieg brächte 252.000 Euro ein.
       Zum Vergleich: Die DFB-Prämie für den Titel hätte vor vier Jahren 75.000
       Euro betragen. „Das sind nicht die schlechtesten Zahlen“, sagte Popp. Man
       sei „grundsätzlich sehr zufrieden damit, was die Fifa auf die Beine
       gestellt hat“.
       
       ## Fehleraufarbeitung auf dem Plan
       
       Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht, weil zwischen dem DFB und dem FC
       Bayern ein Streit um die Abstellung entbrannte. Die FCB-Fraktion darf erst
       am Freitag anreisen. Der Meister fühlte sich nicht mehr an eine
       schriftliche Vereinbarung mit dem DFB gebunden, die Spielerinnen bereits am
       20. Juni abzustellen.
       
       Der Hintergrund ist komplex: Erst am 17. Mai einigten sich die Europäische
       Klubvereinigung ECA und die Fifa auf eine zusätzliche Abstellungsphase vom
       23. bis 29. Juni. Mitgewirkt an dieser „Konsensvereinbarung“ hat die
       stellvertretende ECA-Vorsitzende Bianca Rech, Sportliche Leiterin beim FC
       Bayern. Auf die ehemalige Nationalspielerin war Bundestrainerin Martina
       Voss-Tecklenburg mächtig sauer, denn was sollen die zehn Spielerinnen vom
       VfL Wolfsburg sagen, die am 3. Juni noch das Champions-League-Finale gegen
       den FC Barcelona (2:3) bestritten haben? Die gingen später in den Urlaub,
       reisten aber am Dienstag an. Wolfsburgs Sportdirektor Ralf Kellermann
       sagte: „Das kann den hohen Ambitionen der DFB-Elf bei der WM schaden.“
       Teamgeist entstehe nicht auf Knopfdruck, bemerkte Torhüterin Merle Frohms
       (Wolfsburg).
       
       [3][Trainerin Voss-Tecklenburg] schaut nun nach vorne: „Wir wollen die zwei
       Lehrgänge bestmöglich nutzen, um an den sportlichen Themen zu arbeiten, die
       wir in den vergangenen Länderspielen noch nicht so gut auf dem Platz
       gebracht haben.“ Der 55-Jährigen konnten die teils fahrigen Vorstellungen
       gegen Schweden (0:0), Niederlande (1:0) und Brasilien (1:2) nicht gefallen
       haben. Zwei Tests gegen zwei WM-Neulinge stehen an: erst gegen Vietnam in
       Offenbach (Samstag, 18.15 Uhr/ZDF), gegen Sambia in Fürth (7. Juli, 20.30
       Uhr/ARD). Von der Generalprobe erhofft sich Voss-Tecklenburg einen
       „emotionalen Push“.
       
       Für die WM formuliert Popp höchste Ansprüche. „Ich möchte den Titel holen,
       und das möchte auch jede andere hier. Wir haben die Qualität dazu.“
       Spätestens wenn die Bayern-Gruppe eingetroffen sei, versicherte sie, werde
       im Trainingslager „die Post abgehen“.
       
       23 Jun 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /EM-Deutschland-gegen-Frankreich/!5867458
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   DIR [3] /Fussball-Nationalmannschaft-der-Frauen/!5923535
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Frank Hellmann
       
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