URI:
       # taz.de -- Verhältnis von Belarus und Ukraine: Kein Kinderspiel
       
       > Belarus und die Ukraine üben sich in wechselseitiger Einschüchterung. Mit
       > Großplakaten an der Grenze setzen sie die Gegenseite unter Druck.
       
   IMG Bild: Die Grenzanlage zwischen Belarus und der Ukraine
       
       Schon seit Längerem beschwert sich Belarus darüber, dass ukrainische
       Grenzschützer das angrenzende Gebiet verminen und obszöne Gesten zeigen.
       „Frage: Warum musste eine weitere Reihe von Minen auf dem Weg platziert
       werden?“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Ja, warum eigentlich?
       Vielleicht, weil seit mehr als einem Jahr Krieg herrscht und der
       [1][Sabotageakt belarussischer Partisanen an einem russischen
       Kampfflugzeug] eine Welle von Verhaftungen und Repressionen nach sich zog?
       
       Es ist nicht erstaunlich, dass gerade an Orten wie der Grenze der
       Informationskrieg eskaliert. Die [2][Menschenrechts-Website Gulagu.net]
       berichtet, dass Russland Söldner nach Belarus schickt, um Anschläge zu
       begehen. Diese sollen Minsks Machthaber Alexander Lukaschenko zwingen, sich
       am Krieg gegen die Ukraine zu beteiligen. Die Söldner würden vom russischen
       Inlandsgeheimdienst FSB und vom Verteidigungsministerium kontrolliert. Sie
       sollen bereit sein, sich ukrainische Uniformen anzuziehen und in Belarus
       Sabotageakte zu begehen.
       
       Die Ukrainer verstärken derweil die Grenze zum nördlichen Nachbarn. Sie
       zeigen nicht nur offen Panzerabwehrgräben und Minenfelder, sondern nutzen
       auch Mittel der psychologischen Kriegsführung. Große Plakatwände haben sie
       an der Grenze aufgestellt, mit Appellen an Lukaschenkos Armee. Und neben
       der blau-gelben ukrainischen weht die weiß-rot-weiße nunmehr verbotene
       belarussische Flagge.
       
       Minsk hat so darauf geantwortet, dass das Regime an fünf Grenzübergängen
       ebenso propagandistische wie kreative Meisterwerke aufgestellt hat, mit
       doppeldeutigen Aufschriften. Auf einem dieser Plakate sieht man die
       ukrainische Hauptstadt Kyjiw und durch ein Vergrößerungsglas [3][einen
       amerikanischen Soldaten vor dem Hintergrund einer US-Flagge]. Darauf steht
       in riesigen Lettern: „Wir helfen der Ukraine, die wahren Okkupanten zu
       finden.“
       
       Im belarussischen Fernsehen beschwerte sich Sergej Pawlow, offizieller
       Vertreter des Grenzregiments von Mosyr, dass die Ukrainer „eine Attrappe
       eines erhängten Soldaten in russischer Uniform mit dem Namen Valera
       aufgestellt haben. Sie gaben an, dass es sich dabei um einen
       Wehrdienstleistenden handele, der bei Kyjiw getötet worden sei.“ Pawlow
       sagte, dass dies angeblich die belarussischen Grenzschützer „einschüchtere“
       und „psychologischen Druck“ auf sie ausübe.
       
       Ukrainische Grenzer machen sich indes lustig über die Nachbarn, die Angst
       vor einer Vogelscheuche hätten. „Wir machen ihnen keine Angst, wir machen
       nur Andeutungen“, so ihre prompte Reaktion. In Zeiten von Internet-Memes
       wäre dieses „Schafkopf“-Spiel lustig und würde fast kindisch erscheinen,
       würde es nicht eine zutiefst erwachsene und schreckliche Realität
       widerspiegeln. Auf einem anderen Plakat sieht man Leichen aus dem Zweiten
       Weltkrieg und den Satz „Belarus gedenkt“.
       
       Es heißt, dass das belarussische Regime seinen Grenzsoldaten bereits die
       scharfen Waffen abgenommen habe und sie nur noch Platzpatronen bekämen. Man
       misstraut ihnen nicht nur. Man hat Angst vor ihnen.
       
       Aus dem Russischen von [4][Gaby Coldewey]
       
       Finanziert wird das Projekt von der [5][taz Panter Stiftung].
       
       Einen Sammelband mit den Tagebüchern hat der Verlag [6][edition.fotoTAPETA]
       im September 2022 herausgebracht.
       
       13 Apr 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.deutschlandfunk.de/belarussische-partisanen-sprengen-russisches-militaerflugzeug-100.html
   DIR [2] https://gulagu.net/
   DIR [3] https://focus.ua/voennye-novosti/554558-otvet-na-valeru-belorusy-na-granice-s-ukrainoy-postavili-bordy-o-ssha-i-vtoroy-mirovoy-video
   DIR [4] /Gaby-Coldewey/!a23976/
   DIR [5] /Osteuropa-Projekte/!vn5913530
   DIR [6] https://www.edition-fototapeta-shop.de/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Janka Belarus
       
       ## TAGS
       
   DIR Kolumne Krieg und Frieden
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
   DIR Belarus
   DIR Alexander Lukaschenko
   DIR GNS
   DIR Kolumne Krieg und Frieden
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
   DIR wochentaz
   DIR Kolumne Krieg und Frieden
   DIR Osteuropa – ein Gedankenaustausch
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Belarussische Unterstützung für die Ukraine: „Für eure und unsere Freiheit“
       
       In Belarus kämpfen die Menschen nicht nur gegen die dortige Diktatur. Sie
       riskieren auch ihr Leben für Proteste gegen Russlands Ukraine-Krieg.
       
   DIR +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Ukraine in Bachmut unter Beschuss
       
       Die ukrainische Verteidigung zieht sich aus einigen Positionen zurück. Der
       Europäische Rat hat die russische Söldnertruppe Wagner auf seine
       Sanktionsliste gesetzt.
       
   DIR Autor Viktor Martinowitsch über sein Land: „Die Belarussen sind nicht schuld“
       
       Viktor Martinowitsch schreibt Romane, die in Belarus nicht in die Läden
       kommen. Ein Gespräch über Isolation und Hoffnung.
       
   DIR Propaganda in Belarus: Frieren muss man nur im Westen
       
       Die staatliche Propaganda in den belarussischen Medien erinnert an
       Meldungen aus der Sowjetzeit. Gerichtsurteile ergehen in Minsk auch in
       Abwesenheit.
       
   DIR Belarus und der Krieg in der Ukraine: Das Imperium schlägt zurück
       
       Russland gibt in Belarus den Ton an. Kritiker werden weggesperrt. Doch
       Belarussen versuchen dem zu widerstehen mit neuem Selbstbewusstsein.