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       # taz.de -- Petersberger Klimadialog geht zu Ende: Scholz kündigt mehr Klima-Geld an
       
       > Bundeskanzler Scholz will mehr Mittel für den Schutz gegen die
       > Erderwärmung im Globalen Süden bereitstellen. Reicht das?
       
   IMG Bild: Bundeskanzler Scholz auf dem Petersberger Klimadialog
       
       Berlin taz | Deutschland will 2 Milliarden Euro in den sogenannten Grünen
       Klimafonds einzahlen, mit dem Industrieländer Staaten des Globalen Südens
       Geld für Klimaschutz und -anpassung bereitstellen. Das hat Bundeskanzler
       Olaf Scholz (SPD) auf dem Petersberger Klimadialog in Berlin angekündigt.
       Im Oktober wird Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) eine
       Geberkonferenz für den Fonds in Bonn ausrichten – Deutschland hat seinen
       Beitrag dafür nun schon jetzt bekannt gegeben.
       
       Scholz’ Ankündigung bekommt Lob von Klimaschützer:innen. „Das ist eine
       Steigerung gegenüber früheren Zahlungen“, sagte Jan Kowalzig von der
       Entwicklungsorganisation Oxfam. „Die Erhöhung ist eine gute Nachricht, und
       der Zeitpunkt ist eine sehr gute Nachricht.“ Durch die frühe Wortmeldung
       stünden andere Länder unter Druck, bis zum Herbst nachzuziehen.
       
       Ein Aber gibt es dennoch: „Das ist eine Einmalzusage, die über Raten in den
       kommenden Jahren abgefrühstückt wird“, so Kowalzig. Das sei zwar normal,
       bedeute aber, dass Deutschland seine übergreifenden Versprechen zur Zahlung
       von Klimageldern an arme Länder immer noch nicht einhalte.
       
       Dabei bekräftigte Scholz die Zusage in seiner Rede erneut. „Deutschland
       steht auch zu dem Ziel, unsere Klimafinanzierung bis 2025 auf 6 Milliarden
       Euro zu erhöhen“, so der Kanzler. Dabei geht es um jährliche Zahlungen, die
       noch Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin 2021 versprochen hatte.
       
       ## „Finanzminister steht auf der Bremse“
       
       Bislang lag Deutschland bei etwas über 4 Milliarden Euro, ein
       entsprechender Anstieg [1][fehlt im Bundeshaushalt bislang]. Klima-Experte
       Kowalzig ist auch skeptisch, ob die laufenden Gespräche um den
       Bundeshaushalt für 2024 den Kurs korrigieren. „Finanzminister Lindner steht
       auf der Bremse“, kritisierte er Christian Lindner (FDP).
       
       Neben dem Finanzversprechen lobte Scholz internationale Fortschritte beim
       Ausbau erneuerbarer Energien. Für Klimaaktivistin Luisa Neubauer von
       Fridays for Future ist das ein Hohn. „Zu keinem Zeitpunkt seit
       Regierungsantritt hat der Kanzler Klima zur Chefsache gemacht“, sagte sie.
       „Olaf Scholz gibt sich beste Mühe, sich als energische Kraft für das Klima
       zu präsentieren.“ Seine [2][nationale Bilanz] erzähle eine andere
       Geschichte.
       
       Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) äußerte sich auf dem
       Petersberger Klimadialog optimistisch, dass ein weiteres altes
       Finanzversprechen dieses Jahr eingelöst wird: „So wie es jetzt aussieht,
       sind wir auf einem Weg, dass wir dieses Jahr endlich die Summe von 100
       Milliarden US-Dollar erreichen können“, sagte sie.
       
       Hierbei geht es wieder um jährliche Klimagelder für den Globalen Süden,
       allerdings nicht nur von Deutschland, sondern von allen Industrieländern.
       Eigentlich hätte die Summe schon ab 2020 fließen sollen, das wurde bisher
       deutlich unterschritten.
       
       Der Petersberger Klimadialog findet jährlich in Berlin statt, um in
       informellen Gesprächen die jeweils nächste Weltklimakonferenz
       vorzubereiten. Baerbock warb diesmal für ihre Idee eines globalen [3][Ziels
       zum Ausbau erneuerbarer Energien]. Das könnte sich zum Beispiel an den
       Berechnungen der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien
       orientieren: Demnach muss das Zubautempo für erneuerbare Energien bis 2030
       verdreifacht werden, auf durchschnittlich 1.000 Gigawatt.
       
       3 May 2023
       
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