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       # taz.de -- Akustik von Pflanzen: Unerhörter Lärm gestresster Tomaten
       
       > Pflanzen geben unter Stress mehr Ultraschallgeräusche von sich. Ein
       > israelisches Forschungsteam hat genauer hingehört.
       
   IMG Bild: Machen ordentlich Lärm. Vor allem dann, wenn sie gestresst ist: Tomatenpflanze
       
       Die Klimakrise kann man Pflanzen ziemlich gut ansehen. Die Ernte leidet
       unter Dürre, starke Stürme fällen Bäume und [1][bei Trockenheit] vergilben
       Blätter und Stängel brechen ab. Doch wie würde es klingen, wenn der Stress
       der Pflanzenwelt hörbar wäre? Ungefähr so wie Fingerschnipsen oder das
       Zerplatzen von Luftpolsterfolie, behauptet ein Forschungsteam aus Tel Aviv.
       
       Die Studie 
       
       Die israelischen Wissenschaftler*innen nahmen die Geräusche von
       Tomaten- und Tabakpflanzen in einem bioakustischen Experiment auf. [2][Ihre
       Ergebnisse veröffentlichten] sie im Biologie-Fachjournal Cell. Sie fanden
       heraus, dass Pflanzen ordentlich Lärm machen. Vor allem dann, wenn sie
       gestresst sind. Die Geräusche, die sie von sich geben, sind in etwa so laut
       wie sprechende Menschen oder Tastaturgetippe. Die Töne liegen aber in einem
       so hohen Frequenzbereich, dass Menschen sie nicht wahrnehmen können.
       
       Die Forscher*innen positionierten zwei hochempfindliche Mikrofone mit
       einem Abstand von 10 cm vor jeder Pflanze. Die Mikrofone können Geräusche
       zwischen 20 und 150 kHz aufnehmen. Die Pflanzengeräusche wurden an zwei
       verschiedenen Orten aufgenommen: Im Gewächshaus und in einem
       schallgedämpften Raum. Dort setzten die Forscher*innen die Pflanzen
       verschiedenen Stressoren aus. Manche bekamen für ein paar Tage kein Wasser,
       anderen wurde der Stengel abgeschnitten. Zur Kontrolle nahmen die
       Forscher*innen auch die Geräusche entspannter Pflanzen auf. Um ganz
       sicher zu gehen, dass die Pflanzen selbst die Töne von sich geben,
       überprüfte das Team zusätzlich die Geräuschkulisse leerer Töpfe und die
       eines Gewächshauses ohne Pflanzen.
       
       Das Ergebnis: Wenn Pflanzen ausreichend gegossen werden, sind sie leiser.
       Wenn sie aber unter Trockenstress leiden, nimmt die Geräuschfrequenz in den
       ersten vier bis fünf Tagen zu. Trocknet die Pflanze weiter aus, nehmen die
       Geräusche wieder ab. Trockene Tomatenpflanzen gaben im Experiment 35,4
       akustische Signale pro Stunde ab, Tabakpflanzen 11. Schnitten die
       Forscher*innen den Pflanzen einzelne Stengel ab, gaben sie weniger
       Geräusche von sich als unter Trockenstress. Ein Computerprogramm
       analysierte die Tonaufnahmen und entschied mit einer Wahrscheinlichkeit von
       70 Prozent richtig, welche Art von Stress den Ton auslöste.
       
       Was bringt’s? 
       
       Bisher stellten sich Menschen die Welt der Pflanzen ziemlich still vor.
       Dabei liegt es an uns, dass wir die Pflanzen nicht hören. Dass das nun
       mithilfe von Technik möglich ist, könnte auch in der Landwirtschaft helfen.
       Durch gezieltere Bewässerung könne laut den israelischen Forscher*innen
       eine Menge Wasser eingespart werden – obwohl die israelische Landwirtschaft
       [3][bereits sehr wassereffizient arbeitet]. Übrigens: Tiere wie Mäuse oder
       Motten hören das Klagen der Pflanzen auch ohne Mikrofon.
       
       5 Apr 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Waldzustandsbericht-2022/!5920227
   DIR [2] https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(23)00262-3#gr1
   DIR [3] /Ressource-Wasser-in-Israel/!5560003
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ann-Kathrin Leclère
       
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