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       # taz.de -- Streik im Nah- und Fernverkehr am Montag: Deutschland aus dem Verkehr ziehen
       
       > Gewerkschaften wollen am Montag den Nah- und Fernverkehr einen Tag lang
       > weitgehend lahmlegen. Welche Verkehrsmittel sind betroffen?
       
   IMG Bild: Die Gewerkschaft EVG hat gemeinsam mir der Verdi für Montag zum Streik aufgerufen
       
       Berlin taz | Am kommenden Montag wird der Verkehr in Deutschland an vielen
       Orten ruhen. Grund ist ein Warnstreik von gleich zwei Gewerkschaften: Die
       Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) legt Züge und Busse lahm, die
       Gewerkschaft Verdi den Nahverkehr in kommunalen Betrieben von sieben
       Bundesländern. Das teilten beide Gewerkschaft am Donnerstag auf einer
       gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin mit.
       
       Gemeinsame Aktionen mehrerer Gewerkschaften sind ungewöhnlich. In diesem
       Fall ermöglicht der Terminplan der Tarifverhandlungen den Superstreiktag.
       „Die Arbeitgeber versuchen uns mit warmen Worten und viel zu niedrigen
       Angeboten abzuspeisen“, begründet Verdi-Chef Frank Werneke den
       Arbeitskampf.
       
       Die Deutsche Bahn reagierte darauf mit der Ankündigung, den gesamten
       Fernverkehr am Montag komplett einzustellen. [1][In Berlin werden auch der
       S-Bahn und Regionalverkehr betroffen sein]. Ebenso in Hamburg.
       
       Am Flughafen München wird bereits ab Sonntag kein regulärer Passagier- und
       Frachtverkehr statt. Das teilte die Flughafengesellschaft mit. Auch am
       Frankfurter Flughafen wird kein regulärer Verkehr möglich sei.
       
       Der Ausstand beginnt um 0:00 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag und
       endet um Mitternacht. Betroffen ist die gesamte Palette der
       Verkehrsdienste. Neben Bussen und Bahnen ist vor allem der [2][Luftverkehr]
       stark betroffen. Dort vertritt Verdi einerseits die Beschäftigten von Bund
       und Kommunen, andererseits örtliche Verhandlungen mit Bodendienstleistern.
       So werden auch die Beschäftigten der Luftsicherheit die Arbeit niederlegen.
       
       Zudem ruht die Arbeit in Teilen der kommunalen Häfen, der
       Autobahngesellschaft sowie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Die
       Folgen sind gravierend. So werden große Schiffe wohl nur eingeschränkt im
       Hamburger Hafen einlaufen können und Autofahrer vor gesperrten Tunneln
       stehen.
       
       Der öffentliche Nahverkehr wird in den sieben Bundesländern bestreikt, die
       an den Tarifvertrag für die öffentlichen Dienst der Kommunen angeschlossen
       sind: Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
       Rheinland Pfalz und Sachsen. Auch Bayern ist betroffen, da dort zurzeit ein
       Tarifvertrag für den Nahverkehr ausgehandelt wird. Auf Seiten der EVG wird
       nicht nur bei der Deutschen Bahn zum Streik aufgerufen. Auch bei
       Privatbahnen wie Transdev, den Osthannoverschen Eisenbahnen, Erixx, Vlexx,
       Eurobahn und anderen ruht Montag der Verkehr.
       
       ## Auch Kita-Streiks möglich
       
       Sowohl bei den Bahnen als auch im öffentlichen Dienst von Bund und den
       Kommunen sind die Fronten im Tarifkonflikt verhärtet. Verdi und der
       Beamtenbund fordern für ihre rund 2,5 Millionen Beschäftigten 10,5 Prozent
       mehr Lohn, wenigstens aber 500 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
       Die Arbeitgeber haben beim letzten Treffen 5 Prozent mehr Lohn in zwei
       Schritten sowie einen Inflationsausgleich von 2.500 Euro angeboten. Das ist
       den Gewerkschaften deutlich zu wenig.
       
       Der Streik fällt auf den Start der dritten und vorerst letzten Tarifrunde
       des öffentlichen Dienstes, die von Montag bis Mittwoch in Potsdam
       stattfindet. Bleiben die Gespräche weiterhin ergebnislos, wird eine
       Schlichtung eingeleitet, die der frühere Bremer Finanzsenator Hans-Hennig
       Lühr leiten würde. Weitere Streiks im öffentlichen Dienst, am Ende
       womöglich sogar ein unbefristeter Ausstand in Kita, Verkehrsunternehmen,
       [3][Krankenhäusern] der Müllabfuhr oder bei Feuerwehren sind durchaus
       möglich, wenn am Ende keine Einigung erreicht wird.
       
       Bei der Deutschen Bahn sieht die Lage etwas anders aus. Hier endete an
       diesem Donnerstag die erste Runde der Tarifverhandlungen. Die EVG fordert
       nicht nur von der Bahn mehr Geld, sondern auch von weiteren 50
       Bahnunternehmen in jeweils separat geführten Gesprächen. Denn es gibt bei
       den Bahnen keinen gemeinsamen Arbeitgeberverband. Betroffen von den
       Tarifverträgen sind rund 180.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn und etwa
       50.000 Mitarbeiter der privaten Konkurrenten. Maßgeblich dürfte der
       Abschluss mit dem Branchenführer sein.
       
       Die EVG verlangt 12,5 Prozent mehr Lohn bei einem Mindestbetrag von 650
       Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Deutsche Bahn bietet 5
       Prozent in zwei Schritten sowie eine Inflationsausgleichsprämie von 2.500
       Euro. Allerdings geht es beiden Seiten noch um weitere Detailfragen, etwa
       die Festschreibung eines Mindestlohns.
       
       Inwieweit es beim ersten Warnstreik bei den Bahnunternehmen bleibt, werden
       die kommenden Wochen entscheiden. Die Verhandlungen könnten sich bis in den
       Sommer hinziehen, da die EVG jeweils mit 50 Unternehmen sprechen muss. Der
       nächste offizielle Gesprächstermin mit der Deutschen Bahn soll erst Ende
       April stattfinden. Weitere Warnstreiks bis dahin schließt die EVG zwar
       nicht aus, sie sind aber eher unwahrscheinlich.
       
       Die Deutsche Bahn nennt den Streik „grundlos und unnötig“, wie
       Personalvorstand Martin Seiler kritisiert. Er fordert eine schnelle
       Rückkehr der Gewerkschaft an den Verhandlungstisch. Der Ausstand werde
       massive Auswirkungen auf den gesamten Bahnbetrieb in Deutschland haben.
       Konkret will die Bahn noch über die Folgen und über Kulanzregelungen für
       Fahrgäste informieren.
       
       23 Mar 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Wolfgang Mulke
       
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