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       # taz.de -- Mehrtägiges Militärmanöver gegen Nachbar: China übt Abriegelung Taiwans
       
       > Nach dem Besuch von Taiwans Präsidentin in den USA setzt China auf
       > Säbelrasseln. Ein US-Zerstörer durchfährt als Reaktion das südchinesische
       > Meer.
       
   IMG Bild: Dinner mit Manöverbegleitung: Die Militärübung gegen Taiwan wird in Peking zum Essen übertragen
       
       Pingtan afp | Am dritten Tag ihrer Militärmanöver vor Taiwan hat die
       chinesische Armee nach eigenen Angaben die „Abriegelung“ der Insel geübt.
       Mehrere dutzend Militärflugzeuge seien vor Taiwan im Einsatz, um eine
       „Luftblockade“ der Insel durchzusetzen, hieß es am Montag im staatlichen
       chinesischen Fernsehsender CCTV. Rund 1300 Kilometer von Taiwan entfernt
       fuhr indes ein Zerstörer der US-Marine durch umstrittene Gewässer im
       südchinesischen Meer, Peking sprach von „illegalem“ Vorgehen.
       
       Am dritten Tag der Militärmanöver vor Taiwan gab das
       Verteidigungsministerium in Taipeh an, es habe elf chinesische
       Kriegsschiffe und 59 Militärflugzeuge vor der Insel gesichtet. Unter den
       Flugzeugen seien Kampfjets und Bomber, hieß es aus Taipeh. Bei den Übungen
       wurde nach chinesischen Angaben wie im Vorfeld angekündigt scharfe Munition
       eingesetzt.
       
       An den Übungen sei zudem auch der Flugzeugträger Shandong beteiligt,
       erklärte das territoriale Kommando Ost der chinesischen
       Volksbefreiungsarmee.
       
       [1][Chinas] Armee hatte das Manöver am Samstag als „Warnung“ an
       „separatistische Kräfte“ bezeichnet. Seit der politischen Spaltung zwischen
       Festlandchina und Taiwan im Jahr 1949 betrachtet Peking die Insel als
       abtrünniges Gebiet, das es wieder mit dem Festland vereinigen will –
       notfalls mit militärischer Gewalt.
       
       ## China nennt US-Vorgehen „illegal“
       
       Die Spannungen in der Taiwan-Frage waren zuletzt durch den [2][Besuch der
       taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen] in den USA angeheizt worden. Tsai
       hatte dort am Mittwoch in Kalifornien den Vorsitzenden des
       US-Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, getroffen – den gemäß der
       staatlichen Hierarchie der USA dritthöchsten Vertreter des Landes.
       
       Vor dem Hintergrund der [3][Spannungen zwischen den USA und China]
       durchquerte die US-Marine am Montag eigenen Angaben zufolge mit einem
       Zerstörer umstrittene Gewässer im südchinesischen Meer. Demnach fuhr der
       Lenkwaffenzerstörer USS Milius auch an den seit Jahren zwischen China, den
       Philippinen und anderen Anrainerstaaten umstrittenen Spratly-Inseln vorbei
       und bewegte sich innerhalb von zwölf Seemeilen um das zu den Inseln
       gehörende Mischief Reef. Mit der „‚Freedom-of-Navigation‘-Operation“ hätten
       die USA „Rechte, Freiheiten und die rechtmäßige Nutzung des Meeres
       gewahrt“, erklärte die Marine am Montag.
       
       China bezeichnete das Vorgehen der USA als „illegal“. Die USS Milius sei
       „ohne Zustimmung“ der chinesischen Regierung „illegal (…) eingedrungen“,
       erklärte ein Sprecher des territorialen Kommandos Süd der chinesischen
       Volksbefreiungsarmee am Montag.
       
       China beansprucht praktisch das gesamte Südchinesische Meer für sich. Auch
       Brunei, Malaysia, die Philippinen und Vietnam erheben jedoch Anspruch auf
       Teile des Seegebiets, das für die Anrainerstaaten strategisch und
       wirtschaftlich enorm wichtig ist. Die USA sehen Pekings Gebietsansprüche im
       Südchinesischen Meer als illegal an und befahren das Gebiet mit
       Militärschiffen, um die Freiheit der Schifffahrt in internationalen
       Gewässern geltend zu machen.
       
       10 Apr 2023
       
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