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       # taz.de -- Linke und Grüne zu Koalitionsvertrag: Linke und Grüne proben Opposition
       
       > Nach der Vorstellung des Koalitionsvertrags von SPD und CDU kritisiert
       > die Linke die Pläne. Auch die Grünen sind nicht begeistert.
       
   IMG Bild: Katja Kipping, noch Link Sozialsenatorin, lädt zu einer sozial-ökologischen Mehrheit für Berlin ein
       
       BERLIN taz | Noch hält die Linke der SPD die Tür auf. „Man kann es sich für
       Berlin nur wünschen, dass die SPD-Basis der CDU einen Korb gibt. Und wir
       dann die Chance auf sozialökologische Mehrheiten nutzen“, sagt
       Noch-Sozialsenatorin Katja Kipping am Dienstag dem RBB. Ginge es nach ihr,
       könnte bis Pfingsten eine rot-grün-rote Landesregierung stehen und bis zur
       Sommerpause der Haushalt. Es geht aber nicht nach Katja Kipping und sie
       weiß: Erfahrungsgemäß folgt die SPD-Basis ihrer Führung.
       
       Einen Tag nachdem die voraussichtliche schwarz-rote Koalition ihre
       Verhandlungsergebnisse präsentierte, hat die Linke zur Pressekonferenz ins
       Abgeordnetenhaus geladen. Viele schöne Signalworte, um die SPD-Basis zu
       beschwichtigen, bescheinigt sie dem Koalitionsvertrag. Dass diese Vorhaben
       auch umgesetzt werden können, bezweifeln die Fraktionsvorsitzenden Carsten
       Schatz und Anne Helm allerdings.
       
       Zumal zur Finanzierung der Maßnahmen im Vertrag nur wenig stehe. Spätestens
       2028/29 streben CDU und SPD einen ausgeglichenen Haushalt an. Viel später
       als das Mitte-links- Bündnis, kritisiert Schatz. Und auch weit über die
       eigene Amtszeit hinaus.
       
       Er glaubt nicht, dass die Harmonie, die CDU und SPD auf der Pressekonferenz
       bei der [1][Vorstellung des Koalitionsvertrags] ausstrahlten, lange anhält.
       Die Regierungszeit werde nicht konfliktfrei bleiben, spätestens wenn es um
       die Finanzen gehe, prognostiziert er und appelliert an die SPD-Basis, mit
       Nein zu stimmen.
       
       Wenig Entschlossenheit im Sozialen 
       
       Ob im Bereich Klima, Bauen oder Kultur: Mit diesem Koalitionsvertrag würden
       mehr Menschen zurückgelassen und die soziale Spaltung werde zunehmen, so
       der Grundtenor der Pressekonferenz. Nur das Sondervermögen für Klimaschutz
       findet Anklang. „Aber das Geld wird allen versprochen“, kritisiert Anne
       Helm. Bei den Ausgaben werde es nicht konkret, es seien keine Sektorenziele
       beschlossen worden und die Pläne für den Verkehrs- und Baubereich hält sie
       klimatechnisch „für eine Katastrophe“.
       
       Beim Volksentscheid zur [2][Vergesellschaftung großer
       Immobilienunternehmen] haben CDU und SPD in den Augen der Linkspartei mit
       dem Rahmenvertragsgesetz zwar eine Möglichkeit aufgemacht. Helm zweifelt
       allerdings an der Entschlossenheit in der Umsetzung. Ebenso wie bei vielen
       anderen Vorhaben, bei denen Rot-Grün-Rot die Vorarbeit geleistet habe. Etwa
       bei der Überwindung von Wohnungslosigkeit: Einmal Housing First in den
       Vertrag zu schreiben, reiche nicht aus.
       
       Sehr konkret wird es im Koalitionsvertrag dafür im Bereich der
       [3][Innenpolitik]. Zukünftig könne Berlin sich selbst als weltoffene
       Metropole nicht mehr gerecht werden. Schwarz-Rot plant, härter gegen
       Cyberkriminalität vorzugehen und Staatstrojaner einzuführen. Die
       Präventivhaft soll auf fünf Tage angehoben werden. Beides hält Helm für
       verfassungswidrig und im Zweifel würde die Linke als Opposition auch
       dagegen klagen, kündigt sie an.
       
       In Berlin würden Entscheidungen für ganz Deutschland getroffen, hier die
       Versammlungsfreiheit zu beschneiden, täte besonders weh, kritisiert Helm.
       Dass mit dem Vertrag die Regelungen für Ersatzfreiheitsstrafen und
       Bußgelder verschärft würden, treffe besonders ärmere Menschen.
       
       Grüne stellen sich auf Opposition ein 
       
       Ins gleiche Horn blasen die Berliner Grünen: Der Koalitionsvertrag sei eine
       milliardenschwere Wundertüte, die im Konkreten nur konservativer
       Klientelpolitik entspreche, heißt es in einer Mitteilung am Montag.
       Besonders sichtbar sei dies in der verstärkten Überwachung nach dem Motto:
       „Schwarz-Rot is watching you“.
       
       In der Stadtentwicklung zeichne sich „mehr Beton statt des Erhalts von
       Grünflächen ab“. Auch die Antidiskriminierungsarbeit werde im nächsten Jahr
       gelähmt. Damit werde Berlin seine Vorreiterrolle als offene Gesellschaft
       verlieren. Anders als die Linke stellen sich die Grünen jedoch bereits auf
       Opposition ein.
       
       Für die [4][SPD stünde nun eine Richtungsentscheidung] an, sagt die
       Linken-Fraktionsvorsitzende Anne Helm. Auch sie wolle das Bestmögliche für
       Berlin. „Ich glaube nur nicht, dass dieser Vertrag das ist.“
       
       5 Apr 2023
       
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