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       # taz.de -- Annäherung von Iran und Saudi-Arabien: Wieder Treffen der Außenminister
       
       > China hat ein Treffen zwischen den Rivalen Iran und Saudi-Arabien
       > eingefädelt. Nun sollen Flugverkehr und Handel belebt sowie die
       > Botschaften geöffnet werden.
       
   IMG Bild: Die Außenminister des Irans Hossein Amir-Abdollahian und Saudi-Arabiens Prinz Faisal bin Farhan Al Saud
       
       Peking dpa | Als weiteres Zeichen der Annäherung zwischen dem Iran und
       Saudi-Arabien sind die Außenminister der beiden rivalisierenden Länder,
       Hussein Amirabdollahian und Faisal bin Farhan, in Peking zusammengetroffen.
       Das berichtete das chinesische und saudische Staatsfernsehen. Das Treffen
       am Donnerstag war die erste Zusammenkunft dieser Art seit mehr als sieben
       Jahren. [1][China hatte hinter den Kulissen einen Neubeginn zwischen beiden
       Kontrahenten vermittelt.]
       
       Im Zuge ihrer Annäherung wollen Saudi-Arabien und Iran auch wieder Flüge
       zwischen beiden Ländern anbieten. Die Außenminister unterzeichneten nach
       dem Treffen eine entsprechende Erklärung. Ein Zeitrahmen für die
       Wiederaufnahme der Flugverbindungen ging daraus nicht hervor. Auch wollen
       beide Staaten Visa-Vergaben für die Bürger des jeweils anderen Landes
       erleichtern, auch für Pilgerreisen von Iranern nach Mekka. Auch zu diesem
       Vorhaben wurden keine Details genannt. Reisen in die für Muslime heilige
       Stadt waren auch für iranische Staatsbürger bereits vorher möglich.
       
       Beide Länder kündigten in ihrer gemeinsamen Erklärung zudem erneut an, ihre
       Botschaften wieder zu eröffnen und Handelsbeziehungen aufzunehmen. Riad und
       Teheran planen demnach außerdem Kooperationen unter anderem in
       Sicherheitsfragen und bei Investitionen.
       
       Beide Außenminister luden einander außerdem zu gegenseitigen Besuchen ein,
       um weitere Gespräche zu führen. Iranischen Angaben zufolge hatte
       Saudi-Arabiens König Salman Irans Präsidenten Ebrahim Raisi bereits im März
       zu einem Staatsbesuch eingeladen.
       
       China trage mit der Vermittlung zwischen Riad und Teheran zur Sicherheit
       und Stabilität der Region bei, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning. Peking
       sei „eine Kraft für Versöhnung, Frieden und Harmonie im Nahen Osten“.
       
       ## Erstes Treffen nach mehr als sieben Jahren
       
       Teheran und Riad [2][hatten vergangenen Monat überraschend verkündet],
       wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen zu wollen. Als erster Schritt
       war das Außenministertreffen angekündigt worden. Unter strenger
       Geheimhaltung kamen die Minister nun zusammen. Riad und Teheran wollen im
       Dialog ihre Differenzen beilegen und innerhalb von zwei Monaten wieder
       Botschaften eröffnen, hieß es bereits im März bei einem Zusammentreffen
       hochrangiger Regierungsvertreter beider Länder in Peking.
       
       Israels Opposition hatte die Wiederannäherung scharf kritisiert. Israel ist
       Irans Erzfeind und bemüht sich seit Längerem um eine Normalisierung der
       Beziehungen mit Saudi-Arabien, auch um eine Koalition gegen Teheran
       aufzubauen. Seit der Islamischen Revolution von 1979 stellt der Iran
       Israels Existenzrecht infrage.
       
       Das sunnitische Saudi-Arabien und der mehrheitlich schiitische Iran
       unterhielten in den vergangenen Jahren keine diplomatischen Beziehungen.
       Beide Länder ringen in der Region um politischen und militärischen
       Einfluss. Eine Annäherung der Rivalen könnte zu größeren Umbrüchen führen,
       darunter im Bürgerkriegsland Jemen, wo die Länder unterschiedliche Seiten
       unterstützen.
       
       Im vergangenen Jahr näherten sich beide Seiten auf diplomatischer Ebene
       vorsichtig an. Im Irak fanden mehrere Gesprächsrunden mit iranischen und
       saudischen Vertretern statt, bei denen es vor allem um Sicherheitsfragen
       ging.
       
       Der Iran und Saudi-Arabien sind beide vom Ölexport abhängig. Auch die
       Konkurrenz auf dem Energiemarkt hatte zu ihrer Rivalität beigetragen. Durch
       internationale Sanktionen wegen seines umstrittenen Atomprogramms ist der
       Iran aber weitgehend vom Markt ausgeschlossen.
       
       Riad hatte die offiziellen Kontakte mit Teheran im Januar 2016 als Reaktion
       auf einen Angriff iranischer Demonstranten auf die saudische Botschaft im
       Iran gekappt. Ausgelöst wurden die Proteste durch die Hinrichtung des
       prominenten schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien.
       
       6 Apr 2023
       
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