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       # taz.de -- Geplante Legalisierung von Cannabis: Haschkekse sind vom Tisch
       
       > Eine aktuelle Studie benennt die Risiken einer Cannabislegalisierung –
       > auch für Kinder und Jugendliche. Bestimmte Produkte sollen nun verboten
       > bleiben.
       
   IMG Bild: Lecker Kekse!
       
       Berlin taz | Wo Cannabis legalisiert wird, nimmt der Konsum erst einmal zu.
       Das ist eine der zentralen Erkenntnisse einer Studie zu den Effekten der
       Cannabis-Legalisierung. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Studie in
       Auftrag gegeben und am Dienstag an die Regierungsfraktionen versandt.
       Kritiker:innen einer Legalisierung sehen sich dadurch bestätigt. Im
       Gesundheitsministerium setzt man dagegen auf konsequenten Kinder- und
       Jugendschutz.
       
       Auf eine Cannabislegalisierung hatten sich die Regierungsparteien bereits
       im Koalitionsvertrag verständigt. Im April hatte Bundesgesundheitsminister
       Karl Lauterbach (SPD) [1][seine Pläne] dafür in die regierungsinterne
       Abstimmung gegeben.
       
       Demnach soll der Besitz von maximal 25 Gramm Cannabis und der Eigenanbau
       von höchstens drei Pflanzen künftig straffrei sein. Der Anbau und die
       Abgabe der Droge soll in speziellen Vereinen ermöglicht werden. Im
       zweiten Schritt soll in Modellregionen die regulierte Abgabe auch in
       Fachgeschäften erprobt werden. Lauterbach betont immer wieder, dass der
       Prozess der Legalisierung auf der Grundlage von wissenschaftlichen
       Erkenntnissen erfolgen solle.
       
       Die aktuelle Studie vom Hamburger Institut für interdisziplinäre Sucht- und
       Drogenforschung trägt nun den Forschungsstand aus Ländern zusammen, in
       denen Cannabis bereits legal für den Freizeitkonsum erworben werden kann –
       Kanada, Uruguay und 18 US-Bundesstaaten.
       
       Als positive Effekte einer Legalisierung werden in einer Zusammenfassung
       der Studie die Kontrolle der Qualität sowie bessere
       Informationsmöglichkeiten der Konsument*innen aufgeführt. Der illegale
       Markt für Cannabisprodukte könne erheblich zurückgedrängt werden, je
       unkomplizierter der Verkauf gestaltet wird. Dies berge aber auch das Risiko
       einer Zunahme des Konsums.
       
       Zumindest mit einer kurzfristigen Konsumsteigerung sei nach einer
       Legalisierung ohnehin zu rechnen, so die Studienautor*innen. In vielen der
       untersuchten Regionen wurde auch ein leichter Anstieg von Notfällen und
       Verkehrsunfällen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum beobachtet. Eine
       Zunahme psychotischer Diagnosen werde aber nicht berichtet.
       
       ## Gefährliche Cannabis-Lebensmittel
       
       Der Anstieg im Konsum kann laut Studie auch Kinder und Jugendliche
       betreffen, da sich die subjektive Verfügbarkeit von Cannabis erhöhe. In den
       US-Bundesstaaten, in denen mit Cannabis versetzte Lebensmittel (sogenannte
       Edibles wie Haschkekse) legal verkauft werden, seien auch die Zahlen der
       Vergiftungs- und Rauschzustände bei Kindern unter 10 Jahren beträchtlich
       angestiegen.
       
       Das Bundesgesundheitsministerium will diesen Risiken mit einer gezielten
       Aufklärungskampagne für Kinder und Jugendliche und einem generellen Verbot
       von Edibles begegnen. Auch bei den Erwachsenen soll eine
       Aufklärungskampagne sowie der stark regulierte, aber für bereits
       Konsumierende gut zugängliche Erwerb einen Konsumzuwachs eindämmen.
       
       [2][Kritiker*innen] wie die Bundesärztekammer überzeugt das nicht. Die
       aktuelle Studie bestätige die Gefahren einer Legalisierung, so Präsident
       Klaus Reinhardt. Die Gesetzespläne sollten noch einmal überdacht werden.
       
       3 May 2023
       
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