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       # taz.de -- herzensort: Die grüne Wucht im Fenster
       
       Noch fällt der Blick aus dem Fenster auf die Häuserwand mit ihren Balkonen,
       auf denen vereinzelt Menschen zu werkeln beginnen, ihre Bewegungen
       eingerostet nach dem langen Winter. Noch stecken unten auf der Wiese
       Narzissen und Hyazinthen tuschelnd ihre Köpfe zusammen. Noch offenbart das
       Nest in der kahlen Baumkrone, wer dort brütet. Die Täubin ist schon wieder
       weg, stattdessen sammelt ein Krähenpaar nun fleißig Zweige.
       
       Aber seit zwei Wochen sind sie endlich da: die ersten neongrünen Knospen an
       dem Ahorn, der der Sonne näher ist. Dieses Wochenende werden sie auch am
       Nachbarbaum anfangen zu sprießen, genau 14 Tage später, so war es schon im
       vergangenen Jahr und wahrscheinlich in all den Jahren davor.
       
       Der Hinterhof hat seinen eigenen Rhythmus, eine eigene Melodie, die anders
       klingt als die der Straße vor dem Haus. Amselgezwitscher statt
       schnatternder Kinder, klickende Fahrradschlösser statt quietschender
       Autoreifen. Und bald wird gegenüber kein Haus mehr zu sehen sein, nur Baum
       und Baum, das ganze Fenster ausgefüllt mit grüner Wucht.
       
       Franziska Seyboldt
       
       8 Apr 2023
       
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   DIR Franziska Seyboldt
       
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