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       # taz.de -- Vorwürfe gegen Staatssekretär Graichen: Steilvorlage für die Opposition
       
       > Bei der Wahl des Dena-Chefs hätte es mehr Transparenz gebraucht. Die
       > Verflechtungen sind ein gefundenes Fressen für die Gegner grüner
       > Klimapolitik.
       
   IMG Bild: Bundesminister Habeck (r) und sein Staatssekretär Patrick Graichen im September 2022
       
       Noch ist es nicht offiziell, doch vieles deutet darauf hin: Die Vergabe des
       Chefpostens bei der Deutschen Energie-Agentur, kurz Dena genannt, wird neu
       aufgerollt werden. Und das ist auch dringend notwendig.
       Klima-Staatssekretär Patrick Graichen, der in der vierköpfigen
       Findungskommission saß, hat erst im Nachhinein öffentlich gemacht, [1][dass
       der designierte neue Geschäftsführer sein Trauzeuge war].
       
       Das war ein Fehler – der öffentlich umso schwerer wiegt, als die Grünen
       stets die Bedeutung von Integrität und Moral betonen. Schließlich liegt,
       vorsichtig formuliert, die Gefahr der Befangenheit Graichens auf der Hand.
       Notwendig gewesen wäre also Transparenz zu Beginn des Prozesses. Fragt sich
       nur, warum zunächst weder Graichen noch sein Umfeld im Ministerium diese
       Gefahr gesehen oder zumindest ernst genug genommen haben. War es Naivität?
       
       Das würde zwar kein gutes Licht auf die Professionalität von Robert Habecks
       Klima-Staatssekretär werfen. Schlimmer aber noch wäre, wenn Hybris
       dahintersteckte. Denn das würde einen Verdacht verstärken, der sowieso von
       interessierter Seite befeuert wird: dass [2][Habeck, Graichen und Co].,
       ohnehin als abgehoben und arrogant verschrien, so von der Notwendigkeit
       getrieben sind, die Klimawende anzuschieben, dass sie dabei wichtige
       Aspekte aus dem Blick verlieren. Ängste in der Bevölkerung etwa oder den
       notwendigen [3][sozialen Ausgleich].
       
       So oder so hat Graichen der Sache einen Bärendienst erwiesen. Er hat all
       jenen, die mit mehr oder weniger lauteren Methoden gegen Habecks
       Klimapolitik Sturm laufen, ein Einfallstor geliefert. Seit Tagen
       zirkulieren Grafiken über persönliche Verflechtungen zwischen Habecks
       Ministerium und wichtigen Akteur*innen der Umweltszene. Im Einzelnen
       mögen diese nachvollziehbar und noch nicht einmal anrüchig sein.
       
       Doch in Kommentaren ist von „Vetternwirtschaft“ im Klimaministerium die
       Rede, die Union spricht von einem „Familienclan“, bemüht Vergleiche mit der
       Mafia und fordert Graichens Rausschmiss. Die Dena-Personalie liefert dafür
       eine Steilvorlage. Klar ist: Bei den Vorwürfen gegen Graichen sollte besser
       nichts mehr nachkommen. Sonst wird es schwer für Habeck, seinen
       Staatssekretär zu halten.
       
       Graichen aber ist für den Minister von zentraler Bedeutung, er ist quasi
       Kopf und Rückgrat der Klimawende in Habecks Haus. Was auch die Leidenschaft
       der Angriffe auf Graichen erklären dürfte. Diese zielen nicht auf einen
       x-beliebigen Staatssekretär. Sie zielen auf [4][Robert Habeck und den Kern
       grüner Klimapolitik].
       
       3 May 2023
       
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