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       # taz.de -- Johannes Paul II.: Der unheilige Heilige
       
       > Dass Papst Johannes Paul II. von Missbrauch wusste, scheint bewiesen. Auf
       > Strafverfahren und Entschädigungen warten polnische Opfer bis heute.
       
   IMG Bild: Offenbar auch keine großen Fans von Johannes Paul II. – Priesterinnen für Gleichberechtigung
       
       Hat Papst Johannes Paul II. als Erzbischof von Krakau pädophile Priester
       geschützt und ihre Straftaten vertuscht? Wollte er so den guten Ruf der
       katholischen Kirche schützen? Zwei Investigativjournalisten in Polen
       behaupten, dass sie dies für mindestens drei Fälle beweisen können.
       
       Der Dokumentarfilm „[1][Franciszkańska 3]“ und das Buch des
       niederländischen Polenkorrespondenten Ekke Overbeek „[2][Maxima Culpa –
       Johannes Paul II. wusste davon]“ sorgten Anfang März für großes Aufsehen.
       Auch weil Film und Buch so gut dokumentiert sind, dass diese drei
       Missbrauchsfälle und das Wissen des späteren Papstes davon wohl als
       gesichert gelten können.
       
       Doch für die polnischen Bischöfe sind die „Ehre“ und der „gute Ruf“ von
       Papst und katholischer Kirche wichtiger als die Anerkennung des
       menschlichen Leids. Wieder einmal behaupteten sie vor laufenden Kameras,
       dass sie alle Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester aufklären wollten.
       Es solle eine eigene Expertenkommission gegründet werden, die Einblick in
       die Kirchenarchive bekommen solle.
       
       Nur, das alles hat man schon mehrfach gehört. Mindestens eine staatliche
       Expertenkommission, die mit der Kirche eng zusammenarbeiten soll, gibt es
       auch schon, und doch mangelt es bis heute an belastbaren Ergebnissen, an
       Strafverfahren und [3][Entschädigung für die Opfer], die über die Bezahlung
       einer Psychotherapie hinausginge. Am Ende schränkten die Bischöfe ihren
       Aufklärungswillen auch noch stark ein.
       
       ## Franziskus war wenig hilfreich
       
       Karol Wojtyła, den Erzbischof von Krakau und späteren Papst Johannes Paul
       II., würde die Aufklärung ohnehin nicht betreffen, da der ja ein Heiliger
       sei. Einen unheiligen Heiligen können sich auch die meisten katholischen
       Gläubigen in Polen nicht vorstellen. Obwohl der erste und einzige polnische
       Papst nun schon 18 Jahre tot ist, bezeichnen ihn in einer Umfrage rund 70
       Prozent der Befragten als wichtigste moralische Autorität.
       
       Dass Papst Franziskus mit seinem erstaunten Satz: „Ja, das hat man damals
       so gemacht. Man hat alles vertuscht!“, bei den meisten Polen kein
       Innehalten und kritisches Nachdenken ausgelöst hat, hängt mit seinem
       massiven Ansehensverlust seit Beginn des russischen Überfalls auf die
       Ukraine zusammen.
       
       Irgendwann werden sich Polens Gläubige dennoch der Wahrheit stellen müssen.
       Johannes Paul II. wurde von Kirchenangestellten [4][zu einem „Heiligen“
       erklärt]. Das war eine menschliche Entscheidung. Die Erkenntnis, dass
       Wojtyła zwar seine politischen Verdienste für die Freiheitsbewegung Polens
       hatte, aber beileibe kein Heiliger war, könnte sich während des kommenden
       Wahlkampfs in Polen durchsetzen.
       
       3 Apr 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=br6Ic1Je75I
   DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=ZWKQfAiPUTc
   DIR [3] /Missbrauch-in-der-katholischen-Kirche/!5913438
   DIR [4] /Papst-Johannes-Paul-II-heiliggesprochen/!5063823
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gabriele Lesser
       
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